Traum von Wohnung in Top-Lage in Paderborn platzt – Staatsanwaltschaft ermittelt Käufer fühlen sich betrogen

Paderborn  (WB). Eigentlich wollten Frank Zscherlich und seine Lebenspartnerin Karin Tiggesmeier schon bald in ihrer neuen Wohnung an der Fürstenallee leben. Doch statt des Hausschlüssels halten sie nur einen Gerichtstitel gegen den Bauträger in der Hand, der sich mit mehreren Bauprojekten in besten Lagen zum Stadtgespräch machen wollte. „Das ist ihm zwar gelungen, doch geredet wird nichts Gutes“, sagt Zscherlich.

Von Maike Stahl
An dieser Stelle an der Fürstenallee hätten Frank Zscherlich und Karin Tiggesmeier eigentlich längst leben wollen.
An dieser Stelle an der Fürstenallee hätten Frank Zscherlich und Karin Tiggesmeier eigentlich längst leben wollen. Foto: Jörn Hannemann

Karin Tiggesmeier und Frank Zscherlich hatten sich für Eigentumswohnungen in dem Neubauprojekt Fürstenallee 8 entschieden. „Baubeginn sollte im Februar 2019 sein, später haben wir dann erfahren, dass dieser ursprünglich sogar schon auf Anfang 2018 terminiert worden war.“ Wegen dieser Verzögerung sei auch bereits der vorherige Käufer ihrer Wohnungen aus dem Vertrag ausgestiegen.

Zscherlich und seine Partnerin, in deren Verträgen ein Baubeginn bis spätestens April garantiert war, haben, nachdem nichts passierte, einen gerichtlichen Titel gegen den Bauträger erwirkt und sind nun gespannt, ob sie ihr Geld zurückerhalten.

Rückzahlung steht noch aus

„Die erste Rate von 30 Prozent der Kaufsumme war glücklicherweise zwar erst für den Baubeginn terminiert, der bis heute nicht erfolgt ist, aber die Notarkosten und die Anwaltskosten haben sich summiert. Der Bauträger hätte diese bis 15. Oktober zurückzahlen müssen, das steht aber bis heute noch aus“, berichtet Zscherlich. Deshalb wollen sie einen Antrag auf Zwangsvollstreckung stellen.

„Als wir uns für die Wohnungen interessiert haben, ist der Bauträger zusammen mit seiner Partnerin sehr bemüht gewesen, sehr freundlich und sehr eloquent“, erinnern sich die verärgerten ehemaligen Käufer. „Von dem Moment an, als der Vertrag unterschrieben war, haben wir dann allerdings gar nichts mehr gehört.“

Nachdem der Baubeginn im April dann nicht erfolgte, haben sich Zscherlich und Tiggesmeier einen Anwalt genommen – mit dem Ziel, aus dem Vertrag wieder rauszukommen. „Dann wurde es richtig spannend. Denn an der Firmenadresse an der Fürstenallee stand nur ein leeres Haus mit einem Briefkasten, in dem sich die Post bereits stapelte.“ Auch auf E-Mails, Handynachrichten und Anrufe hätten der Bauträger und dessen Lebenspartnerin nicht reagiert, bis sie ihnen mit einer Betrugsanzeige gedroht hätten.

Auch andere Projekte betroffen

„In dieser Zeit haben wir dann auch Käufer von Wohnungen in anderen Bauprojekten dieses Trägers kennengelernt, die ebenfalls noch auf die bereits lange versprochene Fertigstellung ihrer Wohnungen warten. Die Betroffenen dort haben allerdings bereits einen Großteil des Kaufpreises gezahlt“, sagt Zscherlich.

Eines dieser anderen Projekte am Hudeweg habe ihnen der Bauträger im November 2018 gezeigt. „Damals wurde dort an einem Samstag gearbeitet, seitdem aber nicht mehr. Heizung und Böden fehlen noch und der Aufzug funktioniert nicht“, sagt Zscherlich. In einem weiteren Bauprojekt an der Richterstraße ist zwar eine Erdgeschosswohnung bewohnt, das Treppenhaus befindet sich aber beispielsweise noch im Rohbau.

„Was uns am meisten ärgert, ist, dass dieser Bauträger offenbar immer noch die Unterstützung einiger Banken genießt und immer noch werben darf“, ärgert sich Zscherlich. „Abgesehen davon, dass ein Traum zerplatzte, sind wir mit einem blauen Auge aus diesem Immobilienvertrag herausgekommen. Dennoch bin ich erschüttert, dass die deutsche Rechtslage Firmenkonstrukte möglich macht, die Immobilienkäufern keinerlei Sicherheit bieten“, beschreibt Karin Tiggesmeier ihre Gefühlslage.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Eine Betrugsanzeige haben sie selbst nicht angestrengt, eine Anfrage dieser Zeitung bei der Staatsanwaltschaft hat allerdings ergeben, dass dort vier Verfahren gegen den Bauträger anhängig sind wegen des Verdachts des Betrugs und der Insolvenzverschleppung. Die Ermittlungen dauern nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Marco Wibbe allerdings noch an.

Betroffen ist davon in einem Fall auch der Geschäftsführer eines der Unternehmen des Firmengeflechts, das der Bauträger aufgebaut hat. Mehrere Bauprojekte sind in eigene Gesellschaften ausgegliedert, es gibt Firmen für die Projektentwicklung, die Bauträger-Gesellschaft sowie Bau- und Design. Insolvenzverfahren sind gegen die Unternehmen bisher nach Auskunft des Amtsgerichts nicht anhängig.

Der Bauträger selbst war nicht zu erreichen. Die Kanzlei, die ihn unter anderem in der Angelegenheit Fürstenallee 8 vertritt, gab keine Auskunft zu den Vorwürfen.

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