Corona: Breiter Ausbruch soll möglichst lange verzögert werden
„Wir haben die Lage im Griff“

Paderborn (WB). Der Kreis Paderborn setzt auf Vernunft und Besonnenheit, aber auch auf die Eigenverantwortung jedes Einzelnen, um die Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen und Infektionsketten zu unterbrechen. „Der Anspruch, jegliche Infektionen zu verhindern, ist illusorisch“, sagte am Montag die stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes, Dr. Constanze Kuhnert. Sie stufte das Risiko für die Bevölkerung aber als eher gering ein.

Montag, 09.03.2020, 18:06 Uhr aktualisiert: 09.03.2020, 19:52 Uhr
Landrat Manfred Müller und die stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes informierten über den Coronaausbruch im Kreis Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Am Wochenende ist der erste Coronafall im Kreis Paderborn nachgewiesen worden. Dabei handelt es sich um einen Mann aus dem Großraum Delbrück, der gemeinsam mit sieben weiteren Personen aus dem Skiurlaub in Südtirol zurückgekehrt war. Allen acht Urlaubern sowie deren Familien gehe es gut, teilte Landrat Manfred Müller mit. Die Reisegruppe war mit zwei Autos aus Südtirol zurückgekehrt. Während die drei Mitfahrer aus dem ersten Auto negativ getestet wurden, stehen die Ergebnisse der vier Personen aus dem zweiten Fahrzeug, noch aus. Sie und ihre Familien befinden sich derzeit in Quarantäne.

Reisegruppe habe vorbildlich gehandelt

Vorsorglich hatte der Kreis in Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt der Stadt das Ludwig-Erhard-Berufskolleg geschlossen , da die Tochter eines Mitfahrers aus dem ersten Auto diese Schule besucht. Da das Testergebnis des Vaters nun negativ ausfiel, fehle nun die Grundlage zur weiteren Schließung des Berufskollegs, so dass an diesem Dienstag dort wieder unterrichtet wird. Der positiv getestete Fahrer und dessen Familie werden jedoch in 14-tägiger Quarantäne bleiben. „Unser Ziel ist es, die Betroffenen zu isolieren, die Kontaktpersonen zu ermitteln und so die Infektionsketten möglichst zu durchbrechen“, sagte Müller.

Der Krisenstab des Kreises schloss am Montag weitere Infektionsfälle durch Reiserückkehrer nicht aus, zeigte sich aber auch beeindruckt vom vorbildlichen Verhalten der Reisegruppe aus Südtirol. „Sie haben alles richtig gemacht, sich auch ohne Anordnung in Quarantäne begeben und Schaden von uns abgewendet“, sagt Dr. Kuhnert.

Prognosen über den weiteren Verlauf des Ausbruchs vermochte Kuhnert nicht zu geben. „Wir haben es hier mit einem dynamischen Geschehen zu tun, die Situation ändert sich stündlich“, so Dr. Kuhnert auch mit Blick auf Richtlinien, neue Erkenntnisse über Ansteckungswege und Inkubationszeiten. „Seit dem Wochenende glühen bei uns die Telefonleitungen“, ist sie überzeugt, dass Rückkehrer aus Risikogebieten sich weiterhin verantwortungsbewusst verhalten und sich in Verdachtsfällen melden. Sie riet aber dazu, vor einem Anruf genau zu überlegen, ob er notwendig sei.

Persönliche Risikosituation abwägen

„Bei einer Infektion mit dem Coronavirus handelt es sich an sich nicht um eine lebensbedrohliche Krankheit“, so Dr. Kuhnert, „wenn sich jeder mit Erkältungssymptomen testen lässt, schaffen das die Labore nicht. Wir haben die momentane Lage im Griff und sind gut aufgestellt.“

Verbindliche Anweisungen übergeordneter Stellen, Großveranstaltungen abzusagen oder Schulen zu schließen, lägen derzeit nicht vor, informierte Kreisdirektor Dr. Ulrich Conradi. Landrat Müller fasste am Montagmittag die Äußerungen des Gesundheitsministers Jens Spahn, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen abzusagen, als Empfehlung auf.

Jeder müsse in seiner persönlichen Risiko-Situation selbst entscheiden, ob er an Veranstaltungen teilnehmen will. „Unser Ziel ist es, einen breiten Ausbruch möglichst lange zu verzögern, um die wärmere Jahreszeit zu erreichen“, so Müller. Das Gesundheitsamt empfiehlt Menschen mit Vorerkrankungen, Älteren und Immungeschwächten, Menschenansammlungen zu vermeiden.

Dr. Constanze Kuhnert beschwichtigte auch hinsichtlich der Versorgungslage mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln. Das Virus übertrage sich durch Körperkontakt. Sie sollten natürlich nicht selbst einkaufen gehen, könnten sich aber von Verwandten oder dem Pizzadienst etwas bringen lassen. Sowohl Kuhnert als auch Conradi betonten, dass es weder Grund zur Panik noch für Hamsterkäufe gebe. „Ich sehe derzeit wirklich kein besonders hohes Risiko für die Bevölkerung. Wir werden nicht alle am Coronavirus sterben“, sagte die stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes.

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