Müll vermeiden: Schüler zetteln in Paderborn Debatte zur Zero-Waste-Stadt an Kampf dem Kaffeebecher

Paderborn (WB). Paderborn soll Zero-Waste-Stadt werden – eine Stadt, die dem Plastikmüll den Kampf ansagt. Das Ziel verfolgt die Umwelt-AG des Gymnasiums Schloß Neuhaus und rennt dabei bei Stadt und Politik offene Türen ein. Doch die Lösung des Problems ist nicht ganz einfach, wie zum Beispiel die geringe Nachfrage beim Pfandsystem für Kaffeebecher zeigt: In Paderborn entscheiden sich derzeit immer noch 90 Prozent der Coffee-to-go-Fans für den Einwegbecher, der umgehend im Müll landet. Die umweltfreundliche Variante hat sich nicht durchsetzen können.

Von Ingo Schmitz
Ganz großer Müll: Trotz leerer Abfallbehälter landen in Paderborns City die Einweg-Kaffeebecher oftmals auch daneben.
Ganz großer Müll: Trotz leerer Abfallbehälter landen in Paderborns City die Einweg-Kaffeebecher oftmals auch daneben. Foto: Oliver Schwabe

„Vor zwei Jahren haben wir in Paderborn das Cupforcup-System eingeführt. 28 Betriebe wie Bäckereien und Cafés haben sich angeschlossen. Aber die geringe Resonanz der Kunden ist frustrierend“, stellt Mechthild Hoppmeier, verantwortlich für die Abfallberatung beim Abfallentsorgungsbetrieb Paderborn (ASP), fest.

Wie mehrfach berichtet, kostet der Pfandbecher einen Euro und kann bei allen beteiligten Betrieben in der Stadt leer wieder abgegeben werden. Trotz Info-Kampagnen sei der Pfandbecher weiterhin unbeliebt, sagt Hoppmeier. Der Grund? „In der Beratung finden viele Kunden den Pfandbecher toll. Wenn sie dann aber zum Bäcker gehen, holen sie sich dann doch den Wegwerfbecher. Weil es bequemer ist“, meint sie.

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Ganz ohne Müll wird es nicht gehen.

Dietmar Regener

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Diese Beobachtung macht auch Harald Laufs, Geschäftsführer der Bäckerei Lange. Das Cupforcup-System habe den Vorteil, dass es flexibel in der Handhabung sei und über mehrere Unternehmen funktioniere. Die Teilnahmequote von 28 Betrieben sei sehr gut und spreche für den Nachhaltigkeitsgedanken der Paderborner Anbieter. „Das Engagement hier ist groß“, lobt Laufs. Trotzdem komme das bei den Kunden nicht an. Der Kaffeekonsum steige stetig, aber die Kunden ließen sich selbst durch Rabatte nicht vom Pfandbecher locken. Letztlich könnten die Betriebe den Kaffeetrinkern nur ein Angebot zur Nutzung des Mehrwegsystems machen.

Harald Laufs ist sicher: „So lange es keine gesetzliche Regelung gibt und Einwegbecher verboten oder einheitlich stark verteuert werden, wird es keinen Erfolg in der Sache geben.“ Wenn andere Anbieter weiter auf Wegwerfbecher setzten, würden die Kunden diese Variante vorziehen, meint er vor allem auch mit Blick auf die Fastfood-Ketten und Systemgastronomiebetriebe in der Stadt.

20 Cent Pfand auf Coffee-to-go-Becher?

Unterstützung bekam Harald Laufs am Mittwoch von Umweltverbänden wie BUND, Deutsche Umwelthilfe und Greenpeace: Sie forderten in Berlin eine strikte Regulierung und Verbote, um den Verbrauch und die Herstellung von umweltschädlichen Einwegartikeln zu reduzieren. Sie schlagen eine Abgabe von mindestens 20 Cent pro Einwegplastikflasche oder Coffee-to-go-Becher vor. Dazu Harald Laufs: „Eine gesetzliche Regelung fände ich wunderbar.“

Dr. Dietmar Regener vom ASP erklärte gegenüber den Mitgliedern des Paderborner Rates unlängst, dass die Forderung der Gymnasiasten nach einer Zero-Waste-Stadt zwar anzustreben, aber kaum umsetzbar sei. „Ganz ohne Müll wird es nicht gehen“, sagte er. Außerdem gebe es zum Begriff „Zero-Waste-Stadt“ keine Definition oder einen Maßstab, was sich dahinter verberge. Der Begriff sei nicht geschützt – jede Stadt könne sich so nennen.

In dem Zusammenhang verwies er darauf, dass bereits einiges zur Müllvermeidung unternommen werde. Dazu gehöre beim ASP die Annahme noch gebrauchsfähiger Gegenstände, die dann an das DRK-Sozialkaufhaus Lieblingsstücke abgegeben werden. „Das läuft seit einem Jahr sehr erfolgreich“, stellte Regener fest.

Kommentar von Ingo Schmitz

Der Einsatz der Umwelt-AG des Gymnasiums Schloß Neuhaus ist vorbildlich: Die Schüler haben die Zero-Waste-Debatte in Politik und Verwaltung getragen. Positiv ist auch, dass diese sich mit den Ideen der Schüler ausein­ander setzen. Pro­blematisch wird es jedoch dann, wenn die Ideen in den Alltag überführt werden sollen. Das zeigen die Erfahrungen, die man bislang bei der Einführung des Pfandsystems für Kaffeebecher gemacht hat. Die Initiative ist goldrichtig. Aber solange es durch den Wettbewerb immer noch eine Alternative zum Pfandbecher gibt, wird der Erfolg wohl ausbleiben. Es ist längst überfällig, dass der Gesetzgeber hier handelt.

Kommentare

Kampf dem Kaffeebecher

Kampf dem Kaffeebecher.

Text und Inhalt finde ich gut. Spricht man in diesem Land kein vernünftiges Deutsch mehr oder müssen wir uns schämen? Oder vielleicht kommen wir und internationaler vor, ( Paderborn soll Zero-Waste-Stadt (...) wenn wir uns (vielmehr der Text-Verfasser des o. g. Artikels) einer Deutsch-Englisch-Wortzusammentellung im Wortschatz handeln? Es wird immer lächerlicher!

Dann wundere ich mich nicht, dass die Schüler und Schülerinnen immer dümmer werden, wenn die Rechtschreibung immer mehr verfällt und ausgerechnet von einer Zeitung auch noch Englisch-Deutsche Wörter verbreitet werden.

Deutlich anbieten !

Ich trinke beim Spazierengehen auch gerne einen „coffeetogo“, aber in keiner der Bäckereien in Paderborn wurde mir der Pfandbecher jemals angeboten. Wenn man direkt danach gefragt wird, welchen welchen Becher man möchte, dann hat man eine Wahl. Wenn aber automatisch der „Wegwerft Becher“ gewählt wird jedes Mal, hat man keine Wahl. Man müsste deutlich gefragt werden, um dann eine Entscheidung zu treffen. Sonst gelingt es gar nicht in das Bewusstsein, dass es auch die andere Variante gibt. Der eigene mitgebrachte Becher wurde immer aus Hygienegründen abgelehnt.

Diskussion vorbei am eigentlichen Problem

Wie bei vielen Debatte aktuell ist das Problem nicht der Coffee-to-go Becher. Ebenso waren es nicht die Strohhalme und auch nicht Plastik im allgemeinen.
Das Problem sind die Menschen und wie sie mit den genannten Produkten umgehen. Man schaue nur in jeder Autobahnabfahrt mal aus dem Fenster, was dort so alles rumliegt. Genauso traurig sieht es teilweise in der Stadt aus.
Anstatt alle möglichen Produkte zu verbieten, sollte man eher dieses Fehlverhalten sanktionieren. Es kann doch nicht sein, dass die Menschen zu faul sind ihren eignen Müll angemessen zu entsorgen. Zu Hause wird der Müll auch nicht einfach auf den Boden geworfen aber sobald viele nicht mehr in der eigenen Wohnung sind, benehmen sie sich wie die Axt im Wald.

Kaffee trinken gemütlich

Die Debatte über den Coffee- to- go Becher ist überflüssig. Warum kann man diese nicht einfach verbieten,
ging doch mit den Strohhalmen auch so. Wir müssen doch nicht jeden Mist aus anderen Längern übernehmen. Aber es ist ja immer so, erst finden es alle toll und dann sieht man was das Resultat ist und um das wieder
Rückgängig zu machen wird schwierig.
Wieso können sich die Menschen nicht gemütlich irgendwo hinsetzen und ihren Kaffee in Ruhe
trinken anstatt wie irre damit durch die Gegend zu hetzen.
Ich habe mir noch nie einen Coffee-to-go gekauft, weil ich das irrsinnig finde.

4 Kommentare

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