Die Bullemänner kommen am Samstag in die Paderborner Uni
Westfälisch gelassen statt total hysterisch

Paderborn (WB). Kabarett als Antidepressivum. Mit ihrem Programm „Muffensausen“ wollen die Bullemänner der Hysterie in der deutschen Gesellschaft entgegentreten. Wie Augustin Upmann, Heinz Weißenberg und Svetlana Svoroba das machen, zeigen sie am Samstag, 8. Februar, um 20 Uhr in Hörsaal L der Universität Paderborn.

Mittwoch, 05.02.2020, 05:30 Uhr
Augustin Upmann, Svetlana Svoroba und Heinz Weißenberg (von links) treten im Hörsaal L auf. Muffensausen werden sie nach so vielen Auftritten bestimmt nicht mehr haben. Foto: Inka Vogel

„Da kommt jede Woche was Neues“, sagt Augustin Upmann und meint die kleinen und großen Katastrophen, die erst in den Medien auftauchen und „sich ganz schnell in der kleinsten Dorfpfütze widerspiegeln“. Zur Zeit ist das das Coronavirus, und Dauerbrenner sind der erhitzte Streit über den Klimawandel und „der große Wischmopp aus Washington und der kleine in London“, wie der Kabarettist Donald Trump und Boris Johnson nennt. Die Bullemänner raten dazu, „der Grundaufgeregtheit“ mit Humor und „westfälischer Gelassenheit“ zu begegnen, und für Probleme wie den Ärztemangel auf dem Lande schlagen sie unorthodoxe Lösungen vor: „Als Qualifikation reicht eine abgeschlossene Metzgerlehre aus.“

 

Karten zu gewinnen

Das WV verlost drei mal zwei Karten für den Auftritt der Bullemänner. Wer sie haben möchte, ruft an diesem Mittwoch die Hotline 01379/ 883009 (0,50 €/ Anruf dt. Festnetz, ggf. andere Mobilfunkpreise) an. Die Gewinner werden benachrichtigt und auf die Gästeliste gesetzt. Karten gibt es noch an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

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Upmann und Weißenberg, beide in der münsterländischen Kleinstadt Selm aufgewachsen, sind seit 25 Jahren als Bullemänner mit ihrem westfälischen Ethnokabarett in Dorf- und Stadthallen sowie Festzelten unterwegs. „Wir waren die Ersten, die rechts des Rheins mit der Sprache und Region, der Provinz zwischen Weser und Rhein, gearbeitet haben“, erinnert sich Upmann. Aber in ihrem Programm tauchen nicht nur die Bauern und die Feuerwehr auf, sondern eben auch Trump. Die Bullemänner greifen die großen Themen auf und brechen sie aufs platte Land runter.

Als die beiden, die schon als Abiturienten kritisches Jugendtheater gemacht hatten, ihre Leidenschaft zum Beruf weiterentwickelten, hatten RTL und Komikerinnen wie Anke Engelke Anfang der 1990er Jahre die Comedywelle ausgelöst, die bis heute nicht abgeebbt ist. Ausdruck dessen ist die Fülle an TV-Formaten. Dass die Bullemänner auf dem Bildschirm nicht so oft zu sehen sind wie andere, hält Upmann für einen Segen: „Eine TV-Karriere hätte mich nicht zum Positiven verändert, das Medium Fernsehen will uns als Marke fünf Minuten lang vermarkten, aber das würde nicht die Vielfalt in unserem Programm widerspiegeln.“ Zu dem gehören auch persönliche Geschichten über die Liebe und Gesang.

Die wahnsinnige Hetze im Internet zum Beispiel gegen Leute, die nur eine andere Hautfarbe haben, bedrückt mich.

Augustin Upmann

Upmann und Weißenberg kennen sich seit 60 Jahren. „Wir waren schon zusammen in der Grundschule, die damals noch Volksschule hieß“, erzählt Upmann. Natürlich gebe es manchmal Streit, „aber bislang können wir die Konflikte immer produktiv lösen“. Welche Nummern ins Programm kommen, entscheide nicht zuletzt Regisseur Günter Rückert. Die aufgeheizte Stimmung in der Gesellschaft betrachtet Upmann mit Sorge. „Die wahnsinnige Hetze im Internet zum Beispiel gegen Leute, die nur eine andere Hautfarbe haben, bedrückt mich“, bekennt er. Bei Eiern rege sich kein Mensch darüber auf, dass die einen eine braune und die anderen eine weiße Schale haben. Auch mit politischer Heimattümelei wie dem Heimatministerium in NRW kann er nichts anfangen. Heimat sind für ihn die Familie und Erinnerungen wie die an „den Aschenplatz, auf dem man als Kind immer gespielt hat“, und der Ort, „wo meine Rechnungen ankommen“.

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