Laptops für bedürftige Paderborner Familien sind aber nicht sofort zu haben
Schüler im digitalen Abseits

Paderborn (WB). Kinder aus bedürftigen Familien in Paderborn können nicht von heute auf morgen mit Laptops für den digitalen Unterricht ausgestattet werden. Das hat Schuldezernent Wolfgang Walter in der Sitzung des Schulausschusses betont.

Dienstag, 02.06.2020, 11:00 Uhr
Ein Kind lernt an einem Laptop. Foto: dpa

„Ich halte es rein organisatorisch nicht für machbar, dass wir in zwei Wochen 2000 Geräte haben und unters Volk werfen“, sagte er. Bei den Fraktionen und bei ihm herrscht allerdings Einigkeit darüber, dass „wir keine Zwei-Klassen-Gesellschaft in unseren Schulen haben wollen“, wie es Rainer Lummer (Für Paderborn) ausdrückte.

Das Coronavirus hat für eine Verlagerung vom Präsenzunterricht in den Klassen zum digitalen Lernen zuhause gesorgt. Kinder, die über keinen Internetzugang und kein Laptop oder Tablet verfügen, sind benachteiligt und drohen den Anschluss zu verlieren. Ihnen wollen Bund, Land und die Kommunen helfen.

Die Zeit drängt

Aber bevor die Stadt Paderborn Geräte beschaffen kann, müssen wichtige Fragen beantwortet sein. Wie viel Geld gibt es von Bund und Land? Welche Schüler konkret sollen die Geräte bekommen? Gibt es sie nur leihweise? Müssen die Kinder und Jugendlichen entsprechend geschult werden?

Dass die Zeit drängt, wissen alle Beteiligten. „Jede Woche verschärft sich die soziale Spaltung“, mahnte Roswitha Köllner von der Linksfraktion, und Susanne Schüssler von den Grünen, selbst Lehrerin, hat festgestellt: „Wir haben einen akuten Handlungsbedarf. Einige Kinder brauchen ad hoc Endgeräte, sie haben teilweise nur ein Handy, mit dem sie herumfummeln.“

Schüsslers Parteifreundin Petra Tebbe mahnte die Verwaltung, so schnell wie möglich eine „digitale Schulmaterialienkammer“ zu organisieren und mit Hochdruck das Konzept zur Beantragung der Fördermittel aus dem Digitalpakt Schule des Landes zu erarbeiten. Das würde der Stadt demnach 6,4 Millionen Euro bescheren.

Jeder fünfte Schüler der Sekundarstufen hat nach Angaben der Grünen keinen internetfähigen PC, kein Tablet, Laptop oder Drucker. Sie drohten zu den Verlierern der Corona-Krise zu werden. Petra Tebbe betonte, Hardware allein reiche aber nicht aus. Kinder aus bildungsfernen Haushalten bräuchten zudem Lernarbeitsplätze. Sie begrüßte, dass Schulen für sie am Wochenende ihre Türen öffneten.

Verein könnte helfen

Wolfgang Walter verwies auf die bereits bestehenden Schülerarbeitsplätze in der Stadtbibliothek am Rothoborn. Allerdings bereite es ein Problem, die Schüler aus bildungsfernen Schichten überhaupt zu erreichen. Dass Geräte gebraucht werden, ist Wolfgang Walter klar: „Wir reden schon über erhebliche Kapazitätsmängel.“

Bei der Lösung des Problems könnte auch der Paderborner Verein Medien und Technik für Kinder und Jugendliche (MTKJ) helfen. Seit 2011 bemüht er sich darum, bedürftige Kinder mit noch brauchbaren Computern auszustatten und startete dafür zusammen mit der Universität das Projekt „Paderborner Recycling PC“. Die Vorsitzende Heike Masan machte im Ausschuss deutlich, dass es nicht reiche, den Kindern einfach Geräte in die Hände zu drücken.

„Sie müssen Schulungen machen, sonst haben Sie verloren“, rief sie den Politikern zu. Sechs Stunden Schulung seien das absolute Minimum. Es falle auch keineswegs leicht, die bedürftigen Schüler ausfindig zu machen, denn die würden ihre Armut verstecken. Heike Masan: „Keiner wird auf Instagram posten, dass er keinen Computer hat.“

Sie hat beobachtet, dass Müttern und Vätern der Stellenwert von Computern im Unterricht manchmal nicht klar ist. Ein Vater habe zu ihr gesagt: „Das Gerät können wir ja nach Corona wieder abgeben.“

Schulplattform so stark genutzt wie nie zuvor

Neben dem Verein kann auch die stadteigene Schulplattform Lernstatt helfen. Sie ist enorm gefragt und wird in diesen Wochen von Lehrern so stark genutzt wie nie. Der Projektverantwortliche der Lernstatt, Burkhard Pöhler, verwies darauf, dass die Zahl der Nutzer von E-Mails von normalerweise 3800 auf 12.000 im April gestiegen sei.

Normalerweise kümmert sich die Lernstatt um die Weiterentwicklung des E-Learning innerhalb des Präsenzunterrichts. Wenn der Unterricht der Zukunft verstärkt außerhalb der Klassenräume stattfinden sollte, muss sie sich umstellen. „Digitales Lernen erfordert eine Menge Vorarbeit und auch personelle Ressourcen“, betonte Manfred Krugmann von der SPD.

Lehrerinnen und Lehrer müssten geschult werden, ergänzte Sigrid Tenge-Erb von der CDU: „Ich kann nicht einfach als Lehrerin ein Video drehen und ablaufen lassen.“ Für das digitale Lernen müsse es ein Konzept geben. Die Mitglieder des Ausschusses wollen die Antworten auf die noch offenen Fragen abwarten und das Thema dann erneut behandeln.

 

 

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