Kreis Paderborn sorgt sich um schwierige Nachschubsituation bei Schutzausrüstung und Testmaterialien
71 Menschen infiziert – Taxen können Bereitschaft einschränken

Paderborn (WB). Im Kreis Paderborn sind insgesamt 71 Menschen positiv auf eine Corona-Virus-Infektion getestet worden (Stand: 19. März, 16.15 Uhr). Damit stieg die Zahl der Infizierten gegenüber dem Vortag um neun.

Donnerstag, 19.03.2020, 19:13 Uhr aktualisiert: 19.03.2020, 19:16 Uhr
Medizinischer Mundschutz ist derzeit so gut wie nicht erhältlich. Foto: dpa

Die Gesamtzahl schlüsselt sich auf wie folgt: Bad Lippspringe: 1, Bad Wünnenberg: 11, Borchen: 1, Büren: 3, Delbrück: 13, Hövelhof: 8, Paderborn 31 und Salzkotten :3

Gruppen spielender Kinder auf der Straße, Grillfeste im Park oder geöffnete Lokale – leider sind immer wieder Verstöße gegen den neuen Erlass zu kontaktreduzierenden Maßnahmen zu beobachten. „Zusammenhalt war und ist unsere Stärke im Paderborner Land. Wir brauchen jetzt Disziplin in der Reduzierung sozialer Kontakte, damit die Ausbreitung des Corona-Virus verlangsamt wird“, appelliert Landrat Manfred Müller an die Bevölkerung. Jeder kann etwas tun, auch wenn es für den Einzelnen Einschränkungen bedeutet. Aber: „Das kann im Ergebnis Leben retten!“, so Landrat Müller. Zuständig für die Kontrolle der Maßnahmen sind die Ordnungsämter der Städte und Gemeinden. Aber auch die Polizei hat ein Auge darauf und wirkt auf die Bürger ein.

Hoffen auf Nachschub

Mit Sorge beobachtet der Kreis auch die schwierige Nachschubsituation bei Schutzausrüstung und Testmaterialien. Das Kreisgesundheitsamt steht in Kontakt mit der Kassenärztlichen Vereinigung, die sehr bemüht ist, über das Land NRW den zugesagten Nachschub zu kommen. „Wir hoffen sehr, dass dieser Nachschub bald eintrifft, denn er ist für die Behandlung und Testung der infizierten Personen unerlässliche“, erklärten Landrat Manfred Müller und Kreisdirektor Dr. Ulrich Conradi.

Taxen nur noch von 6 bis 20 Uhr in der Pflicht

Die Einschränkungen im öffentlichen Leben spüren nicht nur Geschäfte drastisch, sondern auch Taxi-Unternehmen, die laut Gesetz verpflichtet sind, ihre Dienstleistung rund um die Uhr anzubieten. Doch angesichts sinkender Fahrten und damit geringeren Einnahmen haben viele Unternehmen um eine Befreiung von dieser Vorgabe gebeten. „Ich verstehe die Not der Unternehmen, wir haben aber auch gleichzeitig eine hohe Verantwortung gegenüber den Personen, die nach wie vor zu ihre Dialyse, Chemo- oder Strahlentherapie befördert werden müssen und auf Taxis angewiesen sind“, erklärt Landrat Müller. Die Kreisverwaltung hat daher beschlossen, die Taxi-Unternehmen von der 24-stündigen Betriebspflicht zu befreien und ihre Betriebszeiten auf einen Zeitraum von 6 bis 20 Uhr zu beschränken. Diese Regelung gilt zunächst bis zum 30. Juni.

Bürgertelefon/Infotelefon Infektionsschutz

Nachdem das Infotelefon Infektionsschutz des Kreisgesundheitsamtes anfänglich zeitweise stark überlastet war, hatte der Kreis am Dienstag und Mittwoch hier massiv Personal aufgestockt. Auch das Deutsche Rote Kreuz unterstützt mit Ehrenamtlichen den Kreis Paderborn bei der wichtigen Aufgabe, die Bürger zu informieren. „Wir haben am Mittwoch 275 Anrufe von Bürgern auf unserem Infotelefon entgegengenommen. Besonders morgens und vormittags riefen viele Menschen an, denen wir aber dank der personellen Aufstockung gut weiterhelfen konnten“, berichtet Dr. Constanze Kuhnert, stellvertretende Leiterin des Kreisgesundheitsamtes. Unter der Telefonnummer 05251/308-3333 können sich Menschen melden, die Kontakt zu einer infizierten Person hatten und den Verdacht haben, sich angesteckt zu haben. Servicezeiten sind Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr und am Wochenende von 10 bis 20 Uhr.

Bürgertelefon geschaltet

Auch das Bürgertelefon, das der Kreis Paderborn in Zusammenarbeit mit dem telefonischen Service-Center der Stadt Paderborn anbietet, merkt nun spürbare Entlastung durch das Infotelefon des Kreises. Gingen am Montag noch 654 Anrufe beim Bürgertelefon ein, waren es am Dienstag nur noch 260 und am Mittwoch 159. Unter der Telefonnummer 05251/88122979 beantwortet das Bürgertelefon Fragen zu Corona. Es bietet keine medizinische Beratung an. Die Servicezeiten sind Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr und Freitag von 8 bis 12 Uhr. „Die Zahlen zeigen, dass das Informationsbedürfnis der Bevölkerung unverändert hoch ist. Wir danken daher den Mitarbeitern beider Auskunftstelefone für ihre unermüdliche Arbeit“, erklärt Kreisdirektor Conradi.

Fragen von Unternehmen

Insgesamt beobachtet der Kreis, dass immer mehr Unternehmen oder auch Selbstständige sich an den Kreis wenden und Informationen über finanzielle Hilfen erfragen. „Die jetzige Situation beunruhigt viele Menschen im Kreis und lässt sie schlecht schlafen. Sie haben nicht nur Angst um ihre Gesundheit, sondern auch ihren Arbeitsplatz oder das wirtschaftliche Überleben ihrer Firma“, weiß Landrat Manfred Müller. Der Kreis hat daher auf seiner Corona-Informationsseite Ansprechpartner und Institutionen verlinkt, die den Betroffenen weiterhelfen können. Der Kreis selbst sei hier nicht zuständig.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7335336?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F
Arminia-Geschäftsführer Rejek: „Nicht nur Hallo sagen“
DSC-Geschäftsführer Markus Rejek. Foto: Thomas F. Starke
Nachrichten-Ticker