Windräder sollen bis Juli 2021 mit neuer Technik ausgerüstet werden
Das Blinken hat bald ein Ende

Paderborn (WB). Am Nachthimmel im Paderborner Land dürfte es bald etwas dunkler sein. Die Windräder sollen nachts künftig nicht mehr durchgehend leuchten. Das macht eine neue Regelung möglich, der nun nach dem Bundesrat auch das Bundeskabinett zugestimmt hat, wie der CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Linnemann bestätigt.

Donnerstag, 09.04.2020, 05:53 Uhr aktualisiert: 09.04.2020, 10:34 Uhr
Dieses Bild dauerhaft blinkender Windkraftanlagen soll schon bald der Vergangenheit angehören. Foto: dpa

Bislang blinken die Rotoren die ganze Nacht in rötlichem Licht. Das soll verhindern, dass Flugzeuge oder Hubschrauber in die Anlagen hineinknallen. Künftig sollen die Signallampen nur noch dann leuchten, wenn tatsächlich ein Flugobjekt in der Nähe ist. Damit soll die Belastung für die Anwohner verringert werden.

Blinken soll mindestens zehn Minuten dauern

Die nun geänderte Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Kennzeichnung von Luftfahrthindernissen, so der etwas sperrige Name, erlaubt, dass sämtliche Windparks in Deutschland mit sogenannter Transpondertechnik ausgerüstet werden. Immer wenn die Geräte nachts das Signal eines Flugzeugs empfangen, werden die Blinklichter an den Anlagen angeschaltet – nach Angaben des Umweltamtes des Kreises Paderborn für mindestens zehn Minuten.

Außer diesen passiven Systemen seien grundsätzlich auch bereits zugelassene sogenannte Aktivsysteme auf Radarbasis zulässig, die allerdings wesentlich teurer seien. Es müsse daher nicht jede einzelne Windkraftanlage mit einem Empfänger ausgerüstet werden, auch die gruppenweise Steuerung einzelner Windparks sei zulässig. Nach Angaben des Kreises Paderborn betrifft die neue Vorschrift alle Windenergieanlagen, deren Gesamthöhe über 100 Meter liegt. Deutschlandweit sind das etwa 17.500 Anlagen, die umgerüstet werden müssen. Im Kreis Paderborn betrifft die Regelung vermutlich mehr als 300 der 517 Windräder.

Ausnahmen von Umrüstungspflicht möglich

Die Umrüstungsfrist läuft bis zum 1. Juli 2021. Das sei anspruchsvoll bemessen, heißt es aus dem Umweltamt des Kreises, eine Verlängerung durch die Bundesnetzagentur sei daher denkbar. Vor der Inbetriebnahme der Technik müsse außer einer Baumusterprüfung auch die Zustimmung der Luftaufsicht, also der Bezirksregierung Münster, vorliegen. Sofern die Umrüstung wirtschaftlich nicht zumutbar sei, könne die Bundesnetzagentur im Einzelfall auch Ausnahmen genehmigen. Altanlagen, deren Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) innerhalb von drei Jahren nach der Umsetzungsfrist abläuft, sind nach Angaben des Kreises von der Umrüstungspflicht befreit.

Im Herbst soll es mit dem Einbau der Technik losgehen

Das Unternehmen Westfalen Wind mit Sitz in Paderborn koordiniert derzeit nach eigenen Angaben die Installation für viele Windkraftbetreiber im Kreis. Geplant sei, die ersten Systeme im Kreis Paderborn bereits im Herbst dieses Jahres zu installieren, teilte Westfalen-Wind auf Anfrage mit. „Wir bereiten uns schon seit Monaten auf diesen Zeitpunkt vor, damit wir, wenn es soweit ist, sofort loslegen können“, sagt Westfalen-Wind-Geschäftsführer Michael Obst.

Er verweist wie der Kreis Paderborn darauf, dass die neue Vorschrift noch nicht im Bundesgesetzblatt veröffentlicht sei und deshalb noch Details zu klären seien. Obst betont, dass nicht alle Anlagen mit einer Höhe von mehr 100 Metern ausgerüstet werden müssten, es reiche innerhalb eines Windparks ein flächendeckendes Signalnetz zu spannen, um eine optimale Abdeckung zu erreichen.

Bereits vor drei Jahren erste Systeme entwickelt

Westfalen-Wind habe sich aus eigenem Antrieb mit anderen Windkraftbetreibern im Kreis Paderborn schon früh mit der Frage auseinandergesetzt, wie man das nächtliche Blinken der Windkraftanlagen reduzieren könne. Mit der Elektronik-Firma Lanthan, dem Anlagenhersteller Enercon und dem Paderborner Technologie-Netzwerk Innozent OWL wurde nach eigenen Angaben bereits 2017 ein System entwickelt, das die Anwohner von Windrädern deutlich entlastet hätte. Dabei wurde der Abstrahlwinkel der Signalfeuer verändert, um die Lichtbelästigung für Menschen zu mindern. Zu Vorzeigezwecken wurde das System „Arc Siril“ im Windpark Asseln eingebaut und getestet. Diese Technik sei zwar auch von der heimischen Politik unterstützt worden, es sei aber zugunsten der aufkommenden Transponder-Methode flächendeckend dann doch nicht zum Einsatz gekommen.

Das Blinken soll um 98 Prozent reduziert werden

Der Landesverband Erneuerbare Energien NRW, der sich intensiv für den Einsatz der Technik engagiert hat, schätzt, dass das nächtliche Blinken um etwa 98 Prozent verringert wird. Der Verband hofft, dass die neue Technik die Akzeptanz in der Bevölkerung für den Ausbau der Windenenergie, der zuletzt ins Stocken geraten war, erhöht. In Ostwestfalen-Lippe war im vergangenen Jahr, wie berichtet, insgesamt nur eine neue Anlage gebaut worden.

Streit um Mindestabstand zu Wohnsiedlungen noch ungelöst

Der Streit auf Bundesebene um einen festgelegten Mindestabstand von Windkraftanlagen zu Wohngebieten geht unvermindert weiter. Nun wurde eine Arbeitsgruppe mit Vertretern von Bund und Ländern einberufen , die den Streit schlichten soll. Die Bundesregierung will einen Mindestabstand von 1000 Metern für neue Windräder zu kleinen Wohnsiedlungen festlegen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) war zuletzt allerdings von einer pauschalen 1000-Meter-Regel abgerückt. Umweltschützer und Grüne fürchten, dass die ohnehin gebeutelte Windkraftbranche durch einen Pauschalabstand noch tiefer in die Krise rutschen könnte. Der Ausbau der Windenergie gilt als wichtiger Baustein für die Erreichung der Klimaziele der Bundesregierung. Bis 2030 soll der Ökostrom-Anteil auf 65 Prozent gesteigert werden. Im vergangenen Jahr lag er bei knapp 43 Prozent.

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