Im Haxtergrund hat ein außergewöhnlicher Versuch begonnen Grüne Linsen aus Paderborn

Paderborn (WB). Auf diesen zwei Hektar wächst etwas Besonderes. Im Haxtergrund wollen Arnd Drossel und Petra Kaiser auf einem Acker Linsen ernten. Ein solcher Versuch sei derzeit in Nordrhein-Westfalen einzigartig, sagen die beiden, die die Linsenmanufaktur an der Gesselner Hude in Paderborn betreiben.

Von Dietmar Kemper
Arnd Drossel, Enno Eilers und Petra Kaiser (von links) probieren im Haxtergrund den Anbau von Linsen aus.
Arnd Drossel, Enno Eilers und Petra Kaiser (von links) probieren im Haxtergrund den Anbau von Linsen aus. Foto: Dietmar Kemper

Ihr Kooperationspartner, der Biolandwirt Enno Eilers, hat Mitte April auf dem Feld in der Nähe der Marienstatue ausgesät – und jetzt warten alle Beteiligten gespannt auf das, was bei der Ernte Mitte August herauskommen wird. Das interessiert auch den Pflanzenbauberater der Landwirtschaftskammer NRW, Ferdinand Falke, brennend: „In 35 Jahren ist mir diese Kultur noch nicht untergekommen.“

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In 35 Jahren ist mir diese Kultur noch nicht untergekommen.

Ferdinand Falke

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Er sprach am Donnerstag vor Ort von einem Pilotprojekt. Petra Kaiser und Arnd Drossel legen Wert auf Nachhaltigkeit und auf eine regionale, klimaschonende Vermarktung. Ihre roten Linsen bekommen sie über den Biogroßhandel aus der Türkei und Italien. Grüne Linsen bauen sie jetzt im Haxtergrund selbst an. „Wir glauben daran“, betonten die beiden mehrfach. Die Chancen stehen auch gar nicht schlecht. Linsen wachsen auf sehr kalkhaltigen Böden so wie denen in der Schwäbischen Alb. Im Haxtergrund ist diese Voraussetzung mit dem Kalksteinverwitterungsboden gegeben. Zudem brauchen Linsen nicht so viel Wasser wie andere Pflanzen, können also Trockenheit ertragen.

Biolandwirt Enno Eilers erläuterte, die Linsen würden im sogenannten Gemengeanbau zusammen mit Hafer gepflanzt. Bei der Ernte werde der Hafer, der als eine Art Wachstumsstütze diene, wieder aussortiert. Zusammen mit Petra Kaiser und Arnd Drossel ist er überzeugt davon, dass es für die heimischen Linsen eine Nachfrage gibt. Linsen seien sehr gesund und hätten einen hohen Nährwert. „Kombiniert mit Getreide enthalten sie alle neun Aminosäuren“, sagte Arnd Drossel, der deshalb dazu rät, die Linsensuppe mit Brotstückchen oder Vollkornreis zu garnieren. Auch für diejenigen, die künftig auf Fleisch verzichten wollen, könnten Linsen eine Alternative sein: „Das Eiweiß kann man komplett über Linsen abdecken.“ Die Linsenmanufaktur von Petra Kaiser und ihm beliefert 70 Unverpacktläden und Bioläden in der Region mit Fertigmischungen für Linsenbratlinge, -kekse und -kicherlinge. „Wir beliefern die Läden und sind gleichzeitig aber auch auf Märkten und Biogartenmessen vor Ort und braten dort Veggieburger“, beschrieb Petra Kaiser das Geschäftsmodell, das auf „100 Prozent Bio“ setzt. Bei Messen und Festen kommt ihr mobiler Bratlingstand zum Einsatz.

Geschäftsmodell „100 Prozent Bio“

Einen Nachteil hat die Erzeugung der Linsen gleichwohl. Danach ist auf dem Acker eine Anbaupause von bis zu sechs Jahren unvermeidlich. Allerdings steht auf dem 170 Hektar großen Areal genügend Ausweichfläche zur Verfügung. Der Regen der vergangenen Tage hat die Chancen auf einen erfolgreichen Start des ungewöhnlichen Projekts verbessert. Der Pflanzenbauberater der Landwirtschaftskammer, Ferdinand Falke, betonte: „Im Kreis Paderborn sind 25 bis 30 Liter Niederschlag auf den Quadratmeter gefallen. Das hat den ersten Trockenstress genommen.“ Übrigens informiert die Linsenmanufaktur auch auf ihrer Internetseite über ihr Projekt und kombiniert das mit einem Gewinnspiel. 100 Linsenburger locken.

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