Staatskanzlei stuft Paderborner Eisbahn als förderfähig ein
Grünes Licht aus Düsseldorf

Paderborn (WB). Der vom TV 1875 Paderborn geplante Neubau einer Eishalle neben dem Sportzentrum im Goldgrund geht in eine neue Runde. Am Montag traf sich nach Informationen dieser Zeitung Paderborns Bürgermeister Michael Dreier in der Düsseldorfer Staatskanzlei mit NRW-Staatssekretärin für Sport Andrea Milz. Der Möglichkeit einer Förderung des 3,8 Millionen-Projekts über das Landesprogramm „Moderne Sportstätten 2022“ steht demnach nichts im Wege. Das bestätigte ein Sprecher der Staatskanzlei auf Anfrage.

Mittwoch, 04.03.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 10:38 Uhr
Im Winter konnten Paderborner Schlittschuhläufer auf einer provisorischen Eisbahn ihre Runden drehen. Nun könnte auch der Bau einer Eishalle vom Land gefördert werden. Foto: Jörn Hannemann

Der Vorsitzende des Paderborner Stadtsportverbandes, Mathias Hornberger, hatte erhebliche Zweifel geäußert, ob der Bau überhaupt förderungswürdig sei. Diese Bedenken gibt es in Düsseldorf offensichtlich nicht. Die Landesregierung sehe die Maßnahme vielmehr als „Ersatz-Neubau“, auch wenn die 2018 geschlossene Eishalle in Mönkeloh ihre Heimat hatte.

Pacht und Gewinn müssen im Verein bleiben

Diese Sicht sei nach Ansicht eines Sprechers zwar ein Grenzfall, aber das Vorhaben des TV 1875 sei räumlich nicht so eng zu sehen. Es würde schließlich den gleichen Nutzerkreis betreffen und sei deshalb grundsätzlich förderfähig. Dass die Anlage nach Fertigstellung von einem kommerziellen Betreiber genutzt werden wird, stehe der finanziellen Unterstützung des Landes ebenfalls nicht entgegen. Wichtig sei, dass Pacht und Gewinn im Verein blieben.

Auch mit der Aufweichung eines anderen Kriteriums hat die NRW-Landesregierung kein Problem. Waren die Stadtsportverbände bislang aufgefordert, jede Sportstätte mit mindestens 50 Prozent zu unterstützen, würde sich Düsseldorf in diesem konkreten Fall auch mit einer 25 bis 30-prozentigen Hilfe zufrieden geben. Zwar wolle niemand das Gießkannenprinzip, auch müsse die Förderung der Landesregierung deutlich bleiben, einen Sonderfall sieht man nach Ansicht eines Sprechers, weil hier noch „erhebliche Drittmittel eingeworben werden könnten“.

Der Paderborner SSV-Vorsitzende Mathias Hornberger reagierte gestern auf WV-Anfrage zunächst sprachlos und dann auch sehr verwundert: „Diese Aussagen decken sich überhaupt nicht mit den Informationen, die wir bislang hatten.“ Für ihn sei das Vorhaben des TV 1875 bislang immer und ausschließlich ein Neubau gewesen und daher aus seiner Sicht nicht förderungsfähig.

20 Vereine haben Interesse an Förderung angemeldet

Auf einen Punkt ging der 58-Jährige, der den SSV (140 Vereine, 50.000 Mitglieder) seit 2007 führt, aber noch einmal explizit ein. „Auch eine 25-prozentige Förderung der Paderborner Eisbahn ist aus meiner Sicht nicht realistisch. Dann wären von den zwei Millionen Euro aus dem Gesamttopf auch schon 950.000 Euro weg und viele andere Vereine könnten wir dann gar nicht mehr berücksichtigen“, rechnet Hornberger hoch.

Von den 40 Vereinen der Stadt Paderborn, die überhaupt vom Landesprogramm „Moderne Sportstätten 2022“ profitieren könnten (eigene Anlagen oder Sportstätten, bei denen der Pachtvertrag noch mindestens 40 Jahre läuft), haben laut Hornberger bislang 20 ihr Interesse angemeldet. Noch bis zum 1. Juli können die Anträge beim SSV gestellt werden. Bis spätestens Januar 2021 soll entschieden werden, wer Geld bekommt. Insgesamt stehen für Paderborn zwei Millionen Euro zu Verfügung.

Obwohl die Kriterien deutlich aufgeweicht wurden, ließ ein Sprecher der Staatskanzlei gestern aber keinen Zweifel daran, dass letztlich der Stadtsportverband festlegen wird, welcher Verein wieviel Geld bekommt. Sensibel, unbürokratisch und ohne Hektik solle entschieden werden, denn am Ende sei klar: Um allen gerecht zu werden, stünde ohnehin zu wenig Geld zur Verfügung.

 

Kommentar von Matthias Reichstein

Jetzt stellt das Land endlich Geld für die Modernisierung von vereinseigenen Anlagen zur Verfügung, und was macht die Paderborner Sportfamilie: Sie streitet.

Dabei sind beide Seiten gar nicht so weit weg. Mathias Hornberger sieht das Große und Ganze und will möglichst viele Vereine gefördert wissen. TV-Präsident Franz Driller reklamiert das auch für sich, behält aber die Eisfans, die nicht einem Verein angehören als ein Teil der (Sport-)Familie im Blick. Das Eis, um im Bild zu bleiben, auf dem sich die beiden bewegen, ist aber dünn, weil es den Königsweg nicht gibt. Am Ende wird es mindestens einen geben, der sich als Verlierer fühlt.

Wenig hilfreich ist allerdings, wenn sich Verwaltung und Staatskanzlei ohne den Sport treffen. Besser wäre es, wenn die Interessensvertreter mit am Tisch sitzen und alle nach einer Lösung suchen. Denn am Ende droht ein tiefer Riss im Eis. Oder anders ausgedrückt: die Spaltung. Die kann niemand wollen.

 

 

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