Der Paderborner Comedian tritt am 15. März in seiner Heimatstadt auf
Heimspiel für Hoffmann

Paderborn (WB). Am Sonntag, 15. März, kommt Rüdiger Hoffmann, der heute mit Frau und Sohn in Bonn lebt, für einen Auftritt nach Paderborn – ein Heimspiel für den Comedian. Über seinen Blick auf die alte Heimat, sein Programm „Alles MEGA – gut ist nicht gut genug“ und die schnelllebige Branche hat Redakteur Dietmar Kemper mit dem 55-Jährigen gesprochen.

Montag, 02.03.2020, 12:48 Uhr aktualisiert: 02.03.2020, 12:52 Uhr
Rüdiger Hoffmann tritt am 15. März in Paderborn auf. Foto: dpa

Freuen Sie sich schon mega auf den Auftritt in Paderborn?

Ja, total. Es werden viele Freunde kommen und auch meine Mutter. Die ist inzwischen 86. Das wird ein großes Fest werden.

Zur Person

Rüdiger Hoffmann wurde am 30. März 1964 in Paderborn geboren. Seinen ersten Auftritt mit einem Soloprogramm absolvierte er am 15. Dezember 1985, also vor fast 35 Jahren. Vor allem in den 90er Jahren erwarb er sich große Popularität, Formulierungen wie „Ich weiß gar nicht, ob Sie’s wussten“ und sein trockener Humor („Was zeichnet mich besonders aus? Schlagfertigkeit“) wurden zu seinen Markenzeichen. Die CD „Der Hauptgewinner“ gehörte weltweit zu den meistverkauften Sprach-CDs überhaupt. Einmal trat Hoffmann im Vorprogramm der Rolling Stones vor 80.000 Menschen auf. Die Begrüßung „Ja, hallo erstmal“ ziert Fußmatten, die nicht nur vor Hoffmanns Tür liegen. Er ist verheiratet und hat einen Sohn.

...

Wann haben Sie zuletzt in Paderborn gespielt?

Das war, als der SC Paderborn in der 1. Bundesliga 3:1 gegen Hertha BSC gewonnen hat (am 2. November 2014, Anmerkung der Redaktion). Ich habe damals im Stadion ein Trikot mit meinem Namen drauf bekommen. Und mit dem bin ich dann abends in der Paderhalle auf die Bühne gegangen. Das gab ein großes Hallo – das Trikot habe ich natürlich aufbewahrt.

Haben Sie für den SCP noch Hoffnung?

Ich habe noch Hoffnung. Die Art, wie die Mannschaft spielt, ist großartig. Das sagen ja auch alle. Weiterkämpfen, SCP!

Wie hat sich die Stadt Paderborn aus Ihrer Sicht verändert?

So viel hat sich nicht verändert, es fühlt sich hier noch so an wie früher. Die Kirchen dominieren das Stadtbild. Es wird eine neue Stadtverwaltung gebaut, und das macht mein Freund Martin Behet. Paderborn entwickelt sich zum Positiven weiter. Wenn ich hierher zurückkehre und meine Mutter besuche, fühle ich mich sehr heimisch und gehe zum Beispiel gern durch den Haxtergrund.

Kommen wir zu Ihrem Programm „Alles MEGA – gut ist nicht gut genug“. Machen Sie sich darin über den Jugendwahn und das Streben nach Perfektion in unserer Gesellschaft lustig?

Ein bisschen schon, aber in erster Linie ist es ein Titel, den ich lustig finde. Bei mir ist alles mega, sage ich den Zuschauern, und natürlich ist nicht alles mega und dann erzähle ich von den Katastrophen im Alltag.

Was halten Sie denn von Selbstoptimierung. Ratgeber füllen ja ganze Regale in den Buchläden?

Ich bin, ganz westfälisch, der Meinung, dass man mit den Dingen zufrieden sein sollte, so wie sie sind. Man kann es mit der Selbstoptimierung übertreiben und dabei das Wesentliche im Leben aus dem Blick verlieren. Und das sind die zwischenmenschlichen Beziehungen. Nach Perfektion zu streben, ist der beste Weg, um unglücklich zu werden. Ich selbst bemühe mich allerdings, immer noch bessere Nummern zu schreiben. Nachdem ich das letzte Programm allein geschrieben hatte, habe ich diesmal mit dem Chefautor der Comedysendung „SWR 3 Spätschicht“, Andreas Hutzler, zusammengearbeitet. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Um welche Themen geht es in „Alles MEGA“?

Ein Thema ist Nachhaltigkeit, aber es geht auch um Wohnungsnot, die Pubertät und um Diäten – diese Nummer kommt bei den Frauen besonders gut an. Es geht um Sex und Pärchenclubs, aber ich möchte nicht zu viel verraten.

Apropos Nachhaltigkeit. Wie stehen Sie zur „Fridays for Future“-Bewegung?

Ich finde sie gut. Wahnsinn, dass junge Menschen so viel Druck auf die Politik und Gesellschaft ausüben können!

Hätten Sie für den Klimaschutz auch die Schule geschwänzt?

Auf jeden Fall. Ich war damals ohnehin der Schwänzer-König des Reismann-Gymnasiums. „Einmal noch“, hat mir mein Lehrer gedroht. Einmal bin ich dann sitzengeblieben, aber damals habe ich meine besten Freunde kennengelernt.

Um noch mal auf Selbstoptimierung zurückzukommen. Ist Ihr langsames Sprechen im Zeitalter von Twitter überhaupt noch zeitgemäß?

Man kann ja auch gegen den Zeitgeist anarbeiten. Der Westfale spricht eben nicht so viel. Wenn man in Bonn zum Bäcker geht, ist man gleich in ein Gespräch verwickelt. In Paderborn sagt man „Ich möchte drei Brötchen“, und das war’s. Mir gefällt das Wortkarge. Ich sage immer: Wenn Jesus ein Westfale gewesen wäre, hätte das Neue Testament auf eine Din-A4-Seite gepasst.

In ihren Programmen sparen Sie Politik meist aus – warum?

Ich spare Politik nicht bewusst aus, denken Sie an meine Nummer „Die Anonymen Ausländerfeinde“ über Rassismus im Alltag. Ich habe mich auch mehrfach mit Wohnungsnot beschäftigt. Im neuen Programm vermiete ich einen Heizungskeller für viel Geld. Und dieses Mal geht es, wie gesagt, auch um nachhaltiges Leben.

Stichwort Ausländerfeinde. Erschreckt es Sie, wie aktuell ihr Sketch, in dem der Schützenverein die Selbsthilfegruppe „Die anonymen Ausländerfeinde“ gründet und einen schwarz angemalten Skinhead in die Südstadt schickt, nach all den Jahren noch ist? Und muss man sich mit dem Bodensatz von 20 bis 25 Prozent der Gesellschaft abfinden, die rechtsextremem Gedankengut anhängen?

Das erschreckt mich absolut! Und deshalb spiele ich diese Nummer auch weiter. Gerade nach dem, was in Hanau passiert ist, muss man hart gegen Rassismus vorgehen. Abfinden darf man sich damit nicht.

Sie stehen inzwischen seit fast 35 Jahren auf der Bühne. Sie waren damals einer der ersten Stand-up-Comedians, heute gibt es viele davon. Was hat sich noch in ihrer Branche verändert?

Heute geht es mehr um Vermarktung und um Geld. Ich empfehle dem Nachwuchs: Nehmt euch einen guten Anwalt, der sich die Verträge vorher genau anschaut. Außerdem ist alles sehr schnelllebig geworden. Wer eine gute Nummer hat, wird gehypt, ist aber vielleicht auch ganz schnell wieder weg, wenn die zweite Nummer nicht zündet. Als ich anfing, habe ich zehn Jahre lang eine Ochsentour durch Veranstaltungssäle hinter mich gebracht und hatte danach genug Material erarbeitet.

Während ihrer Tour treten Sie auch in Belgien, Luxemburg und Liechtenstein auf. Kennt man dort Ihr „Ja, hallo erstmal“ auch?

Ja. Aber als Paderborner ist man dort trotzdem ein Exot. Die Leute können kaum glauben, dass jemand so wenig sagen und so lange Pausen machen kann.

Wie ist das „Ja, hallo erstmal“ eigentlich entstanden?

Das war ganz am Anfang in einer Kneipe in Paderborn. Ich wollte ja einen nervösen, unsicheren Typen spielen und habe nach der schlechtesten, irritierendsten Art, auf die Bühne zu kommen, gesucht. Es sollte ein Anti-Anfang sein. Dass daraus ein geflügeltes Wort werden würde, hätte ich nie gedacht.

In Paderborn findet im Mai das Comedy- und Kabarettfestival „Ernst mit lustig“ statt, zu dem die Elite der Kleinkünstler anreisen wird. Trotzdem hat Paderborn immer noch den Ruf des Provinziellen weg. Ist das aus den Köpfen der Leute nicht herauszukriegen?

Provinziell ist in meinen Augen nicht schlimm, ich fühle mich in der Provinz immer am wohlsten und habe nie verhehlt, dass ich Paderborn toll finde. Bonn, wo ich heute lebe, ist im Grunde auch provinziell. Paderborn sollte sich gar nicht erst bemühen, eine Weltstadt zu sein.

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