Heinz Nixdorf wäre am Donnerstag 95 Jahre alt geworden Der Bauherr

Paderborn (WB). Nicht nur der mittelalterliche Dom und das Rathaus aus der Weserrenaissance prägen Paderborns Stadtbild. Computerpionier Heinz Nixdorf hat an vielen Stellen Spuren hinterlassen. An diesem Donnerstag wäre er 95 Jahre alt geworden.

Von Dietmar Kemper
Der Ahon-Sportpark lag Heinz Nixdorf besonders am Herzen.
Der Ahon-Sportpark lag Heinz Nixdorf besonders am Herzen.

Bauen ließ Heinz Nixdorf viel, aber ein eitler Bauherr war er deswegen nicht, was allein schon die Tatsache zeigte, dass er selbst in einem schlichten Bungalow lebte. „Statusdenken war so gar nicht seins, er hatte dieselbe Büroeinrichtung wie seine Mitarbeiter“, sagt der Sprecher des Heinz-Nixdorf-Museumsforums Andreas Stolte. Und dessen Kollege Christian Berg, der eine Biografie über den 1986 gestorbenen Unternehmer geschrieben hat, betont: „Heinz Nixdorf hatte großes Interesse an Architektur, aber er wollte sich kein Denkmal setzen.“

"

Statusdenken war so gar nicht seins.

Andreas Stolte

"

Zu Lebzeiten benannte Heinz Nixdorf seine Stiftung nicht nach ihm, sondern nach dem Jesuiten und Kämpfer gegen die Hexenverfolgungen im 17. Jahrhundert, Frie­drich Spee. So wie er selbst waren Nixdorfs Gebäude stets schlicht und funktionalistisch und setzten auf das Rastermaß von 1,80 Meter. Stahl und Glas dominierten die Gebäude, Nixdorf betrachtete den Bauhausarchitekten Mies van der Rohe als sein Vorbild. Zweckmäßigkeit war das Kennzeichen der einflussreichen Schule, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihren Siegeszug angetreten hatte.

Das Bauen nach dem Rastermaß und Baukastenprinzip sorgte für Einheitlichkeit und einen hohen Wiedererkennungswert im In- und Ausland, senkte die Kosten und ermöglichte ein höheres Tempo bei der Errichtung von Gebäuden, weil zum Beispiel zeitraubende Architektenwettbewerbe wegfielen. Nixdorf setzte auf platzsparende Großraumbüros und bestand darin auf Ordnung und Sauberkeit. So aufgeräumt, wie seine Gebäude von außen wirkten, hatten gefälligst auch die Schreibtische zu sein.

1971: Heinz Nixdorf nimmt eine Baustelle an der Fürstenallee in Augenschein.

Dort, wo heute die Liborigalerie steht, legte Nixdorf 1957 den Grundstein für seine Firma, die später einmal 9000 direkte Arbeitsplätze in Paderborn bieten sollte. An der Kasseler Mauer ließ er die Räume einer ehemaligen Tischlerei renovieren und installierte auf zwei Etagen eine Produktionsstätte des Labors für Impulstechnik. Aber nach zwei Jahren waren die Kapazitäten für die Elektronikfertigung nahezu erschöpft. Der Hersteller von Rechen- und Buchungsmaschinen wich auf ein Areal an der Pontanusstraße aus. Das Gebäude, das heutige Technische Rathaus, war im November 1961 fertig. Erst diente es als Produktions- und teilweise als Verwaltungsstätte, zum Schluss nur noch als Ort für Forschung und Entwicklung.

Das HNF an der Fürstenallee wiederum wurde als Verwaltungssitz der Nixdorf Computer AG geplant und entstand in den Jahren 1970 bis 1972. Seit Oktober 1996 ist es ein Computermuseum und hält die Erinnerung an Heinz Nixdorf wach.

Untrennbar mit dessen Name verbunden war und ist der Ahorn-Sportpark an der Almeaue, der seit 1983 existiert. Wer bei Nixdorf eine Ausbildung antrat, sollte dort Sport treiben können, auch wenn es in der Berufsschule keinen Sportunterricht gab. Exklusiv nur für seine Leute sollte die Einrichtung aber nicht sein. „Sportförderung für die breite Masse als Teil der Gesunderhaltung“: So beschreibt Christian Berg (39) das Ziel, das Nixdorf verfolgte. Der habe in der Nähe des Ahorn-Sportparks sogar einen Olympiastützpunkt für die Leichtathletik einrichten wollen. „Er hatte dafür schon Fachwerkhäuser aus dem westfälisch-lippischen Umland aufgekauft, aber dann kam sein Tod dazwischen“, erzählt Berg, der im HNF Bereichsleiter für Ausstellungen ist. Der 100.000 Quadratmeter große Ahorn-Sportpark ist Paderborns größtes multifunktionales Sportzentrum und wird von den Bürgern intensiv genutzt.

1986: Die Firmengebäude am Unteren Frankfurter Weg.

Entlang des heutigen Heinz-Nixdorf-Rings erinnern auch die Produktionshallen an den Computerpionier. Noch heute werden sie von dem amerikanisch-deutschen Geldautomatenhersteller Diebold Nixdorf verwendet. Mitte der 70er Jahre waren die Fertigungsgebäude wie Pilze aus dem Boden geschossen. „Mehr als ein Dutzend neue Bauabschnitte“ habe Nixdorf initiiert, weiß Christian Berg. In Form von „Management by Walking“ sei er auf den Baustellen präsent gewesen, und im Rathaus habe er seine Bedeutung als wichtiger Arbeitgeber durchzusetzen gewusst: „In der Regel konnte er seine Projekte durchziehen. In Paderborn gab es vorher keine Industrie, die Verantwortlichen der Stadt erkannten Nixdorfs Potenzial und der wusste um seine Stärke und Position in der Stadt.“ Wenn er Parkplätze gefordert habe, habe er sie auch bekommen. Für seine Projekte sei auch mal die politische Sommerpause unterbrochen worden.

Nixorf drohte damit, nach München zu gehen

Notfalls drohte Nixdorf damit, nach München zu gehen. Er drängte auf einen Flughafen in direkter Nähe und den Ausbau des Autobahnnetzes. Gescheitert ist er allerdings mit seinen Plänen, entlang der Pader zu bauen. Der Fluss ist den Paderbornern heilig.

Ein starkes Interesse zeigte Heinz Nixdorf an einer technischen Hochschule in der Domstadt. In einem Freundeskreis setzte er sich für das Projekt ein, aus dem schließlich die heutige Universität wurde. Ihr spendete Nixdorf einmal 50 Millionen D-Mark, ohne mit seiner Großzügigkeit anzugeben. Die P-Gebäude auf dem Hochschulgelände verweisen auf die damaligen Bemühungen, Paderborn abseits der Theologie zum Hochschulstandort zu machen. Auch zwei Kindergärten – der beim Ahorn-Sportpark und der hinter dem Inselbadstadion – gehen auf Nixdorf zurück. Die Stadt würdigte das Engagement durch den Heinz-Nixdorf-Ring und das Heinz-Nixdorf-Institut auch namentlich.

"

In und um Paderborn sitzen heute über 300 IT-Firmen.

Christian Berg

"

Die Marktkirche verdankte ihm die Wiederherstellung des Barockaltars. „Heinz Nixdorf hat kleinere Projekte in Paderborn finanziell und ideell unterstützt“, betont Christian Berg. Die steinernen Zeugnisse hält der Experte bei einer Gesamtbeurteilung der Verdienste für zweitrangig: „Er hat in Paderborn den wissensbasierten Strukturwandel eingeleitet und die Stadt zum IT-Standort gemacht. In und um Paderborn sitzen heute über 300 IT-Firmen.“

Kommentare

Wehmut

Wunderbarer Artikel. Da kommt etwas Nostalgie auf. Danke an die Redaktion.

1 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7361593?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F