Zahl steigt stetig: Paderborner Labor arbeitet mit Hochdruck
700 Corona-Tests pro Tag

Paderborn (WB). Die Zahl der mit Corona infizierten Menschen ist gestiegen: Fünf neue Fälle sind im Kreis Paderborn am Mittwoch hinzu gekommen. Sie stehen nach Angaben des Kreises im Zusammenhang mit der Corona-Infektion einer Mitarbeiterin eines Altenbekener Seniorenheims. Aktuell gibt es somit 605 bestätigte Fälle, 67 Menschen sind aktuell betroffen. Doch wie viele Personen werden überhaupt auf Corona getestet? Der Kreis schätzt, dass es pro Tag 700 Menschen sind.

Donnerstag, 14.05.2020, 06:57 Uhr aktualisiert: 14.05.2020, 07:00 Uhr
An den Testreihen bei Mitarbeitern von Seniorenheimen haben sich 2100 Pflegekräfte beteiligt (hier im Paderborner Westphalenhof). Kosten: 100.000 Euro. Der Erfolg der Testreihe fließt in einen Bericht, den das Robert-Koch-Institut veröffentlichen will.   Foto: Ingo Schmitz

Keine Meldepflicht: Genaue Angaben, wie viele Tests durchgeführt werden und wie viele ein negatives Ergebnis aufweisen, gibt es nicht. Dazu der Kreis: „Die Anzahl der durchgeführten Tests wird in Deutschland nicht zentral erfasst. Es gibt dafür bislang keine Meldepflicht. Die Anzahl ist gleichwohl bedeutend, um zu erkennen, ob ein Anstieg der Fallzahlen auf vermehrtes Testen zurückgeführt werden kann oder ob tatsächlich mehr Fälle auftreten.“ Umso mehr drängt sich die Frage auf, warum die Fallzahlen nicht erfasst werden und es kein strukturiertes Meldeverfahren dazu gibt.

Obergrenze bei 154 Neuinfizierungen in sieben Tagen

Die Obergrenze: Gerade vor dem Hintergrund der Einführung der Obergrenze vor gut einer Woche ist es nicht unerheblich zu wissen, bei wie vielen Menschen ein Abstrich vorgenommen wird. Die Obergrenze bedeutet für den Kreis Paderborn mit seinen 306.890 Einwohnern, dass die Obergrenze bei einer Zahl von 154 Neuinfizierungen in sieben Tagen erreicht wird. Davon ist der Kreis momentan weit entfernt. Im Vergleich zur Vorwoche gibt es derzeit 15 Neuinfektionen.

Hier wird getestet: Nach Angaben des Kreises testen in erster Linie niedergelassene Ärzte und die Krankenhäuser. In der zentralen Anlaufstelle in der Erzbergerstraße (Alanbrooke-Kaserne) in Paderborn wird auf der Grundlage einer ärztlichen Überweisung ein Abstrich vorgenommen. Hier könnten pro Tag 130 Tests durchgeführt werden, teilt der Kreis mit. Derzeit werden 50 bis 70 Tests vorgenommen. Weitere Testungen erfolgen im Behandlungszentrum der Kassenärztlichen Vereinigung im Ahornsportpark. Zudem gibt es einen aufsuchenden Dienst, der es ermöglicht, im gegebenen Fall auch Testungen zu Hause vorzunehmen, sofern die Patienten nicht mobil sind.

Behutsamer Anstieg der OPs hat Folgen

Hier wird untersucht: Ein wesentlicher Teil der im Kreis Paderborn vorgenommenen Abstriche wird im LADR Laborzentrum Paderborn und im benachbarten B+V Laborzentrum (Kooperation Brüder- und Vincenz-Krankenhaus) untersucht. Nach Angaben des Geschäftsführers und Ärztlichen Leiters, Dr. Armin Kuhlencord, werden durchschnittlich pro Tag 500 bis 600 Tests durchgeführt. „Tendenz steigend“, berichtete Kuhlencord dieser Zeitung. Hintergrund sei, dass die Krankenhäuser die operativen Eingriffe, die wegen der Corona-Pandemie verschoben worden sind, nun nachholen. Der behutsame Anstieg der OPs habe nun zur Folge, dass jeder stationäre Patient mindestens dreimal getestet werde: ein Vorab-Screening zwei bis drei Tage vor dem Eingriff, dann direkt bei der Aufnahme und dann erneut während des Krankenhaus-Aufenthaltes. „Ziel ist es zu verhindern, dass Corona-Patienten mit einer Infektion unerkannt aufgenommen werden. Dies soll einem Corona-Ausbruch im Krankenhaus vorbeugen – zum Schutz der Patienten und Mitarbeiter“, sagte Dr. Kuhlencord. Außerdem stehe zu befürchten, dass ein mit Corona infizierter Patient schlechtere Heilungschancen habe.

Bis zu 4000 Proben pro Woche untersucht

Zu Spitzenzeiten haben die beiden Labore mit ihren insgesamt 70 Mitarbeitern bis zu 4000 Proben pro Woche untersucht. Das sei zu dem Zeitpunkt gewesen, als die Mitarbeiter der Seniorenheime getestet wurden. In den vergangenen 14 Tagen sei der Arbeitsaufwand um 40 Prozent gestiegen. Innerhalb von acht Wochen seien mehr als 10.000 Abstriche auf den Virus getestet worden. Das Hauptproblem dabei aus Sicht von Dr. Armin Kuhlencord: „Leider werden die meisten Tests nicht von der Krankenkasse bezahlt.“ Das bedeutet: Sämtliche Tests, die mit einer Operation im Zusammenhang stehen, müssen die Krankenhäuser selbst zahlen. Gleiches gelte für die Mitarbeiter.

So testet das Johannisstift: Diesen Umstand moniert zum Beispiel auch das St. Johannisstift, das sowohl Krankenhaus als auch Altenheim trägt. „Wäre die Frage der Finanzierung geklärt, würden wir selbstverständlich sehr gerne noch viel häufiger testen“, erklärte Pressesprecherin Stefani Josephs auf Anfrage. „In unseren Altenhilfeeinrichtungen wird nicht täglich, sondern in einem angemessenen Rhythmus getestet, an einigen Stellen wöchentlich – an anderen im 14-tägigen Abstand. Sowohl in der Altenhilfe als auch im Krankenhausbereich haben wir jeweils rund 400 Tests durchgeführt. Für ambulante Patienten im Krankenhaus öffnen wir unseren Betrieb erst wieder ganz behutsam – da liegen uns noch keine Testungszahlen vor.“

Wir müssen vorsichtig leben.

Dr. Rudolf Jopen

Das sagt das Praxisnetz: „Noch nie haben Hausärzte so viele Tests durchgeführt, wie aktuell“, stellt Dr. Rudolf Jopen, Vorsitzender des Praxisnetzes, fest. „Im Kampf gegen eine zweite Welle hilft aber nur eins: Wir müssen vorsichtig leben. Die derzeit zu beobachtende Sorglosigkeit bei manchen Menschen ist eine Folge der Lockerungen.“ Zum Glück halte sich aber die Mehrheit an die Hygienevorschriften.

Kommentare

Willi Krause  wrote: 14.05.2020 20:02
Kopfschüttel
Es ist manchmal nur noch lächerlich. Man "schätzt", man weiß es nicht genau, es gibt keine Meldepflicht. Was sind da für Leute am Werk? Ich werde mitmachen und meine Einkommen- und Gewerbesteuer zukünftig auch schätzen.
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