Paderborner IHK-Chef Jürgen Behlke überzeugt: Von der Armee kann man viel lernen
Wirtschaft als Nutznießer

Paderborn (WB). Der Paderborner IHK-Chef Jürgen Behlke hat bei der Bundeswehr seine berufliche Laufbahn begonnen. Damals wie heute ist er überzeugt, dass Menschen in zivilen Führungspositionen einiges von der Armee lernen können.

Mittwoch, 03.06.2020, 10:24 Uhr aktualisiert: 03.06.2020, 11:25 Uhr
Militärische Übungen sind international: Jürgen Behlke (Mitte) trifft hier auf zwei israelische Fallschirmjäger – zu erkennen an den roten Stiefeln.

Kommandos geben und lautes Schreien: Vorurteile gegenüber der Bundeswehr sind weit verbreitet. Behlke setzt vielmehr auf Qualitäten der Bundeswehr, die Führungskräfte im Alltag gut einsetzen können. Dazu gehören unter anderem taktische Kommunikationsstrategien, die bei der Bundeswehr erlernt werden. „Wer schreit, hat Unrecht, und wer lobt, der bejaht den Menschen“, fasst der Reservist zusammen. Die militärische Ausbildung helfe, Ziele zu erreichen. Auch von der klaren Kommunikationsstruktur könnten Unternehmen lernen: Wer informiert wen zu welcher Zeit?

Behlke führt die neue 6. Kompanie

Vor diesem Hintergrund ist der Geschäftsführer der IHK Paderborn und Höxter davon überzeugt, dass die neue 6. Kompanie beim Panzerbataillon 203 in Augustdorf – sie besteht ausschließlich aus Reservisten – auch für Unternehmen eine Chance bietet, wenn sich Mitarbeiter dort engagieren. Behlke führt als Hauptmann die Kompanie, die vor wenigen Wochen in Dienst gestellt worden ist und in den kommenden Jahren bis auf 66 Mann aufgestockt werden soll, an. Gesucht werden also ehemalige Soldaten aus ganz Westfalen, die sich freiwillig in Dienst stellen lassen wollen.

Behlke ist ein Wiederholungstäter. Eigentlich hatte er schon im Jahr 2000 nach seiner Offizierslaufbahn als Zeitsoldat und diversen Reservediensttätigkeiten das Barett an den Nagel gehängt. Jetzt will er mithelfen, die neue Kompanie mit ehemaligen Soldaten aufzubauen. Im Vergleich zu seiner damaligen aktiven Zeit gebe es jedoch erhebliche Unterschiede, hat der Paderborner festgestellt. „Heute wird deutlich mehr Rücksicht auf die Belange des einzelnen Soldaten genommen“, stellt er fest.

Mit der Reaktivierung der Reserven, die zwischenzeitlich aufgelöst waren, will das Ver­teidigungsministerium erreichen, dass die neuen Kompanien bis zum Jahr 2031 bundesweit voll einsatzbereit sind.

Karrierecenter der Bundeswehr prüft jeden Kandidaten

„Gesucht werden vor allem Kommandanten, Fahrer, Richt- und Ladeschützen für das Hauptwaffensystem, den Leopard 2. Eine vorherige Ausbildung in diesen Funktionen wäre wichtig, um schnell die Einsatzbereitschaft zu erlangen, aber nicht in jedem Fall zwingend erforderlich. Wir müssen sowieso einiges auffrischen“, erläutert Behlke die Anforderungen. Das Karrierecenter der Bundeswehr prüft jeden Kandidaten im Vorfeld der Berufung.

Viele Arbeitgeber hätten Bedenken, wenn es darum gehe, deren Mitarbeiter für Reserveaktivitäten freizustellen, weiß der IHK-Chef. Aber im Gegenzug würden die Reservisten militärisch weiter gebildet, wovon auch der Arbeitgeber profitiere. „Es geht dabei um Strategie und Taktik. Keiner der Reservisten kommt dümmer zurück. Man lernt geradlinig und strukturiert zu arbeiten. Für Verdienstausfälle gibt es Entschädigungen. Und für den Reservisten ist der Einsatz sicherlich auch immer ein Abenteuer, ein Reiz“, stellt der Hauptmann fest. Nicht zuletzt gebe es ein gutes Miteinander. „Daraus ergibt sich eine Win-Win-Win-Situation für Bundeswehr, Arbeitgeber und Reservisten“, betont Behlke.

Daraus ergibt sich eine Win-Win-Win-Situation.

Jürgen Behlke

Die Freiwilligen, die sich nun melden, müssen zunächst erfasst und untersucht werden. Sie brauchen Bekleidung und Ausrüstung sowie Ausbildungsnachweise. Dass sich das Verteidigungsministerium auf die Reservistenkompanien rückbesinne, habe einen guten Grund, meint er: „Wenn die Bundeswehr personell aus dem Vollen schöpfen könnte, wäre eine so intensive Stärkung der Reserve sicher nicht in diesem Umfang nötig. Unsere Reservisten helfen daher mit, den Auftrag unserer Parlamentsarmee zu erfüllen.“

Großes Interesse an der neuen Kompanie

Das Interesse an der neuen Kompanie sei groß. Es gebe viele Ehemalige, die „Einsatz für unser Land zeigen wollen“, sagt Behlke. Dennoch sei das kein Hobby wie jedes andere, denn auch der Einsatzfall sei möglich. „Die Soldaten unserer Kompanie könnten als Reservisten zum Beispiel bei Übungen aushelfen, wenn bei der Einsatzkompanie aufgrund von Abstellungen oder Personalengpässen Panzerfahrer, Kommandanten oder Richtschützen fehlen. Das sind meistens zwar ältere, aber sehr engagierte Männer und ­Frauen.“

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