Erklärung für Donnerstag erwartet – gesundheitliche Gründe
Paderborner Landrat sagt erneute Kandidatur ab

Paderborn (WB). Überraschung im Kreis Paderborn: Der amtierende Landrat Manfred Müller (CDU) stellt sich nicht erneut zur Wahl. Er gibt gesundheitliche Gründe an.

Donnerstag, 30.04.2020, 09:05 Uhr aktualisiert: 30.04.2020, 17:27 Uhr
Landrat Manfred Müller, zugleich Chef der Kreispolizeibehörde, wird aus gesundheitlichen Gründen bei der Kommunalwahl nicht erneut antreten. Foto: Jörn Hannemann

Manfred Müller ist 59 Jahre alt und wurde in Lichtenau-Atteln geboren. Der Diplom- Verwaltungswirt war zwölf Jahre Bürgermeister von Lichtenau und ist seit 2004 Chef der Paderborner Kreisverwaltung.

In einer Mitteilung vom Donnerstagvormittag heißt es: “Ich war und bin gerne Landrat des Kreises Paderborn. Dieses Amt ausüben zu dürfen, für die Menschen dieser Region, war und ist für mich ein Herzensanliegen, eine Berufung. Umso schwerer fällt es mir, meine Kandidatur für eine weitere Wahlperiode ab Herbst 2020 aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen zu müssen.”

Müller schreibt weiter: “Nach mehreren Krankenhausaufenthalten im Februar und März, inklusive eines Eingriffs am Herzen, verzichte ich auf ärztlichen Rat, nach vielen intensiven Gesprächen mit meiner Familie und Wegbegleitern, auf eine erneute Kandidatur im Herbst. Diese Entscheidung fällt mir sehr, sehr schwer. Sie ist eine Entscheidung des Kopfes, nicht des Herzens, eine Entscheidung mit Rücksicht auf meine Familie, eine Entscheidung aus Respekt vor dem Amt, das hohen Einsatz verlangt. Die Funktion als Repräsentant des Kreises Paderborn, Leiter der Kreisverwaltung und Kreispolizeibehörde erfordert nahezu rund um die Uhr Präsenz, ein unermüdliches da sein für die Menschen. All das habe ich mit Leidenschaft und Begeisterung nahezu 16 Jahre geleistet. Davor war ich von 1992 bis 2004 Bürgermeister der Stadt Lichtenau, fünf Jahre davon hauptamtlich. Somit habe ich 28 Jahre lang, fast die Hälfte meines Lebens, in führender kommunaler Funktion Verantwortung getragen.”

Der Landrat fährt fort: “Ich habe zu jeder Zeit gern und hart gearbeitet, empfinde es als Privileg, politische Weichen zu stellen, meine Heimat weiter entwickeln zu dürfen. Ich habe in diesen vielen Jahren natürlich auch schwierige Momente durchlebt, war aber immer getragen von den vielen Begegnungen mit Menschen, für die ich so gerne Verantwortung trage, die mich darin bestärkt haben, weiter zu machen, die Dinge zum Guten zu wenden. Die Freude am Gelingen, gemeinsam mit engagierten Mitarbeitenden an meiner Seite, auf deren Mitdenken und Mitmachen ich stets vertrauen und bauen konnte, ist auch eine Quelle der Kraft in diesem Amt. Das alles wird mir unsagbar fehlen. Auch dafür sage ich: Danke!”

Müller schreibt: “Das Amt des Landrats kann man aber nur ganz oder gar nicht, keinesfalls halbherzig ausüben: Ich kann das entweder voll oder gar nicht. Aber nach diesem gesundheitlichen Rückschlag habe ich die große Sorge, im Falle einer erneuten Wiederwahl dieses enorme Arbeitspensum mit einer regelmäßigen 70-Stunden-Woche auf Dauer nicht erfüllen zu können.”

Und schließlich: “Auch während meiner Erkrankung habe ich mich ständig in die Bekämpfung des Corona-Pandemiegeschehens federführend eingeschaltet. Ich fühle mich wieder gut und bin arbeitsfähig: Ich werde mich deshalb mit voller Kraft im verbleibenden halben Jahr meiner Amtszeit für die Themen des Kreises einsetzen, insbesondere für die Überwindung dieser außergewöhnlichen Lage für unser Land und insbesondere für den Kreis Paderborn.”

Am 7. Februar hatte CDU-Kreisvorsitzender Christoph Rüther mitgeteilt, dass der Kreisvorstand Manfred Müller „für eine erneute Kandidatur als Landrat nominiert“ habe. Gegenkandidaten hatte es offenkundig nicht gegeben.

Der CDU-Politiker sei ein sehr bürgernaher, zuverlässiger und fachkompetenter Landrat, betonte Rüther damals. Der Kreis Paderborn sei Vorreiter bei der Digitalisierung, bei der Versorgung mit Glasfaser, bei der Renaturierung von Flüssen, bei der Abfallbeseitigung und habe stetig steigende Übernachtungszahlen im Tourismussektor.

Bislang keine Gegenkandidaten

Der Landrat habe als Sprecher der Landräte in OWL überörtlichen Einfluss zu Gunsten des Kreises Paderborn. Er sei auch Kreisleiter Impulsgeber und Koordinator, emotional mit seiner Heimat und den Menschen des Paderborner Landes in Dörfern und Städten gleichermaßen eng verbunden.

Bislang hat noch keine weitere Fraktion des Paderborner Kreistags einen Kandidaten vorgestellt. Die Grünen hatten ursprünglich – vor der Corona-Krise – für Anfang Mai eine Versammlung anberaumt. Auch von Seiten der SPD wurde bislang kein Name genannt.

2014 war der Paderborner Wolfgang Weigel gegen Müller für die SPD angetreten. Der Amtsinhaber gewann mit 64,2 Prozent der Stimmen, Weigel bekam lediglich 18,3 Prozent. Weitere Kandidaten waren Harald Grünau (10 Prozent, Grüne), Paul Weitkamp (4,3 Prozent, Linke) und Simone Lenz (3,1 Prozent, FBI).

Kommentare

Willi Krause  wrote: 30.04.2020 17:30
Ein Verlust für den Kreis
Das ist wirklich bedauerlich. Ich bin bestimmt nicht immer seiner mit politischen Grundhaltung einig. Aber auf seine menschliche und bodenständige Art und immer das Herz immer am Volk kann man nichts kommen lassen. Er wird als Repräsentant der kommunalen Verwaltung eine große Lücke hinterlassen - für seinen Nachfolger sind das sehr große Fußstapfen. Kreis Paderborn ist/war Landrat Müller.
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