Paderborner Grundschulen meistern Rückkehr der Viertklässler
Mit Farben gegen das Virus

Paderborn (WB). Farben sind nicht nur eine Freude fürs Auge, sondern auch nützlich, um Schüler in Corona-Zeiten voneinander zu trennen und damit die Ansteckungsgefahr zu senken. Grundschulen in Paderborn teilten die Viertklässler, die am Donnerstag erstmals seit fast achtwöchiger Zwangspause zurückkehrten, schon auf dem Pausenhof in farblich gekennzeichnete Gruppen auf und ließen sie im Gebäude selbst nur entsprechend markierte Wege gehen.

Freitag, 08.05.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 08.05.2020, 05:03 Uhr
Mit einem Farbleitsystem und Verhaltenshinweisen dirigiert die Lutherschule die Kinder im Unterricht und in der Notbetreuung. Mia Pagenkemper hilft mit Rat und Tat. Foto: Oliver Schwabe

Die Eltern waren im Vorfeld darüber informiert worden, welcher Gruppe ihr Kind angehört und in welchem Raum der Unterricht stattfindet. „Es ist sehr gut gelaufen, die Kinder und wir waren gut vorbereitet“, sagte die Sprecherin der Paderborner Grundschulen, Maxi Brautmeier-Ulrich, dem WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATT. Die Spannung habe sich im Laufe des Vormittags gelöst. Maxi Brautmeier-Ulrich leitet die Grundschule Sande mit 44 Viertklässlern in normalerweise zwei Klassen. Um die Abstandsregeln einzuhalten, wurden die Jungen und Mädchen auf vier Räume und vier Gruppen mit jeweils elf Kindern verteilt und von vier Lehrerinnen unterrichtet.

Die Kinder und wir waren gut vorbereitet.

Maxi Brautmeier-Ulrich

„Den Kindern war wichtiger, wieder in der Klasse zu sein, als über Corona zu sprechen“, hat Maxi Brautmeier-Ulrich beobachtet: „Sie wollten ein bisschen Normalität mit der Lehrerin haben.“ So manchem Kind hänge das Thema Corona aus den Ohren raus. In Sande wurden die Gruppen von den farblich unterschiedlichen Sammelpunkten auf dem Hof abgeholt und zu den Räumen gebracht. Anschließend achtete eine Aufsicht darauf, dass jeder einzeln auf die Toilette ging. Die Abstands- und Hygieneregeln wurden am Donnerstag natürlich angesprochen. Die Viertklässler sind auch an diesem Freitag noch in den Grundschulen – in welchem Rhythmus sie dann wiederkommen, ist teilweise noch offen.

Die Lutherschule hat sich bereits festgelegt und für ein rollierendes System entschieden. „Von der nächsten Woche an ist immer ein Jahrgang an der Schule“, sagte die Leiterin Lena Schön dieser Zeitung. 4-3-2-1 laute die Losung. Vom 11. bis 15. Mai kommen also montags die Viertklässler, dienstags die Jungen und Mädchen der dritten, am Mittwoch die der zweiten und am Donnerstag die der ersten Klassen. Am Freitag sind dann wieder die 76 Viertklässler dran. Lena Schön: „Die Eltern können jetzt einplanen, wann ihr Kind einen schulischen Präsenztag hat.“

Aus 76 Viertklässlern acht Lerngruppen gebildet

Normalerweise werden die 76 Viertklässler in drei Klassen im Haupthaus am Abdinghof und am zweiten Standort an der Erzbergerstraße unterrichtet. In der evangelischen Bekenntnisgrundschule wurden daraus acht Lerngruppen gebildet. „Das Erste, was die Kinder gemacht haben, war Händewaschen“, beschrieb Lena Schön den Tagesablauf am Donnerstag: „Dann haben sie erzählt, wie es in der letzten Zeit gelaufen ist. Es wurden aber auch erste Unterrichtsinhalte durchgenommen.“ Die Kinder seien über ihre Rückkehr froh gewesen, aber gleichzeitig auch traurig, dass die Klassen gesplittet wurden.

An das Farbleitsystem mussten sich die Schüler penibel halten. Sie hatten dem ihrer Gruppe zugewiesenen Farbweg zu folgen und „ihren“ Eingang zu nutzen. Auch die Toiletten waren farbig gekennzeichnet. Allein im Haupthaus bestand das Leitsystem aus sechs Farben. Nach vier Stunden war der Schultag der Viertklässler beendet. Das Konzept für den Wiederbeginn hatte die Schule auf ihrer Internetseite geschildert.

Bis zum 26. Juni wird weiter improvisiert

Der letzte Schultag ist der 26. Juni. Bis dahin müssen die Leiterinnen und Leiter der Grundschulen weiter improvisieren und gleichzeitig die Notbetreuung von Kindern, deren Eltern systemrelevante Berufe ausüben, sicherstellen. Maxi Brautmeier-Ulrich denkt über den Tag hinaus und fragt sich, wie den Viertklässlern eine würdige Verabschiedung ermöglicht werden kann. Eine Frage, die vor Corona keine gewesen war.

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