Paderborner Band Goodbeats nimmt im Internet gut 7000 Euro ein
Konzert ohne Publikum

Paderborn (WB). Premiere geglückt! Mehr als 7000 Euro hat die Paderborner Partyband Goodbeats bei ihrem ersten Konzert rein im Internet gesammelt. 850 Menschen schauten sich am Samstagabend den Auftritt in einer Lagerhalle bei Youtube an, mehr als 6000 Mal wurde die Show zeitweise aufgerufen.

Dienstag, 31.03.2020, 08:12 Uhr aktualisiert: 31.03.2020, 08:20 Uhr
So sah es am Samstagabend aus, als die Band Goodbeats ihr erstes Internetkonzert gab. Statt von Publikum war sie von Technik umgeben. Foto: Thorsten Hennig

„Wir denken ernsthaft über eine Wiederholung nach“, sagte Bandgründer Thilo Pohlschmidt am Montag. Weil wegen des Coronavirus das Kulturleben in Hallen, Festsälen und Clubs brachliegt, müssen Bands neue Wege gehen. Das Internet ist die einzig verbliebene Plattform, um sich zu präsentieren. Kein Publikum vor sich zu haben, sei für ihn schon „extrem seltsam“ gewesen, erzählte Pohlschmidt: „Ich habe versucht, mir vorzustellen, dass da Leute sind.“ Zudem nahm der 34-Jährige einen Zettel mit auf die Bühne, um die Namen der 15 Fans zu verlesen, die sich Grüße, Wünsche und sogar ein Konzert via Skype gekauft hatten.

 

Ein Stück Alltag inmitten von Corona

Während des Konzerts habe er kein gutes Gefühl gehabt und den Aufritt auch nicht mit der sonst üblichen Euphorie beendet, berichtete Pohlschmidt: „Aber als ich das Konzert dann gesehen habe, war ich überrascht, wie gut es doch war.“ Das Feedback des Publikums gab den vier Musikern Recht. In mehr als 150 Instagram-Storys wurden Bilder vom Livekonzert vorm Bildschirm gepostet. Nach einer Stunde hatte die Band die Kosten für das Konzert in Höhe von 6000 Euro eingespielt, über 200 Zuschauer unterstützten die Band per Crowdfunding. Pohlschmidt: „Viele haben uns Nachrichten geschickt und sich dafür bedankt, dass sie mal eine Stunde vom Bombardement mit Corona-Nachrichten abgelenkt wurden. Sie fühlten sich zurück in den Alltag versetzt.“

Die Band hatte das Konzert mit den heimischen Firmen Lean Pro und AFV Medienproduktion Weihrauch sowie der Agentur Lautstrom organisiert. Reich sind die Musiker dadurch nicht geworden. Thilo Pohlschmidt rechnete vor: „7000 Euro sind super, aber wenn man das auf Crew, Technik und Agentur runterbricht, bleiben 400 bis 500 Euro pro Person.“ Möglicherweise werde es Ostern ein Unplugged-Konzert im Internet geben, deutete er an. Angesichts der drastischen Terminausfälle mache die Band gerade ihre „härteste Zeit“ durch. Ob die 30 für Mai bis Juli fest eingeplanten Konzerte stattfinden können, sei wegen des Virus offen. „Wenn die wegfallen, wird es für uns heftig“, sagte Pohlschmidt.

Unterstützung auch für Kneipen und Cafés mit Livemusik

Schlechte Zeiten erleben derzeit auch Kneipen und Cafés, die auf Kultur live setzen, sowie Künstler, die zum Nichtstun verdammt sind. Sie unterstützt Michael Schäfers mit seiner Kampagne #dasgehtaufmich. Wer einen Instagram-Account hat, Schäfers unter der Adresse @budderbrotundpeitsche folgt und dann Live-Übertragung anwählt, kann an diesem Dienstagabend um 19.30 Uhr im Internet miterleben, wie der Künstler Volker Heisener über seine Kunst und die Streetart allgemein spricht und selbst kreativ tätig wird. Er holt sein Atelier provisorisch in seine Wohnung.

Michael Schäfers selbst beschreibt den Zweck seiner Kampagne so: „Das Anliegen dahinter ist, Kunst- und Kulturschaffenden eine Plattform zu bieten, auf der sie über ihre Arbeit, Geschichte und Motivation und die Mitgestaltung eines bunten Paderborns sprechen können. Wir klären, wie ihr bisheriger Alltag aussah und was sich jetzt durch Corona für sie verändert hat.“

Unterstützt wird Schäfers von Lena Heller, Julia Bergschneider und Saskia Albering. „In einer Woche wollen wir einem Künstler eine Plattform bieten, in einer anderen einem interessanten Lokal“, sagte Bergschneider. Bei der Premiere der Kampagne mit einem Onlinetalk seien 740 Euro für die Kulturkneipe „Sputnik“ zusammengekommen. 110 Paderborner hätten ihre Solidarität mit dem Lokal ausgedrückt.

Kartoffelwaffeln im Livestream

Unterstützung erhielt auch das Mühlencafé. Im Livestream bereitete der Koch Kartoffelwaffeln mit süßem Tomatenchutney zu, die Zuschauer konnten als Dank für den Kochkurs spenden oder einen Soli-Gutschein erwerben. So kamen nach Angaben der Initiatoren 445 Euro für das Café zusammen. Den Machern der Kampagne geht es um die Zeit nach Corona: „Der Tag, an dem wir uns wieder auf alle Angebote einlassen können, wird kommen und dann möchten wir so weiterleben, wie wir es gewohnt sind.“

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