Landgericht Paderborn verhandelt gegen 26-Jährigen aus Erwitte wegen Vergewaltigung
Verzweifeltes Opfer auf dem Notruf

Paderborn (WB/upf). Es war ein Abend, der für die 31-jährige Paderbornerin feucht-fröhlich begann und dramatisch endete. Nachdem sie mit einer flüchtigen Männerbekanntschaft in einer fremden Wohnung gelandet war, rief sie irgendwann bei der Polizei an – nach bisherigen Erkenntnissen, um eine Vergewaltigung zu beenden. Ein 26-Jähriger aus Erwitte steht jetzt als mutmaßlicher Täter vor dem Landgericht.

Donnerstag, 09.04.2020, 04:59 Uhr aktualisiert: 09.04.2020, 10:24 Uhr
Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann

Man könnte sagen, es sei einer der vielen Fälle, in denen Aussage gegen Aussage steht. Hier ist es ein bisschen anders: Der Angeklagte sagt gar nichts, und das, was das mutmaßliche Opfer sagt, wird an entscheidender Stelle von dem untermauert, was die Polizei als Notrufe aufgezeichnet hat. Diese beiden Anrufe am Morgen des 2. November vergangenen Jahres, im Gerichtssaal als Beweisstücke laut abgespielt, lassen eine verzweifelte Frau erkennen, die sich immer wieder mit Worten zu wehren versucht und den Polizisten am anderen Ende der Leitung um Hilfe bittet.

Massiv bedrängt

Die Staatsanwaltschaft geht – fußend auf der ersten Aussage der 31-Jährigen – davon aus, dass es in einer Wohnung am Kaukenberg in jener Nacht zu einer Vergewaltigung gekommen ist. Das mutmaßliche Opfer war nach eigenen Worten mit Freunden in der Paderborner Innenstadt unterwegs und nicht unerheblich alkoholisiert. Irgendwann nach Mitternacht traf die Frau am Westerntor alleine auf zwei Männer, mit denen sie in ein Taxi stieg und zum Kaukenberg fuhr. In der Wohnung des einen Mannes, der jedoch nicht anwesend war, soll der 26-Jährige sie dann massiv bedrängt und schließlich trotz verbaler und körperlicher Gegenwehr vergewaltigt haben.

Zweimal den Notruf gewählt

Wie die Mutter von drei Kindern im Zeugenstand schilderte, sei es ihr gelungen, ihr Handy in die Hand zu bekommen und zwei Mal den Notruf zu wählen. Sie habe jedoch nicht sagen können, wo sie sich aufhalte, weil sie die Adresse nicht kannte. Tatsächlich ist in den Tonprotokollen zu hören, wie die Frau völlig verzweifelt dem zunehmend alarmierter wirkenden Polizeibeamten zwar ihren Namen sagt, aber die Frage nach ihrem Aufenthaltsort nicht beantwortet. Dennoch gelang es der Polizei, etwa eine Stunde nach den Anrufen tatsächlich die Wohnung ausfindig zu machen: Als der 26-Jährige auf ein Klopfen hin – offensichtlich nichts ahnend – die Tür öffnete, stand er nackt vor der Streife.

Psychotherapeutische Hilfe

Damit war zwar die akute Situation beendet, aber die 31-Jährige hatte noch mit weiteren Folgen zu kämpfen. Im Krankenhaus wurde festgestellt, dass sie sich eine Geschlechtskrankheit zugezogen hatte. Zurzeit sucht sie auch psychotherapeutische Hilfe. Im Zeugenstand musste sie sich nicht nur akribischen Nachfragen von Richter Oliver Neuwinger stellen: Die Verteidigung nahm sie in die Mangel, weil die Frau bereits früher Strafanzeigen wegen Vergewaltigung gestellt hatte, deren Umstände eher etwas obskur waren – die Ermittlungsverfahren wurden jeweils eingestellt. Der Prozess wird am 29. April fortgesetzt.

Kommentare

Hermann  wrote: 09.04.2020 11:14
Es ist beruhigend zu lesen, dass im Zweifel solchen (unvollständigen) Notrufen gewissenhaft und ohne Zeitverzug nachgegangen wird!

...wenn man da an den "Vergewaltigungs-Überfall" in den Bonner Rheinwiesen vor einigen Jahren zurückdenkt..! Damals wurde ein ähnlicher solcher Notruf durch die Beamtin in der Einsatzleitstelle unter "Scherz-Anruf" abgelegt, während zwei Menschen um ihr Leben fürchteten und durch eine zufällig (viel) später vorbeikommende Funkstreife gefunden wurden.

Hier hat jedenfalls die Paderborner Einsatzzentrale gut gehandelt.
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