Christen feiern in Paderborn Hochamt mit Mindestabstand und Schutzmasken
Zurück im Dom

Paderborn (WB). Wegen des Coronavirus sind viele Häuser verschlossen. Die Tür zu Jesus steht aber immer offen. So lautete die Botschaft des Hochamtes am Sonntag im Paderborner Dom. Es war ein besonderer Gottesdienst in außergewöhnlichen Zeiten.

Montag, 04.05.2020, 09:07 Uhr aktualisiert: 04.05.2020, 09:34 Uhr
Auch beim Abendmahl gilt der Sicherheitsabstand. Die Gläubigen im Dom verhielten sich vorbildlich. Foto: Dietmar Kemper
Dompropst Joachim Göbel (rechts) und Michael Proppe vom Ordnungsdienst.

Dompropst Joachim Göbel (rechts) und Michael Proppe vom Ordnungsdienst. Foto: Dietmar Kemper

Wo Anfang Juli 2019 noch fast 3000 Jugendliche und Kinder beim Chorfestival „Pueri Cantores“ gesessen, gehockt und gestanden hatten, als die Bänke eigens dafür entfernt worden waren, und wo zu Libori bis zu 2000 Menschen mit Geistlichen aus aller Welt Gottesdienste gefeiert hatten, da waren diesmal nur 120 mit weißen Punkten markierte Plätze freigegeben. Seit Mai sind öffentliche Gottesdienste wieder möglich, aber unter strengen Vorgaben, zu denen ein Mindestabstand von 1,50 Meter gehört. Jeder muss jetzt sein eigenes Gesangbuch mitbringen, beim Betreten und Verlassen des Doms ist ein Mund- und Nasenschutz zu tragen, bei der Kommunion werden die Hostien mit einer Zange und ohne das übliche „Leib Christi“ in die Hände gelegt. Mundkommunion gibt es nicht.

Dompropst rechnet bei Einschränkungen mit einer längeren Dauer

Dompropst Joachim Göbel befürchtet, dass es noch länger so bleiben wird. „Ich rechne mit mindestens einem halben bis Dreivierteljahr“, sagte er am Sonntag. Die Menschen würden sich sehr diszipliniert verhalten, zog der Dompropst ein Zwischenfazit. Die Gläubigen seien dankbar dafür, dass sie den Gottesdienst wieder gemeinsam, wenn auch mit Mindestabstand, feiern können. „Aber was ihnen fehlt, ist der Gesang“, weiß der Monsignore.

Einige Plätze blieben frei

Den übernahm im Hochamt die Domkantorin Gabriele Sichler-Karle mit ihrer wunderbaren Stimme, die von der Orgel untermalt wurde. Dass die Verunsicherung in der Bevölkerung noch immer groß ist, zeigte der Umstand, dass einige der ausgewiesenen Plätze freiblieben. Auch bei den Gottesdiensten zuvor waren es 30 bis 40. Der Dompropst hatte Risikogruppen im Vorfeld gebeten, zu hause zu bleiben und auf Gottesdienste im Fernsehen oder Internet auszuweichen.

„Wir werden uns auf viele Wochen an das neue Format gewöhnen müssen“, sagte Domkapitular Benedikt Fischer im Hochamt. Leere und Abstand könnten bedrückend sein, aber auch der inneren Weiterentwicklung und Reife Platz geben. „Es braucht den leeren Raum für einen guten Klang“, verwies er auf das Beispiel der Glocken, die auch in der Zeit, als es keine gemeinsamen Gottesdienste gab, zum Beten aufgerufen hätten. Und ein Krug könne erst gefüllt werden, wenn er leer sei. Trotz aller Kontaktbeschränkungen könne jeder Mensch Christus nahekommen, betonte der Domkapitular: „Jesus sagt: Ich bin die Tür, wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden.“

Zettel mit Verhaltensregeln

Die Gläubigen, die am Sonntag gekommen waren, verließen den Dom langsam und einzeln. So wie sie sich zum Abendmahl mit Abstand zu den Personen vor ihnen eingereiht hatten, vermieden sie am Ende Gedränge – ganz so, wie es eine der Vorsichtsmaßnahmen verlangte, die auf Zetteln aufgelistet waren. Der Ordnungsdienst, den die Schützen der Maspernkompanie übernahmen, händigte die Zettel allen Gottesdienstbesuchern aus.

Und was sagten die Gläubigen selbst nach der Heiligen Messe? „Ein Gottesdienst im Internet ist kein Ersatz“, meint Anneliese Sander: „Es fehlen die Gemeinschaft, der Raum, die Festlichkeit, das Drumherum.“ So wie Wilhelm Bergmann bedauerte sie, dass sie nicht singen durfte. Mit Blick auf das Virus und die Einschränkungen betonte Bergmann: „Wir können nur hoffen und beten, dass es schnell wieder vorbeigeht.“

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