Sparda-Filiale: Paderborner Ehepaar verärgert über Schließung und Informationspolitik „Das Verhalten der Bank ist unmöglich“

Paderborn (WB). Barbara Claaßen (76) und ihr an Parkinson erkrankter Mann Hartwig (78) sind wütend auf ihre Bank, bei der sie schon seit mehr als 50 Jahren Kunden sind. Am 26. Juni soll die Sparda-Bank-Filiale an der Bahnhofstraße in Paderborn geschlossen werden. Informiert wurden die Kunden darüber erst kürzlich per Brief. Die aus ihrer Sicht unzureichenden Informationen haben die 76-Jährige verärgert. „Das Verhalten der Bank ist unmöglich, gerade uns Älteren gegenüber“, sagt Barbara Claaßen.

Von Kevin Müller und Matthias Band
Hartwig und Barbara Claaßen zeigen die Urkunde, mit der sie für 50 Jahre treue Kundschaft bei der Sparda-Bank ausgezeichnet wurden, sowie das Schreiben, das über die Schließung der Niederlassung in Paderborn am 26. Juni informiert.
Hartwig und Barbara Claaßen zeigen die Urkunde, mit der sie für 50 Jahre treue Kundschaft bei der Sparda-Bank ausgezeichnet wurden, sowie das Schreiben, das über die Schließung der Niederlassung in Paderborn am 26. Juni informiert. Foto: Kevin Müller

Seit mehr als 50 Jahren sind sie Kunden der Bank und wurden dafür sogar mit einer Urkunde ausgezeichnet. „Nun wird uns per Brief mitgeteilt, dass wir bald keine Anlaufstelle mehr in Paderborn haben werden und wir uns im Internet näher informieren können“, sagt sie. Aber wie solle das gehen. Für ältere Menschen sei es ein großes Problem, dass ein Großteil der Informationen nur noch über das Internet verfügbar sei. Die Claaßens haben zwar einen Internetanschluss, aber fühlen sich überfordert, ihre Bankgeschäfte online zu erledigen. Oft falle ihnen der Umgang mit dem Internet schwer, und auch ein Wechsel zu einer anderen Bank sei nach so langer Zeit schwierig.

Die Filiale der Sparda-Bank an der Bahnhofsstraße 5 in Paderborn soll am 26. Juni geschlossen werden. Foto: Jörn Hannemann

Die Claaßens sind bei der Sparda-Bank schon seit der Gründung der Filiale an der Bahnhofstraße Kunden. Seitdem habe sich ein fast schon familiäres Verhältnis mit den Mitarbeitern entwickelt. „Es tut mir unheimlich leid für die Angestellten, die von der Schließung auch so kurzfristig erfahren haben. Wir haben die Bank immer unterstützt und waren nicht die einzigen Stammkunden. Viele verlieren ihre Anlaufstelle und müssen sich nun wohl eine andere Bank suchen.“

Die meisten der fünf Angestellten wüssten noch nicht, wie es mit ihnen weitergehe, habe die 76-Jährige im Gespräch mit den Mitarbeitern erfahren. Für die gebürtige Ems­länderin ist es unverständlich, dass die Bank in einer Stadt wie Paderborn die Filiale schließt, die in Soest aber erhalten bleibe. Die 76-Jährige wäre auch mit einem Kompromiss zufrieden: „Wenn wenigstens die Filiale an der Hermann-Kirchhoff-Straße bleiben würde, dann könnten viele auf einen Wechsel verzichten. Zudem sollte ein Ansprechpartner vor Ort sein, im Notfall auch nur einmal im Monat.“

Bank zeigt Verständnis, kann aber nichts ändern

In einer Stellungnahme äußert die Sparda-Bank zwar Verständnis für die Probleme der Claaßens, betont aber, dass es keine andere Möglichkeit gebe: „Die Entscheidung zur Neuausrichtung unserer Filialstruktur ist uns nicht leicht gefallen. Die Digitalisierung der Gesellschaft hat das Kundenverhalten bei Bankdienstleistungen stark verändert. Immer mehr Bankkunden nutzen das Online-Banking und andere digitale Services. An diese tiefgreifenden Veränderungen müssen wir unser Filialnetz anpassen, denn es ist unser Ziel, die Bank modern, leistungsstark und sicher in die Zukunft zu führen.“ Zudem verweist die Bank auf die nächstgelegene Filiale in Soest, Am Seel 1a. Bargeld erhielten die Kunden darüber hinaus kostenlos an allen sogenannten Cashpool-Geldautomaten (Targo-Bank, Santander-Bank) sowie bei Rewe, DM und anderen Handelsketten.

Wie berichtet, sollen bundesweit 43 der noch bestehenden 82 Filialen bis Ende 2022 geschlossen werden, darunter auch die Filiale in Warburg am Paderborner Tor 98. Von den Sparplänen sollen nach Informationen dieser Zeitung mehr als 250 der gut 1000 Mitarbeiter betroffen sein; 187 durch die Filialschließungen und weitere 70 in den Verwaltungszentralen der Genossenschaftsbank in Düsseldorf und Münster. Betriebsbedingte Kündigungen sollen laut Bank möglichst vermieden werden. Sollte ein Stellenabbau unvermeidlich sein, dann werde er sozialverträglich gestaltet, teilte die Sparda-Bank mit.

Zukunft von zwei weiteren Filialen offen

Die Zukunft der beiden SB-Filialen an der Hermann-Kirchhoff-Straße 4 und an der Bahnhofstraße 27 in Paderborn ist noch unklar. Darüber soll aber bald entschieden werden. Dort gibt es kein Personal, sondern nur noch Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker.

Nach eigenen Angaben hat die Genossenschaftsbank mehr als 612.000 Mitglieder sowie mehr als 717.000 Kunden. Die Bilanzsumme lag zuletzt bei 12,2 Milliarden Euro. Das Geschäftsgebiet der Sparda-Bank West umfasst große Teile Nordrhein-Westfalens und die Region zwischen Münsterland und Ostfriesischen Inseln.

Die Sparda-Filialen in Minden, Bielefeld und Detmold gehören zur Sparda-Bank Hannover .

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