Erster Fall im Kreis Paderborn: achtköpfige Männergruppe mit Familien unter Quarantäne Corona: Skireise mit positivem Ergebnis

Paderborn (WB). Eine Reise in ein kleines Skigebiet in der Nähe von Bozen (Südtirol) hat für acht Männer aus dem Kreis Paderborn ungeahnte Folgen. Bei einem Mitreisenden ist nach der Rückkehr ein Test auf den Coronavirus positiv ausgefallen.

Von Ingo Schmitz
In den Laboren laufen die Untersuchungen auf Hochtouren. Bei dem Test eines Reiserückkehrers aus dem Kreis Paderborn, der sich in der Region Südtirol aufgehalten hatte, ist am Freitag der Virus festgestellt worden. Fünf weitere Ergebnisse stehen noch aus.
In den Laboren laufen die Untersuchungen auf Hochtouren. Bei dem Test eines Reiserückkehrers aus dem Kreis Paderborn, der sich in der Region Südtirol aufgehalten hatte, ist am Freitag der Virus festgestellt worden. Fünf weitere Ergebnisse stehen noch aus. Foto: dpa

Bei zwei weiteren Personen liegt ein negatives Ergebnis vor. Bei einem vierten Mitreisenden steht das Ergebnis noch aus, die übrigen vier werden an diesem Montag von Mitarbeitern des Gesundheitsamtes daheim aufgesucht. Doch für alle gilt: Sie stehen seit ihrer Rückkehr in den Kreis Paderborn samt ihren Familien unter häuslicher Quarantäne.

„Nicht der Coronavirus macht uns krank“

Am Sonntagabend hatte das WESTFÄLISCHE VOLKSBLATT die Möglichkeit, mit einem der Mitreisenden zu sprechen. Demnach habe der 60-Jährige, der positiv getestet wurde, am Samstag leichtes Fieber und Gliederschmerzen verspürt. Beides sei aber seit Sonntag wieder verflogen. „Nicht der Coronavirus macht uns krank, sondern das ganze Drumherum und die Hysterie der Menschen“, erklärte der Organisator der Skitour im Gespräch mit dieser Zeitung. „Wir alle haben keine Symptome. Uns geht es blendend“, betonte er.

Alle acht Betroffenen hätten sämtliche Vorsorgemaßnahmen getroffen, um nicht noch mehr Menschen mit in die Sache hinein zu ziehen. Großes Lob sprach der Organisator der Tour dem Gesundheitsamt aus. „Die haben sich hervorragend gekümmert.“

Die achtköpfige Männerrunde im Alter zwischen 50 und 60 Jahren hatte den Skiausflug wie in jedem Jahr von langer Hand geplant. „Wir haben aber die Entscheidung zu fahren bis zum Schluss hinausgezögert. Am Sonntag vor einer Woche habe festgestanden, dass das kleine Skigebiet bei Bozen kein Krisengebiet ist. Daher haben wir uns entschlossen, zu fahren.“ Die Gruppe sei mit zwei privaten Autos gestartet, um flexibel vor Ort jeder Zeit abreisen zu können. Daher habe man auch schon am Mittwoch telefonischen Kontakt mit einem Hausarzt in der Heimat aufgenommen und sich über weitere Verhaltensregeln informiert. „Wir haben für uns entschieden, zurück zu fahren und dass sich jeder auf eigene Kosten zu Hause testen lässt“, berichtet der Organisator weiter.

Termine für freiwillige Tests

Die erste Gruppe sei am Donnerstag gestartet und habe sich am Freitag der Untersuchung unterzogen. Dabei fiel ein Test eines Reisenden positiv sowie zwei weitere negativ aus. Die zweite Gruppe mit den restlichen vier Reisenden fuhr am Freitag zurück und hatte sich bereits für diesen Montag Termine für freiwillige Tests geben lassen. Doch dazu kommt es wohl nun nicht mehr: „Das Gesundheitsamt hat angekündigt, dass wir alle zu Hause aufgesucht werden.“

Seit der Rückkehr herrscht in den betroffenen Familien kein normales Leben mehr: „Ich nähere mich meiner Frau nur noch bis maximal zwei Meter, habe ein eigenes Bett bezogen und mein eigenes Badezimmer.“ Und obwohl es keinen Kontakt mit seiner Frau und der Tochter gab, bleiben auch diese am heutigen Montag der Arbeit fern. Rein vorsorglich.

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„Ich glaube, dass wir alle sehr weitsichtig gehandelt haben.“

Der Organisator

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Der Organisator der Skireise ist geschockt angesichts der Wellen, die der Fall inzwischen im gesamten Kreis Paderborn geschlagen hat. „Ich glaube, dass wir alle sehr weitsichtig gehandelt haben. Als wir losgefahren sind, war die Region noch kein Krisengebiet. Wir sind unter uns geblieben und haben kein Après Ski besucht. Wir haben sofort mit unserem Hausarzt Kontakt aufgenommen und uns an die Ratschläge gehalten.“ Umso mehr sei für alle rätselhaft, wo sich der Kollege angesteckt haben könnte.

„Ich bin mir inzwischen sicher, dass der Virus nicht aufzuhalten ist und die Welle auch Deutschland und unsere Region erreichen wird“, sagte der Organisator.

Der Kreis Paderborn hatte am Samstag mitgeteilt, dass es einen ersten positiv getesteten Patienten gebe. Über die weiteren Umstände hatte die Behörde geschwiegen und stattdessen die Medien aufgefordert, von Nachfragen in diesem Fall abzusehen.

Für diesen Montag hat der Kreis Paderborn eine Pressekonferenz angekündigt. Die Uhrzeit blieb bis zum Sonntagabend unklar.

Kommentare

Datenschutz

Der Kreis Paderborn hat keine Details zum Patienten bekannt gegeben,weil wir datenschutzkonform informieren. Wenn jemand sich an die Medien wendet und seine Geschichte erzählt, ist das seine ureigenste Entscheidung.Wir werden auch weiterhin den Datenschutz beachten, denn er dient dem Schutz der Privatsphäre, dem Schtz persönlicher Daten. Wir werden weiter fortlaufend informieren. Alle Infos auch immer unter www.kreis-paderborn.de.

Wie wär's mit etwas Bescheidenheit, Herr Organisator?

"Nicht der Coronavirus macht uns krank, sondern das ganze Drumherum und die Hysterie der Menschen", weiß der Organisator.
Was uns aber offensichtlich auch krank macht sind eben solche Reisegruppen von Leuten, die sich unerschütterlich einbilden, die Risiken ihres Handelns bestens beurteilen zu können, selbst wenn das Gegenteil der Fall zu sein scheint und ihnen gar "räselhaft" ist, wie sich ein Kollege angesteckt haben könnte.

Keine Entachuldigung nötig

Schön, dass alle Skiteilnehmer so besonnen gehandelt haben. Jedoch klingt das wie eine große Entschuldigung und ich hoffe, es gab keine Anprangerungen. Das fände ich wirklich fehl am Platz. Schön, dass es allen gut geht und keiner ernsthaft erkrankt ist!

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