Paderborner Bürgermeister: „Pauschale Äußerung war ein Fehler“ Dreier entschuldigt sich bei Tuning-Szene

Paderborn (WB). Paderborns Bürgermeister Michael Dreier (CDU) hat sich am Samstag für pauschale Äußerungen in den Sozialen Medien gegenüber der Tuning-Szene am Karfreitag entschuldigt. Er stellte klar, dass er mit seinen Äußerungen nicht die gesamte Szene, sondern „einige Unverbesserliche“ habe kritisieren wollen.

Von Ingo Schmitz
Hier ein Screenshot vom ursprünglichen Post des Bürgermeisters, der zum Teil heftige Kritik zur Folge hatte.
Hier ein Screenshot vom ursprünglichen Post des Bürgermeisters, der zum Teil heftige Kritik zur Folge hatte.

Wie berichtet, hatte die Stadt Paderborn eine Allgemeinverfügung verhängt, um die Treffen der Tuning-Freunde am so genannten Car-Freitag zu verhindern. Wie berichtet, hatte die Polizei starke Präsenz gezeigt, sprach aber insgesamt von einem „ruhigen Karfreitag mit keinen besonderen Vorkommnissen“.

Post löst Irritationen aus

Der Bürgermeister hatte in einem Post am Karfreitag die Tuning-Szene scharf angegriffen. Er schrieb: „Es ist nicht zu fassen!!! CARFREITAG in Paderborn. Es ist einfach nur unglaublich, dass sich die so genannte Carfreitag Tuning Szene nicht einmal in dieser, für uns alle belastenden und schwierigen Zeit von ihren überhaupt nicht zu verstehenden Vorgehen in unserer Stadt abhalten lassen.“

Diese Äußerung rief zahlreiche Fragen, Irritationen und auch Kritik hervor, weil es keine Hinweise auf etwaige Treffen gab und für die Darstellung der Lage auch keine Quelle angegeben oder aktuelle Fotos gezeigt worden waren. Dreier wurde unter anderem Stimmungsmache vorgeworfen. Bis zum Samstagmittag waren bereits 400 Kommentare unter dem Post verfasst worden, die die Äußerungen des Bürgermeisters kritisierten.

Entschuldigung im Wortlaut

Am Samstagmorgen ergänzte Dreier seinen Post vom Vortag und entschuldigte sich. Hier das Statement im Wortlaut:

„Wir leben derzeit in einer für uns alle ungewohnten und in vielen Fällen so wie auch für mich persönlich bewegten, emotionalen und auch nervenaufreibenden Zeit. Unsere (Stadt)Gesellschaft muss mit großen Einschränkungen leben. Es gibt auf vielen Feldern Sorgen und Ängste um die Zukunft. Das Schlimmste: Jeden Tag steigt die Zahl von erkrankten Mitbürgerinnen und Mitbürgern, gestern mussten wir im Kreis Paderborn - dazu hatte ich nur eine Stunde zuvor gepostet- bereits den 11. Todesfall beklagen. Damit muss jedem klar sein, dass noch ein langer gemeinsamer Weg zur Bewältigung der Krise vor uns liegt:

#Stayathome muss weiter das Motto sein.

Gerade in diesen Ostertagen, in denen wir normalerweise unsere Familienangehörigen und Freunde treffen, fällt das besonders schwer. Es muss in diesem Jahr aber anders sein. Dafür werbe ich nochmals eindringlich.

Als ich gestern am späten Nachmittag die Information bekommen habe, dass sich getunte Fahrzeuge („röhrend“) auf unseren Straßen in Paderborn bewegen, habe ich mich sehr aufgeregt und den zugebenermaßen sehr emotionalen Post abgesetzt.

Jetzt weiß ich, dass da einige „Unverbesserliche“ am Werk waren. Um es klar zu sagen: Da bleibe ich auch bei meiner Kritik.

Ich gebe aber zu, dass es falsch war, diese so pauschal wie im obigen Post zu äußern, weil ich damit dazu beigetragen habe, dass Wenige eine große Gruppe unberechtigt in Misskredit gebracht haben.

Das war nicht abgewogen genug. Da hatte ich nach der mich erreichten Information meine Emotionen nicht im Griff und habe in dieser Situation überreagiert. Ich hätte differenzierter und exakter formulieren und kritisieren sollen. In der Pauschalität war das ein Fehler, der mir leid tut.“

Kommentare

Weise Worte

Lieber Tytoalba,
bin kein Freund von Dreier, aber Ihr Kommentar trifft es auf den Punkt. Es ist erfrischend so eine Meinung zu hören. Sie haben absolut recht, es scheint eine gewisse Lebenserfahrung aus Ihnen zu sprechen.
Ihnen ein schönes Osterfest.

tja - die "sozialen Medien"...

Sie (ver)führen selbst Menschen, denen man politische Weitsicht, eine gewisse Gelassenheit und - vor allem - Geduld zuzutrauen gewohnt ist, zu spontanen (das kennt wohl jeder) Äußerungen hinreißen lässt.
Ich weiß nicht, wie es früher gewesen wäre, hätte es diese Möglichkeiten gegeben.
Aber dass seinerzeit das "Darüberschlafen" einfach deswegen notwendig war, weil man nicht eher ein Interview bekam oder seine Wut in der Tageszeitung veröffentlicht sah, ohne - oft - eine Nachfrage ("im Ernst: Meinen sie das so?) zu erhalten, erscheint mir so schlecht nicht.
Ich erinnere da Einiges...

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