Neuer Dachverband für kulturelle Initiativen stellt sich vor
Paderborn gar nicht boring

Paderborn (WB). Ein Satz würde Carola Pense in Zukunft sehr freuen: „Ich hab gehört, in Paderborn geht einiges.“ Carola Pense arbeitet im Vorstand der „Kuppel“ mit, des neuen Dachverbands für Kulturinitiativen in Paderborn.

Mittwoch, 04.03.2020, 08:08 Uhr aktualisiert: 04.03.2020, 08:20 Uhr
Der Vorstand der „Kuppel“ mit Tobais Vorwerk, Christian Manfred Wilke und Carola Pense (von links) stellte sich der Öffentlichkeit vor. Foto: Dietmar Kemper

Am Montag stellte sich die „Kuppel“ im Asta-Stadtcampus vor. Die heimische Szene solle „sichtbarer, gemeinschaftlicher und schlagkräftiger“ werden, beschrieb Vorstandskollege Tobias Vorwerk das Ziel. Eine aktive Kulturszene mache Städte lebendig und lebenswert, ist er überzeugt. In Paderborn gehe einiges, aber das sei nicht immer sichtbar.

Der neue Dachverband möchte mit den Kreativen, der Verwaltung und mit der Politik kooperieren. Es gibt aber eine Ausnahme. Tobias Vorwerk: „Wir wollen keine politische Farbe annehmen und mit allen Parteien zusammenarbeiten – außer mit den Nazis von der AfD.“ Der Dachverband will die Kulturinitiativen mitein­ander verzahnen, Öffentlichkeitsarbeit machen und dabei helfen, Fördermittel auszuschöpfen.

Mit der Frage, wie es um die Kultur in Paderborn steht, beschäftigten sich Experten in einer Podiumsdiskussion. So schlecht wie ihr Ruf ist sie gar nicht. Das zeigt die Masterarbeit von Ina Heinrich, die sie im Fach Populäre Musik und Medien an der Universität Paderborn geschrieben und gerade abgegeben hat.

Das Vorurteil vom öden Paderborn

Dafür führte Heinrich eine Umfrage durch und wertete schließlich die Antworten von 702 Frauen und Männern aus. Ina Heinrich: „70 Prozent haben gesagt: ‚Nein, ich würde der Bezeichnung Paderboring nicht zustimmen.‘“ So öde ist die Domstadt also nicht, gleichwohl sehen die Befragten noch Verbesserungsbedarf. Sie wünschen sich demnach eine differenzierte Clubszene, mehr Informationen über Veranstaltungen und mehr Konzerte von namhaften Bands.

Da konnte Musiker Daniel Ruschkowski einhaken, der mit seinem Verein Connect versucht, Bands Auftrittsmöglichkeiten zu verschaffen. „Bielefeld hat viele große Veranstaltungsorte, wir haben nicht einen“, blickte er neidisch die A33 entlang. Weil sich Shows für bekannte Gruppen erst ab 2000 Zuhörern rentierten, sei die Kulturwerkstatt für sie keine Alternative.

Kaserne könnte zum Kreativquartier werden

Wirtschaftsförderer Frank Wolters erhofft sich von einem möglichen Kreativquartier auf dem Gelände der Alanbrooke-Kaserne einen Schub für Paderborns Kultur. Im „War of Talents“ (Krieg um Talente) zwischen den Unternehmen spiele die Kultur für die Attraktivität eines Standorts eine wichtige Rolle. Nur wenn das Kulturangebot in einer Stadt stimme, fänden Personalchefs genügend Leute, hört Wolter von Firmen.

Die Leiterin des Referats Kreativwirtschaft im NRW-Wirtschaftsministerium, Claudia Nussbauer, nannte eindrucksvolle Zahlen. Die 300.000 Beschäftigten im Bereich Kreativwirtschaft in Nordrhein-Westfalen hätten zuletzt einen Umsatz von 39 Milliarden Euro erwirtschaftet. Trotz der an den Zahlen ablesbaren enormen Bedeutung trete die Kreativwirtschaft selbst viel zu leise auf. Eine Vernetzung, wie sie jetzt „Die Kuppel“ in Paderborn praktiziere, nannte Nussbauer deshalb „absolut unverzichtbar“.

 

Stienecke: „Wir können uns heute mit Großstadtkultur messen.“

Zum Bereich Kreativwirtschaft werden übrigens die Bereiche Literatur, Architektur und Design, Musik, Ausstellungen, Film und Rundfunk sowie Softwareentwicklung für Videospiele gerechnet. Dass sich in den vergangenen 40 Jahren in der Paderborner Kultur vieles entwickelt hat, betonte der langjährige Kulturchef des „Westfälischen Volksblattes“, Manfred Stienecke. Er verwies auf „wunderbare Museen“ wie das HNF, auf sehr erfolgreiche Ausstellungen wie die über die Karolinger 1999 und auf das Theater, das sich von der Privatinitiative eines Einzelnen zum in der Stadt fest verankerten kommunalen Haus gemausert habe. „Wir können uns heute mit Großstadtkultur messen“, lautete sein Fazit.

In der Diskussion mit den Zuhörern warb der künstlerische Leiter des Deelenhauses, Ulrich Lettermann, für eine Umverteilung der Zuschüsse: „Die etablierte Kultur mit dem Theater und der NWD greift viel Geld ab, für die alternative bleibt wenig übrig.“ Und Antje Huismann glaubt, dass tolle Künstler für Paderborn wichtiger sind als riesige Hallen: „Ihr müsst nicht groß sein, ihr müsst gut sein.“

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