Kreis Paderborn und Kassenärztliche Vereinigung entlasten Hausärzte
Behandlungszentrum für Corona-Patienten im Ahorn-Sportpark

Paderborn (WB). Dort, wo sonst die Jogger ihre Runden drehen, werden von Montag, 6. April, an Patienten behandelt. Der Kreis und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) richten im Ahorn-Sportpark ein Ambulantes Behandlungszentrum für Corona-Patienten ein. Hier können Patienten mit Atemwegsinfekten oder Fieber nach Überweisung durch ihren Hausarzt klinisch untersucht und behandelt werden.

Freitag, 03.04.2020, 12:45 Uhr aktualisiert: 03.04.2020, 13:20 Uhr
Der Ahorn-Sportpark wird von Montag an ein Ambulantes Behandlungszentrum für Corona-Patienten.

„Der Mangel an persönlicher Schutzausrüstung treibt uns alle um. Leider zeichnet sich hier noch keine Entspannung ab“, erklären Landrat Manfred Müller und der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung im Kreis Paderborn Dr. Ulli Polenz. Dieser ergänzt: „Viele der Hausärzte mussten in den vergangenen Wochen improvisieren und nach kreativen Ersatzlösungen suchen.“ So konnten zahlreiche Hausarztpraxen Corona-Infektionssprechstunden anbieten, die räumlich oder auch zeitlich von der Behandlung der anderen Patienten getrennt war, um eine Ansteckung und Weiterverbreitung des Virus in den Praxen zu vermeiden. Doch nicht alle Praxen haben die Möglichkeiten dazu. Zudem gibt es einen weiteren wichtigen Vorteil: „In unserem neuen ambulanten Behandlungszentrum kann ein Arzt mehr Corona-Patienten pro Tag beraten und behandeln, da er sich ausschließlich auf diese Patientengruppe konzentriert. Auf diese Weise verbrauchen wir sehr viel weniger Schutzkleidung und können das gesparte Material Krankenhäusern und Pflegeeinrichtung zur Verfügung stellen“, begrüßt Landrat Müller die gemeinsame Entscheidung.

Ahorn-Sportpark bringt sich selbst ins Spiel

Um den besten Standort für das Ambulante Behandlungszentrum zu finden, haben Kreis und KV verschiedene freie Objekte geprüft. Auf Initiative der Ahorn-Sportpark-Verantwortlichen wurde auch Paderborn größtes multifunktionales Sport- und Freizeitzentrum in Augenschein genommen. „Der Ahorn-Sportpark hat sich als ideal erwiesen, da er zentral, aber außerhalb einer Wohnbebauung liegt und sehr weitläufig ist“, erklärt Dr. Constanze Kuhnert, stellvertretende Leiterin des Kreisgesundheitsamtes. Der Ahorn-Sportpark verfügt über Umkleidekabinen mit Waschbecken, die daher ohne hygienische Einschränkungen als Behandlungsraum genutzt werden können. Außerdem gibt es aufgrund der Größe die Möglichkeit eine gute Ablaufstruktur aufzubauen, bei der sich die Patienten nicht begegnen. „In dieser Zeit zählt der Zusammenhalt in der Gesellschaft. Daher war es für uns eine Selbstverständlichkeit, unsere Räumlichkeiten anzubieten und unseren Beitrag zur Überwindung der Pandemie beizutragen. Das geschieht mit voller Unterstützung durch unsere Gesellschafterin, den Nixdorf-Stiftungen“, so Ahorn-Sportpark-Geschäftsführer Ralf Pahlsmeier.

Auch sonntags und über Ostern geöffnet

Das Behandlungszentrum ist mit zunächst einem Arzt mehreren medizinischen Fachkräften besetzt, die von der Kassenärztlichen Vereinigung gestellt werden. Es ist geplant, die Patienten montags bis sonntags einzubestellen. Auch über Ostern wird das Behandlungszentrum geöffnet sein. „Ist der Bedarf größer, wird die Zahl der Ärzte erhöht“, sagt Dr. Polenz. „Ich danke allen Beteiligten, die innerhalb kürzester Zeit das Behandlungszentrum geplant und umgesetzt haben. Es wird zu einer spürbaren Entlastung in den Praxen beitragen und den Hausärzten wieder mehr Zeit und Möglichkeit geben, sich um ihre Patienten zu kümmern,“ unterstreicht Landrat Müller.

Erst per Telefon beim Hausarzt melden

Patienten, die eine fieberhafte Erkrankung oder Atemwegsbeschwerden haben, oder die positive auf Covid-19 getestet wurden und eine Behandlung brauchen, müssen telefonisch Kontakt mit ihrem Hausarzt aufnehmen. Wenn dieser der Meinung ist, dass eine ambulante Behandlung nötig ist, er sie aber für Infektionspatienten in seiner Praxis nicht anbieten kann, faxt er eine Überweisung an das Ambulante Behandlungszentrum. Der Patient wird anschließend von den Mitarbeitenden des Ambulanten Behandlungszentrums angerufen und bekommt einen Untersuchungstermin. Auch Personen, die den Verdacht haben, an Corona erkrankt zu sein, können auf diesem Wege einen Termin im Behandlungszentrum bekommen. Dort werden in einer klinischen Untersuchung die Symptome abgeklärt. Bei Verdacht auf eine Covid-19-Erkrankung wird sofort ein Abstrich durchgeführt.

Klinische Untersuchung

Der Patient wird im Ambulanten Behandlungszentrum klinisch untersucht. Dabei können Untersuchungen vorgenommen werden, die auch in einer Hausarztpraxis möglich sind, zum Beispiel Messung von Sauerstoffsättigung, Blutdruck oder Testabstrich. Der Patient erhält anschließend ein Rezept für die symptomatische Therapie seiner Beschwerden. Ist eine stationäre Behandlung erforderlich, wird der Patient vom Ambulanten Behandlungszentrum eingewiesen und alles Notwendige veranlasst.

Die Abstrichstelle des Kreises Paderborn und der Kassenäztlichen Vereinigung in der früheren Kantine der ehemaligen Alanbrooke-Kaserne bleibt auch weiterhin bestehen.

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