Corona trifft Bedürftige besonders hart – Tafel bleibt vorerst geschlossen
Letzte Station Bahnhofsmission

Paderborn (WB). Corona hat alles fest im Griff. Viele Bürger sind verängstigt. Bei den Bedürftigen in der Gesellschaft kommen die Sorge um eine warme Mahlzeit und ein Dach über den Kopf dazu. „Wohnungslose und arme Menschen sind besonders von der Corona-Pandemie betroffen“, sagt Andreas Beisbart, Einrichtungs­leiter des Bodelschwingh-Hauses.

Samstag, 04.04.2020, 11:20 Uhr aktualisiert: 04.04.2020, 11:26 Uhr
Mehr als 50 Brotpakete packen die Mitarbeiter der Bahnhofsmission täglich für Hilfesuchende. Gerade Obdachlose und Bedürftige haben unter der Corona-Pandemie zu leiden. Foto: Jörn Hannemann

Viele Obdachlose und Bedürftige wüssten nicht, was sie tun sollen, da viele soziale Einrichtungen ihre Angebote eingeschränkt haben oder sogar komplett geschlossen sind. So bleibt beispielsweise die Tafel in Paderborn weiter bis voraussichtlich 26. April geschlossen, teilt Geschäftsführer Wolfgang Hildesheim mit. Das sei notwendig, weil die meisten der etwa 150 Helfer der Tafel Senioren und Rentner seien und zur Risikogruppe gehörten.

Tafel richtet Bringdienst für Ältere ein – vormittags anrufen

Am Freitag kündigte die Tafel an, gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen speziell für Ältere einen Bringdienst einzurichten. Betroffene müssen sich dafür unter Telefon 05251/8790760 von 8 bis 13 Uhr melden. Das Büro bleibt vormittags besetzt. Ab dem 27. April soll die Zentrale am ­Bayernweg 58 voraussichtlich wieder öffnen, unter besonderen Abstandsregelungen. Die Außenstellen sollen eine Woche später wieder ihre Arbeit aufnehmen.

Außer der Schließung der Tafel kommt für viele Bedürftige erschwerend hinzu, dass auch Begegnungscafés, wo sie in normalen Zeiten warme Speisen er­halten, derzeit geschlossen oder nur eingeschränkt geöffnet sind. Dies spürt auch das Team von der Bahnhofsmission Paderborn.

„Gut, dass wir hier zumindest noch hinkönnen.“ Sätze wie diese hören Leiterin Sabine Bergmaier und ihr Team in diesen Tag häufig. Klassische Reisehilfen bietet die Bahnhofsmission bereits seit zwei Wochen nicht mehr an. „Es ist ja kaum noch etwas los am Bahnhof. Selbst angemeldete Mutter-Kind-Touren sind alle abgesagt.“

55 Menschen kommen täglich zu dem Backsteingebäude am Bahnsteig

Stattdessen konzentrieren sich die drei hauptamtlichen und 28 ehrenamtlichen Mitarbeiter auf die Unterstützung von Hilfe­suchenden. „Durchschnittlich 55 Menschen kommen täglich zu dem Backsteingebäude am Bahnsteig, um sich ein extra gepacktes Brotpaket und einen Becher Kaffee oder Tee abzuholen. „Das jeden Tag so viele Menschen kommen und diese Zahl nicht schwankt, gibt auch uns zu denken“, sagt Bergmaier. Auffällig sei außerdem, dass viele Menschen kommen, die bislang noch nicht die Hilfe der Bahnhofsmission benötigt hätten. Der Schutz der eigenen Mitarbeiter ist Bergmaier wichtig: „Auf näheren Kontakt wird verzichtet. So darf immer nur eine Person nach der anderen reinkommen. Wir arbeiten quasi zwischen Tür und Angel“, betont die 58-Jährige.

Auf die für Wohnungslose und arme Menschen schwierige Situation weist auch Andreas Beisbart vom Bodelschwingh-Haus in Paderborn hin, das Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten hilft. „Da Supermarktregale immer mal wieder leer sind, muss auf teurere Produkte ausgewichen werden“, sagt der Einrichtungs­leiter. Vorräte könnten viele nicht anlegen, weil das Geld fehle. „Die Sorge, sich selbst anzustecken, ist groß, vor allem, wenn gesundheitliche Vorbelastungen dazukommen.“ Wie eine mögliche Isolation von Betroffenen ablaufen soll, sei ebenfalls noch nicht geklärt.

„Wohnung ist Voraussetzung dafür, sich vor einer Ansteckung zu schützen“

Das Bodelschwingh-Haus in Paderborn verfügt zwar ausschließlich über Einzelzimmer, allerdings werden Sanitär- und Küchen­räume gemeinsam genutzt. Wegen der Corona-Pandemie dürfen in der Einrichtung der Perthes-Stiftung die Menschen derzeit keinen Besuch bekommen, da für das Haus dieselben Regeln gelten wie für Pflegeeinrichtungen.

Auch der Kontakt mit den Mitarbeitern habe sich reduziert. Gemeinschaftsaktivitäten und Ausflüge müssen ausfallen. Das Ziel, die Hilfesuchenden in das gesellschaftliche Leben zu integrieren, könne derzeit nicht umgesetzt werden. Ausdrücklich begrüßt er die von der Bundesregierung beschlossenen Regelungen zum Schutz vor Wohnungskündigungen. Eine Wohnung sei die Voraussetzung dafür, sich vor einer Ansteckung zu schützen. Beisbart fordert noch weitergehende Anstrengungen: „Ein generelles Zwangsräumungsverbot und die Bereitstellung von Notunterkünften für Menschen, die infiziert sind und isoliert werden müssen, wären sinnvolle Maßnahmen.“

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7357305?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F
Verdi ruft zu bundesweiten Warnstreiks auf
An einer Straßenbahn der Verkehrsbetriebe Karlsruhe hängt ein Plakat mit der Aufschrift Warnstreik. D.
Nachrichten-Ticker