Bahnhofsneubau: Mehrheit will, dass es vorwärts geht
„Ja“ zur Kompromisslösung

Paderborn (WB). Mehr als ein Jahrzehnt haben die Bemühungen um den neuen Paderborner Hauptbahnhof gedauert. Je näher die Realisierung der Pläne rückt, umso mehr gibt es politischen Zündstoff in Detailfragen. Am Mittwochabend ging es im Ausschuss für Bauen, Planung und Umwelt vorwiegend um die Frage, wie denn das Thema Radfahren und -parken umgesetzt werden soll. Die Lösungsvorschläge der Verwaltung wurden von den Grünen und der FDP kategorisch abgelehnt.

Freitag, 29.05.2020, 07:02 Uhr aktualisiert: 29.05.2020, 07:06 Uhr
Blick von den Gleisen zur Bahnhofstraße: Die Fahrradparkhäuser entstehen neben dem Bahnhof (rechts).

Während die Technische Beigeordnete von einem „bestmöglichen Kompromiss“ sprach, sah das Grünen-Ratsherr Stefan Schwan völlig anders: „Die Umfeldplanung ist gerade für Fußgänger und Radfahrer eine Bankrotterklärung. Dies ist aber nicht der Verwaltung anzulasten.“ Wohin der schwarze Peter genau zu schieben sei, ließ der Ratsherr offen.

Zwei Parkhäuser für 700 Fahrräder

Schwan ließ an der Verkehrsführung und Wegeplanung kein gutes Haar. Durch Busgäste, Bahnhofsbesucher, Fußgänger und Radfahrer werde vor dem Bahnhof ein großes Konfliktpotential entstehen, befürchtet Schwan. Besonders kritisch sah er den geplanten Standort der beiden Fahrradparkhäuser, die an der Westseite des Bahnhofs (stadteinwärts gesehen vor dem Neubau) entstehen sollen. Egal ob Busbereich, Taxiplätze oder auch die Anlieferung für die Händler und das Bahnhofshotel seien zusammengepfercht worden.

Margit Hoischen, Leiterin des Straßen- und Brückenbauamtes, verwies auf die hohen Anforderungen für die Verkehrsführung von Fußgängern, Radfahrern und Pkw. Dazu gehöre auch die Frage, wie man künftig den Anspruch an Fahrradparkplätzen erfüllen könne. Derzeit habe man 367 Stellplätze, benötigt würden aber 700. Als Lösung präsentierte Hoischen zwei 40 mal 8 Meter große, zweigeschossige Gebäude, die in unmittelbarer Nähe vom Bahnhof stehen müssten. „Radfahrer sind empfindlich bei Entfernungen“, begründete sie die Auswahl der Standorte. Der eine befindet sich direkt hinter der bestehenden Bushaltestelle, der andere links von der Bushaltestelle an der Bahnhofstraße (kurz vor der Rathenaustraße).

Grüne befürchten Chaos zu Spitzenzeiten

Die Daten: Das eine Fahrradparkhaus mit insgesamt 400 Stellplätzen wird auch für Kurzzeitparker ausgerichtet sein, die nur kurz in den Bahnhof wollen. Die Geschosse werden über Rampen verbunden. Das zweite Parkhaus soll mit zwei Fahrstühlen ausgestattet werden. Auf diese Weise wolle man Platz für eine Service-Station mit Reparatur, Verkauf und Beratung gewinnen. In diesem Gebäude sollen 300 Fahrräder Platz finden.

Die Fahrstuhl-Lösung stuften die Grünen als suboptimal ein. Hier seien gerade zu Spitzenzeiten Staus zu erwarten. Sie schlugen daher eine Bauweise mit Halbgeschossen vor, bei denen die Rampen weniger Platz bräuchten.

Kurzzeitparkplätze vor der Agentur für Arbeit

Die Neuordnung des Bahnhofs-Umfeldes hat zur Folge, dass die Kurzzeitparkplätze aufgegeben werden, weil dort künftig die Taxis stehen werden. Kurzzeitparken wäre dann nur noch vor der Agentur für Arbeit möglich. Der Gedanke daran schmeckte Dr. Michael Hadaschik überhaupt nicht. Er lehnte, ebenso wie die Grünen, die Beschlüsse für den Bahnhofsneubau ab.

CDU-Chef Markus Mertens, SPD-Chef Franz-Josef Henze und Reinhard Borgmeier (Linksfraktion) hatten zuvor betont, dass das Gesamtprojekt Schwächen habe. Mertens erklärte, dass die Gegner zur Kenntnis nehmen müssten, dass hier im Bestand und nicht „auf der grünen Wiese“ gebaut werde. Mertens: „Es muss jetzt weiter gehen.“ Letztlich sprach sich auch die FBI für die Kompromisslösung aus. Mit deutlicher Mehrheit wurde die Verwaltung beauftragt, die Verträge mit der Bahn und dem Investor Bremer zu unterzeichnen. Jetzt muss der Rat zustimmen.

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