Neujahrsempfang der Schura Paderborn gerät zum Bekenntnis zur bunten Stadt
Harmonisches Miteinander

Paderborn (WB). „Menschenskinder! Paderborn, das ist ja eine Idylle.“ Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, war am Donnerstagabend vom Neujahrsempfang der Schura beeindruckt.

Samstag, 08.02.2020, 10:03 Uhr aktualisiert: 08.02.2020, 10:10 Uhr
Emin Özel (links) und Ahmed Alhajraui (rechts) schenkten Aiman Mazyek das Logo der Schura Paderborn. Foto: Dietmar Kemper

Die Einheit unter den Muslimen und das gute Miteinander der Religionsgemeinschaften führte Mazyek darauf zurück, dass „in der Region Paderborn Religion wertgeschätzt und als Ressource des Friedens angesehen wird“.

Moschee noch rechtzeitig fertig geworden

Etwa 8000 Muslime leben in Paderborn, in der Schura sind sieben Vereine zusammengeschlossen. Der Neujahrsempfang in der gerade erst fertiggestellten Moschee der Afghanisch-Islamischen Gemeinde an der Friedrich-List-Straße stieß auf große Resonanz. 140 Vertreter von Politik, Kirchen, Kultur, Polizei, Feuerwehr, Schulen und Hochschulen sowie Wohlfahrtsverbänden dokumentierten ihre Verbundenheit mit der Bevölkerungsgruppe, schauten sich im Gebetsraum um und aßen gemeinsam an runden Tischen.

Der Sprecher der Schura, Emin Özel, wünschte ihnen 5 G, was aber nichts mit dem neuen Mobilfunkstandard zu tun hatte. Özel meinte stattdessen „Gesundheit, Glück, Gottes Segen, Gegenseitigkeit und Geistesgegenwart“. Die beiden letzten Tugenden solle jeder bei seinen Äußerungen beherzigen, riet Özel, ohne konkret zu werden.

Aber viele im Raum dürften dabei an die heftige Auseinandersetzung um den Vorsitzenden des Integrationsrates, Recep Alpan, im vergangenen Jahr gedacht haben. Als Fußballfunktionär hatte Alpan das Verhalten von türkischen Nationalspielern gutgeheißen, die nach dem Einmarsch von Truppen in Syrien für ihre Soldaten auf dem Feld salutierten.

Der Vorsitzende der Schura Paderborn, Ahmed Alhajraui, betonte die Notwendigkeit, miteinander statt übereinander zu sprechen: „Nur durch Begegnung und Dialog können Vorurteile abgebaut und Vertrauen aufgebaut werden.“ Seit einem Jahr führe man einen christlich-islamischen und einen jüdisch-islamischen Dialog, zudem sei 2019 das Forum der Paderborner Muslime gegründet worden, um die Muslime besser zu vernetzen.

Aufruf zum Spenden und Teilen

Sorge bereitet Alhajraui „der Aufstieg der Rechtsnationalen“. Die freiheitlich-demokratische Grundordnung gelte es zu verteidigen, Muslime sollten sich mehr in die Politik einbringen, aber, so der Schura-Vorsitzende: „Die Gemeinschaft muss mehr um die Muslime werben und sie gleich behandeln.“ Um die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich zu verringern, sollten die Religionsgemeinschaften ihre Mitglieder verstärkt zum Teilen und Spenden aufrufen.

In der „bunten Stadt“ Paderborn würden Internationalität und das Wir-Gefühl großgeschrieben, sagte Bürgermeister Michael Dreier. Der interreligiöse Dialog in der Stadt mit 18.800 Menschen aus 140 Nationen sei eine große Chance und fördere die Hochachtung und den Respekt untereinander. Für den 29. April lud Dreier zum Fastenbrechen ins Rathaus ein.

Landrat Manfred Müller bezeichnete Religionen als den „Sauerteig der Gesellschaft“. Religiöse Menschen seien „Friedensstifter“. Das im Entstehen begriffene Institut für Islamische Theologie an der Uni Paderborn nannte er ein „Gütesiegel für die Region“.

Mazyek: Die Gesellschaft sollte kein Einheitsbrei sein

Aiman Mazyek, seit 2010 Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, betonte, Deutschland sei schon immer ein Einwanderungsland gewesen: „140 Nationen – das ist die Realität und nicht nur typisch für Paderborn.“ Parteien wie die AfD wollten dagegen einen „Einheitsbrei“ schaffen. Zu den höchsten Zielen des Korans zählten das Miteinander der Menschen und der Religionen sowie das Wetteifern in guten Dingen, erläuterte Mazyek. Dass die christlichen Kirchen den Muslimen zum Ramadan gratulieren und umgekehrt der Zen­tralrat der Muslime eine Weihnachtsbotschaft verbreitet, wertet er als ermutigendes Zeichen.

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