Polarforscher Arved Fuchs spricht beim VHS-Neujahrsempfang über den Klimawandel „Wir haben nur diesen einen Planeten“

Paderborn (WB). Arved Fuchs hat schon viel gesehen von der Welt. Die Folgen des Klimawandels beobachtet er seit Jahren. Am Montag sprach der Polarforscher, Abenteurer und Buchautor beim Neujahrsempfang der Volkshochschule (VHS) Paderborn über den Klimawandel und dessen Folgen. Gut 200 Menschen waren in den historischen Saal des Rathauses gekommen, um dem 66-Jährigen zuzuhören. Es sollte ein spannender Abend werden.

Von Matthias Band
Petra Hensel-Stolz, Leiterin der Paderborner Volkshochschule, begrüßt Arved Fuchs im Historischen Saal des Paderborner Rathauses zum VHS-Neujahrsempfang.
Petra Hensel-Stolz, Leiterin der Paderborner Volkshochschule, begrüßt Arved Fuchs im Historischen Saal des Paderborner Rathauses zum VHS-Neujahrsempfang. Foto: Matthias Band

1972, so führte Fuchs aus, stand das Thema Umweltschutz erstmals bei der Weltumweltkonferenz der Vereinten Nationen international im Fokus. „Damals gab es zwar nur knapp vier Milliarden Menschen. Trotzdem machte man sich Gedanken über Klimawandel und Artenschutz“, sagte Fuchs.

Die Zeit der drei Ds

Aber konkret sei danach lange nichts passiert. „Auch 1992 bei der ersten Konferenz in Rio ist viel über Biodiversität diskutiert worden. Aber es passierte wieder nichts.“ Genauso beim Gipfel 20 Jahre später in Rio. Fuchs: „Es war die Zeit der drei Ds, wie Klaus Töpfer mal sagte. Delay, deny, do nothing (Verzögern, verweigern, nichts tun).“

Verbindliche Ziele zum Klimaschutz seien erst 2015 bei der Pariser Klimakonferenz festgelegt worden. „Wenn wir zehn, zwanzig Jahre eher angefangen hätten, dann hätten wir heute diese Pro­bleme nicht“, sagte der Polarforscher, der unterstrich, dass man durchaus etwas tun könne. Er verwies auf das durch FCKW verursachte Ozonloch. „Heute sehen wir, dass die Maßnahme des Verbots Wirkung zeigt.“

Noch vor wenigen Jahren sei es kein Problem gewesen, zu Fuß Expeditionen in der Arktis zu unternehmen. „Das ist heute nicht mehr möglich. Damals betrug die Eisstärke 1,80 bis 2 Meter, heute ist das Eis 60 bis 80 Zentimeter dick.“ Etwa die vierfache Fläche Deutschlands falle jährlich weg. Das Problem: Fuchs zufolge reflektiert das Eis 97 Prozent der UV-Strahlung aus dem All. Gibt es mehr dunkle Flächen, wird mehr UV-Licht absorbiert, die Ozeane werden wärmer.

Nicht nur der Eisbär ist betroffen

An die Menschen gerichtet, die den Klimawandel bezweifeln, sagte Fuchs: „Natürlich hat sich das Klima immer verändert. Aber es hat sich noch nie so dramatisch in so kurzer Zeit verändert. Das ist sonst nur bei Katastrophen wie Vulkanausbrüchen oder Meteoriteneinschlägen passiert.“ In der Arktis sei nicht nur der Eisbär, der zum Symbol für den Klimawandel geworden sei, sondern auch die indigene Bevölkerung betroffen.

Ein weiteres Problem: Der Permafrost taut. „Dort lagert Methan, ein starkes Treibhausgas. Es gibt nichts, was man dagegen machen kann. Und es beschleunigt den Erwärmungsprozess. Irgendwann ist die Arktis vermutlich eisfrei.“ Sollte das Eis auf Grönland komplett schmelzen, dann würde der Meeresspiegel um sieben Meter steigen – mit verheerenden Folgen für die Küstenregionen auch in Deutschland. Dieser Prozess sei bereits in Gang gesetzt.

Deutschland sei ein reiches Land und könne in den Küstenschutz investieren. „Aber was machen die Menschen in Bangladesch? Das ist ein sehr flaches Land mit einer langen Küste. Diese Menschen werden anfangen, zu wandern.“ Deswegen sei das Zwei-Grad-Ziel, das die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius bis zum Jahr 2100 gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung begrenzen will, so wichtig. Sollte die Antarktis abschmelzen, steige der Meeresspiegel sogar um 60 Meter.

Streit um Wasser und Ressourcen

„Das sind echte wissenschaftliche Fakten“, sagte Fuchs. Er könne nicht verstehen, dass manche Menschen das nicht glauben wollten. Kein Verständnis habe er zudem dafür, dass jedes Jahr weltweit 135.000 Quadratmeter Wald abgeholzt oder abgebrannt würden. Der Planet müsse immer mehr Menschen ernähren. „Das kann nicht gut gehen.“ Es werde Streit um Wasser und Ressourcen geben. „Und was sollen die Menschen in Afrika machen. Sie wandern. Deswegen liegt es auch in unserem Interesse, etwas zu tun.“

Fuchs habe auf seinen Expeditionen erlebt, wie das Wetter immer extremer geworden sei. Nicht die Häufigkeit der Hurrikans nehme zu, aber die Intensität. „Wenn man das einmal erlebt hat, dann werden Sie nachdenklich.“ Deswegen fände er das Engagement der Fridays-for-Future-Aktivisten toll. „Diese jungen Menschen sind unkonventionell, sie sind mutig, engagiert und intelligent.“ Es gehe auch um das Thema Generationengerechtigkeit, „denn unsere Generation hat es vermasselt“.

Fuchs trug nicht nur erlebnis- und faktenreich vor, er sprach auch das Herz und das Gewissen der Menschen im Saal an – und er zeigte Lösungen auf, oder wie er es sagte: „Das Gute ist, dass wir das Problem lösen können. Wir müssen es nur wollen. Denn wir haben nur diesen einen Planeten.“

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