Fahrgastverband sieht Almetalbahn Paderborn–Büren–Brilon positiv
„Größte Lücke schließen“

Büren/Borchen (WB/han). Für den Fahrgastverband Pro Bahn ist die Reaktivierung der Bahnlinie von Paderborn über Büren nach Brilon ein notwendiger Lückenschluss im westfälischen Schienennetz. Und die Anliegerkommunen Brilon, Büren, Salzkotten, Borchen und Paderborn könnten bereits jetzt aktiv etwas dafür tun, das Vorhaben zu verwirklichen.

Mittwoch, 04.03.2020, 08:30 Uhr
Auf Teilen der Almetalbahn zwischen Brilon und Paderborn sind die Schienen längst abmontiert. Wo sie noch liegen, wächst das Unkraut. Doch eine Reaktivierung der Strecke wird von vielen Seiten gewünscht. Auch Pro Bahn hält sie für dringend geboten.

Der Pro-Bahn-Landesverband Nordrhein-Westfalen und der Regionalverband Ostwestfalen-Lippe verweisen darauf, dass zwischen Ostwestfalen-Lippe und dem Hochsauerland die größte Lücke im Schienennetz in ganz Westfalen bestehe.

„Wer nicht nur von der Belebung des ländlichen Raums schwatzt, sondern es ernst damit meint, muss die Reaktivierung der Bahnlinie unter einem besonderen Gesichtspunkt sehen“, sagt Rainer Engel, Referent für Verbraucherschutz und Deutschland-Takt des Landesverbandes Nord. Das Land Hessen habe mit der Reaktivierung der anschließenden Bahnlinie von Brilon nach Marburg nach Jahren des Stillstandes bereits ein Zeichen für die Wiederherstellung der überregionalen Verbindung gesetzt. In Nordrhein-Westfalen müsse erkannt werden, das die Bahnlinie im besonderen Landesinteresse liege.

„Der Lückenschluss zwischen Ostwestfalen-Lippe und dem Hochsauerland ist strukturell genauso wichtig wie der Rhein-Ruhr-Express, der seit kurzer Zeit jede Stunde nach Paderborn kommt und bald stündlich bis Kassel durchfahren soll“, betont Engel. Um den Rhein-Ruhr-Express habe der Fahrgastverband zwei Jahrzehnte gekämpft – mit Erfolg. Ebenso viel Durchhaltevermögen erfordere auch ein Reaktivierungsprojekt.

Erfolgreich seien Reaktivierungsprojekte nach Einschätzung von Pro Bahn vor allem dann, wenn Kreise und Anliegergemeinden sich aktiv engagieren. „Forderungen genügen allein nicht“, sagt Engel. Schon jetzt könne jede Kommune darüber nachdenken, welche Bahnübergänge geschlossen oder umgestaltet werden können, um Kosten zu senken, welche Flächen an neuen Haltepunkten gesichert werden müssen, um dort Abstellplätze für Fahrräder und Autos zu schaffen, und wie der Busverkehr umgestaltet werden könnte.

Nur so könne man Politiker in Düsseldorf davon überzeugen, dass die besondere Förderung sinnvoll sei. Engel: „Wir haben es mit einem Verteilungskampf zu tun, denn Reaktivierungsprojekte schießen landesweit wie Pilze aus dem Boden.“

Gleisbett gilt rechtlich noch als Eisenbahn

Die Besonderheit der Bahnlinie zwischen Paderborn und Büren bestehe darin, dass zwar die Schienen als Schrott verkauft worden seien, aber rechtlich das Gleisbett nach wie vor als Eisenbahn gelte. „In diesem Ausmaß ist das bundesweit ein einmaliger Fall. Wer genau hinschaut, sieht auch, dass die Schienen an den meisten Bahnübergängen noch liegen. Wie das rechtlich einzuordnen ist, müssen die Juristen klären, aber auch die Politiker, die seit kurzem für mehr Schienenverkehr eintreten. Gut gestaltete Bahnübergänge sind letztlich weitaus weniger gefährlich als jede Ortsdurchfahrt einer Land­straße“, bemerkt Engel.

Eine Region wie der Altkreis Büren ist nach Auffassung von Pro Bahn mehr als je zuvor auf eine Bahnlinie angewiesen. „In den großen Städten, auch in Paderborn, wird der Wohnraum knapp, und um den knappen Straßenraum beginnt ein erbitterter Kampf zwischen Radfahrern, Fußgängern und Autofahrern. Es wird künftig immer schwerer und teurer werden, mit dem eigenen Auto bis in die Stadtzentren zu gelangen. Und um den Standort Büren für Arztpraxen und andere qualifizierte Dienstleistungen attraktiv zu erhalten, wird ein Bahnhof mit einer weiträumigen Anbindung immer wichtiger“, so Engels Einschätzung. Eine moderne Eisenbahn sei schnell, leise mit elektrischem Antrieb, der aus Batterien oder Wasserstoff gespeist wird, und daher „ein Zeichen, dass in der Region die Uhr nicht stehengeblieben ist“, schließt Engel.

An diesem Mittwoch, 4. März, wird Rainer Wester als Vertreter des Fahrgastverbandes Pro Bahn im Rahmen einer Bürgerinformation mit dem Titel „Realisierungschancen für die Almetalbahn“ die Sicht der Fahrgastvertreter erläutern. Beginn ist um 18 Uhr im Bürgersaal Büren an der Burgstraße.

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