Wie sich der Alltag der Feuerwehr Paderborn verändert „Einsatzfähig trotz Corona“

Paderborn (WB/jhan). „Es gibt keine 100-prozentige Sicherheit. Aber wir versuchen, das Risiko so gering wie möglich zu halten“, erläutert Paderborns Feuerwehrchef Ralf Schmitz. Um einsatzfähig zu bleiben, hat er mit seiner Mannschaft die Arbeit in Zeiten von Corona angepasst und auch zu teils ungewöhnlichen Methoden gegriffen.

Um in der Corona-Krise einsatzfähig zu bleiben, hat die Feuerwehr Paderborn einige Vorsichtsmaßnahmen getroffen.
Um in der Corona-Krise einsatzfähig zu bleiben, hat die Feuerwehr Paderborn einige Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Foto: Jörn Hannemann

Ein Einzelner könnte eine ganze Wachmannschaft lahmlegen, wenn er sich mit dem Coronavirus infiziert hat. Dann müssten im schlimmsten Fall alle Kameraden, mit denen er Kontakt hatte, in die Quarantäne. Um das zu verhindern, hat die Feuerwehr viele Vorsichtsmaßnahmen beschlossen. In einem viel beachteten Video auf ihrem Facebook-Kanal im Internet informiert die Wehr über ihre derzeitige Situation und Arbeitsweise in Zeiten von Corona.

Social Distancing das Gebot der Stunde

Das vielfach zitierte „Social Distancing“, also möglichst großen Abstand halten, ist auch hier das Gebot der Stunde: Für jegliche Besucher, darunter auch Familienangehörige der Retter, endet der Versuch, die Feuerwache zu betreten, bereits am Eingangstor und einem großen Stop-Zeichen. Die Wachen sind derzeit ausschließlich für Mitarbeiter zugänglich.

Auch die Feuerwehr bittet die Bevölkerung, daheim zu bleiben. Foto: Feuerwehr Paderborn

In der Fahrzeughalle ist ein langer Bauzaun zwischen den Feuerwehrwagen und den Krankenwagen aufgestellt. Brandschutz und Rettungsdienst sind räumlich und baulich voneinander getrennt worden, um die Infektionsgefahr möglichst gering zu halten. „Die Sperre soll Mitarbeiter mit viel Patientenkontakt und das Person im Brandschutz und der Hilfeleistung voneinander trennen.“ Ziel sei es laut Schmitz, im Zweifelsfall nur eine möglichst kleine Gruppe unter Quarantäne stellen zu müssen und somit die Einsatzbereitschaft weiterhin aufrecht halten zu können.

Neben der Standardhygiene, beispielsweise bei der Händedesinfektion, werden dreimal täglich alle Kontaktflächen wie Telefone, Türgriffe, Funkgeräte und Autotürgriffe desinfiziert. „Dabei wird auf eine ressourcenschonende Verwendung geachtet – ganz nach dem Motto: so viel wie nötig, so wenig wie möglich.“ Dringend benötigte Materialen wie Masken und Schutzoveralls werden nur noch bei Bedarf ausgegeben, um den Bestand im Überblick zu garantieren. Auch in der Küche gelten verschärfte Hygieneregeln. So ist eine Buffetform nicht mehr gestattet. Stattdessen wird das Essen ausgegeben. In der Küche bereiten nur noch maximal zwei Kollegen das Essen mit erweiterten Hygienemaßnahmen zu. Im Speisesaal wird auf einen Mindestabstand zwischen den einzelnen Mitarbeitern geachtet. In den Ruheräumen verbringen die Kollegen maximal zu zweit und in einem möglichst großen Abstand zuein­ander ihre Bereitschaft.

Durch einen Bauzaun sind Brandschutz und Rettungsdienst getrennt. Foto: Jörn Hannemann

Möglichst viele Kollegen arbeiten nicht mehr in den Räumen der Feuerwache. Die Technikabteilung hat in kürzester Zeit Möglichkeiten für Home Office geschaffen. „Eines kann man sich jedoch sicher sein: Die Feuerwehr rückt nach wie vor zuverlässig aus und bleibt nicht im Home Office!“, lautet das Versprechen im Feuerwehrvideo. Bei der Paderborner Feuerwehr arbeiten derzeit etwa 250 hauptamtliche Mitarbeiter in den beiden Feuerwehrwachen. Hinzu kommen 350 ehrenamtliche Kräfte. Im Hinblick auf mögliche Ausgangssperren hat die Feuerwehr ein weiteres Projekt vorgezogen. Demnach erhalten die Einsatzkräfte neue offizielle Dienstausweise aus Plastik im Scheckkartenformat. Schmitz: „Die werden derzeit gerade für jeden einzelnen gedruckt.“

Seit Anfang März sei ein operativ-taktischer Krisenstab unter Leitung von Ralf Schmitz gebildet worden, wie zuletzt bei der Entschärfung der großen Fliegerbombe in Paderborn. „Anfangs haben wir uns einmal am Tag getroffen, dieses ist auf drei Mal gestiegen und jetzt nochmal erhöht worden, um die aktuelle Lage-Entwicklung ständig im Blick zu haben und um direkt reagieren zu können.“

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