Obskures Messfahrrad: Aprilscherz der Paderborner Polizei wird schnell aufgeklärt Spaß mit ernster Botschaft

Paderborn (WB). Lange hat es nicht gedauert, bis die ersten Leser dahintergekommen sind. Die Online-Veröffentlichung, in der die Kreispolizeibehörde Paderborn am Mittwoch auf ihrer Homepage sowie in den sozialen Medien die Einführung eines neuen Messfahrrads angekündigt hat, war ein Aprilscherz. Allerdings ein Scherz mit ernsten Botschaften.

Polizeihauptkommissar Andreas Drost aus der Direktion Verkehr steht neben einem Lastenfahrrad, das für einen Aprilscherz zu einem neuen Messfahrrad umgestaltet wurde.
Polizeihauptkommissar Andreas Drost aus der Direktion Verkehr steht neben einem Lastenfahrrad, das für einen Aprilscherz zu einem neuen Messfahrrad umgestaltet wurde.

„Die Sicherheit von Radfahrern im Straßenverkehr bleibt auch ohne Messfahrrad ein Schwerpunkt unserer täglichen Arbeit“, sagt Andreas Drost aus der Direktion Verkehr. Der Polizeioberkommissar stand auf dem Foto neben einem Lastenfahrrad, das kurzerhand zu einem Messrad umfunktioniert worden war –mit Kameraattrappe und Blaulicht.

Im Rahmen des Behördenschwerpunktes #PassAuf! hat die Paderborner Polizei im vergangenen Jahr in 34 Schwerpunktkon­trollen das Verhalten von Radfahrern sowie das Verhalten gegenüber Radfahrern in den Fokus genommen. Hinzu kamen ein landesweiter Aktionstag zum Thema „Fahrrad & Pedelec“ sowie die regelmäßigen Radfahrtrainings durch die Verkehrssicherheitsberater an den Grundschulen im Kreisgebiet.

Mindestabstand zu Radfahrern von 1,50 Meter

Speziell das Thema „Abstand beim Überholen“, das durch das angebliche Messfahrrad verstärkt in den Fokus genommen werden sollte, bleibt auch in Zukunft relevant. Autofahrer müssen innerorts einen Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten, wenn sie Fahrradfahrer überholen. Außerorts gelten zwei Meter Abstand.

Wer sich nicht an die Vorgaben hält, riskiert ein Bußgeld ab 30 Euro. „Radfahrer haben keine Knautschzonen, umso wichtiger ist, dass Autofahrer vorausschauend fahren und Rücksicht nehmen“, betont Drost. Die Rechte von Radfahrern gegenüber Lastwagen sollen in Zukunft auch durch die Straßenverkehrsordnung (StVO) gestärkt werden. Lkw dürfen demnach innerorts nur noch in Schrittgeschwindigkeit abbiegen. Der Bundesrat hat der Novelle der StVO bereits zugestimmt.

Geschwindigkeitsmessungen nur für Kraftfahrzeuge

Unter die Kategorie frei erfunden fällt hingegen, dass Pedelecs in 30er-Zonen sowie in verkehrsberuhigten Bereichen aufgrund ihrer Geschwindigkeit für Probleme sorgen würden. Zwar gelten die Geschwindigkeitsbegrenzungen auch für Pedelecs, die Straßenverkehrsordnung sieht Geschwindigkeitsmessungen aber nur für Kraftfahrzeuge vor. Dazu zählen zwar E-Scooter, aber keine Fahrräder beziehungsweise Pedelecs.

Die StVO bestimmt unter Paragraph drei: „Wer ein Fahrzeug führt, darf nur so schnell fahren, dass das Fahrzeug ständig beherrscht wird. Die Geschwindigkeit ist insbesondere den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen sowie den persönlichen Fähigkeiten und den Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung anzupassen.“ Weiter heißt es: „Es darf nur so schnell gefahren werden, dass innerhalb der übersehbaren Strecke gehalten werden kann.“

Die Statistik im Kreis Paderborn zeigt einen Rückgang um sieben Prozent bei der Zahl der verunglückten Radfahrer. Insgesamt verunglückten im vergangenen Jahr 375 Radfahrer (2018: 405), zwei Personen wurden getötet (2018: 3), 80 Radfahrer wurden schwer (2018: 100) und 293 leicht verletzt (2018: 302).

Auch wenn es das Messfahrrad nun nicht im Kreis Paderborn geben wird, bleibt die Polizei Paderborn natürlich weiterhin im Rahmen ihres Behördenschwerpunktes #! für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer im Straßenverkehr im Einsatz.

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