So bereiten sich die Kindertagesstätten auf den Neustart vor
Kitas öffnen wieder ihre Tore

Paderborn (WB). „Schön, dass ihr wieder da seid. Wir haben euch vermisst!“ steht auf dem Zettel, den Verena Mai, Leiterin der Kita Lüthenweg in Wewer für den großen Neustart am Montag am Tor befestigt. Denn dann soll wieder ein Stück Normalität in die Kitas und für die 5800 Kita-Kinder der Stadt einkehren. „Eingeschränkter Regelbetrieb” nennt sich das im Amtsdeutsch.

Samstag, 06.06.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 06.06.2020, 12:02 Uhr

Seit Mitte März und damit mehr als acht Wochen lang waren die 87 Kitas in Paderborn, darunter 33 städtische, bis auf die Notfallbetreuung wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Von Montag an dürfen wieder alle Kinder in die Kitas gehen, auch wenn die Eltern nicht in systemrelevanten Berufen arbeiten oder alleinerziehend sind.

„Strikte Trennung” ist von nun an das höchste Gebot. Dazu gehört, dass die Gruppen in gewohnter Zusammensetzung bleiben, sich im Idealfall aber weder drinnen noch draußen begegnen. Keine leichte Aufgabe für Verena Mai und ihr Team – bei 90 Kindern. Im Kampf gegen die Ausbreitung der Pandemie setzt die Leiterin der Kita Lüthenweg in Wewer auch auf ungewöhnliche Mittel: Wimpelketten, Flatterband und Mundschutz mit bunten Stickern.

In den Fluren werden mit Tischen und Regalen Barrieren aufgebaut, um die einzelnen Gruppen voneinander zu trennen.

In den Fluren werden mit Tischen und Regalen Barrieren aufgebaut, um die einzelnen Gruppen voneinander zu trennen. Foto: Jörn Hannemann

Und so teilt Flatterband den Garten in mehrere Bereiche für die vier Gruppen ein. „Die tauschen wir noch gegen Wimpelketten aus. Das wirkt freundlicher.” In der Kita sind in den Fluren Tische und Regale als Barrieren aufgebaut. „Jede Gruppe hat ihr Reich mit einem eigenen Zugang von außen“, erläutert die Erzieherin. Das gruppenübergreifende, freie Bewegen für die Kinder falle in der ganzen Einrichtung aus, was eigentlich Teil des pädagogischen Konzeptes ist.

Zehn Stunden weniger als sonst wöchentlich

Auch ansonsten wird so manches anders laufen als sonst: Eltern dürfen die Kinder nur bis zu den Toren zum Gelände begleiten. Über Doodle, einem Umfrage-Tool im Internet, müssen sie sich außerdem jeweils für ein knappes Zeitfenster von 15 Minuten für die Bringzeit entscheiden, damit kein Gedränge entsteht. Maximal acht Familien können sich für einen Zeitabschnitt eintragen. Kinder dürfen keine Spielzeuge, Schnuller oder Kuscheltiere mitbringen.

Seit Beginn der Corona-Krise betreuen die meisten Eltern ihre Kinder zuhause – oftmals neben ihrem normalen Job im Homeoffice. Dass viele Eltern die Öffnung der Kitas herbeisehnen, sei nachvollziehbar. „Viele haben aber auch die Extra-Zeit mit ihren Kindern genossen. Einige Kinder haben in der Zwischenzeit Fahrradfahren gelernt”, so die Beobachtung von Verena Mai.

Wie in allen Kitas sind die Betreuungszeiten um jeweils zehn Stunden reduziert worden. 15 statt 25, 25 statt 35 und 35 statt 45 gebuchte Stunden pro Wochen. „Das deckt natürlich den Bedarf nicht ab, so ist aber die Betreuung für alle Kinder gleichzeitig möglich.“ Die Kita versuche aber, im Einzelfall und nach Möglichkeit den Eltern entgegen zu kommen. 15 Erzieher sind hier tätig, personell relativ gut aufgestellt. Deshalb müssen drei Mitarbeiterinnen in einer anderen Partnerkita aushelfen.

Viele Aktionen und Projekte für Vorschulkinder sind ausgefallen

Schwer ist die Situation für alle Eltern von Vorschulkindern. Viele Projekte, die die Übergangsphase von der Kita zur Schule erleichtern sollten, sind Corona zum Opfer gefallen: Das reicht vom gemeinsamen Schultütenbasteln mit den Eltern über Ausflüge bis hin zu Kooperationen mit der Grundschule. Ob die beliebte Übernachtungsparty in der Kita stattfinden kann, ist noch unklar.

Das Team habe sich bemüht, den Kontakt zu Kindern und Eltern dennoch zu halten. „Wir haben den Kindern wöchentlich Päckchen gepackt. Darin waren Lieder, Fingerspiele, Bastelanleitungen, Spielideen und sogar eine Schnitzeljagd quer durch Wewer.“ In den Umschlägen lagen aber auch persönliche Grüße von den Erzieherinnen an die Kinder. Mehrere Kinder schickten per E-Mail auch Fotos wieder zurück, auch ein Bohnenwettbewerb wurde ausgerufen. „So konnten wir die Zeit gut überbrücken.“

Eingewöhnung wird mit Mundschutz möglich sein

Viele Eltern von Kleinkindern, die ab August die Kita besuchen sollen, fragen sich, wie die Eingewöhnung aussehen soll. „Für die Eingewöhnung und Wiedereingewöhnung gilt das Betretungsverbot jedoch nicht“, weiß Mai. Vater oder Mutter können also – mit Mundschutz – die erste Zeit bei den Kindern bleiben. Die Erzieher müssen in diesem Fall auch Mundschutz tragen. „Wir bekleben dafür schon Masken mit bunten Stickern. Man muss halt das Beste aus der Situation machen.“

Mit Absperrband und Wimpelketten wird das Kita-Außengelände für die Bären-, Tiger-, Löwen- und Faultiergruppe unterteilt.

Mit Absperrband und Wimpelketten wird das Kita-Außengelände für die Bären-, Tiger-, Löwen- und Faultiergruppe unterteilt. Foto: Jörn Hannemann

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