Kooperationsvertrag in Paderborn unterschrieben – Rubens-Ausstellung als Testfall
Museumsbesuch wird zur Pflicht

Paderborn (WB). Junge Leute sind in Museen seltene Gäste. Das gilt auch für das Diözesanmuseum in Paderborn. Um das zu ändern, haben das Haus und die Schulen der Brede in Brakel am Donnerstag einen Kooperationsvertrag geschlossen. Künftig sollen alle Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen mindestens einmal das Museum besuchen.

Donnerstag, 09.01.2020, 17:36 Uhr aktualisiert: 09.01.2020, 17:50 Uhr
Christoph Stiegemann, Joachim Göbel und Matthias Koch (von links) unterschreiben den Kooperationsvertrag. Er zielt auf die Schüler der 9. Klassen ab. Foto: Dietmar Kemper

„Wenn der Erstkontakt nicht entsteht, wird er auch nicht vermisst“, sagte der Leiter des Diözesanmuseums, Christoph Stiegemann. Weil viele Elterhäuser darauf keinen Wert mehr legten, müssten junge Leute unter anderem durch Kooperationen in Museen gelockt werden und in Kontakt mit den Exponaten kommen. Digitale Spielereien und eine starke Präsenz in den Sozialen Medien reichten nicht aus, um zusätzlich zum klassischen, älteren Bildungsbürgertum den Nachwuchs zu begeistern.

Museum als Orientierungshilfe

Ins Museum zu gehen, lohne sich, betonte Dompropst Joachim Göbel. Die im Diözesanmuseum ausgestellten Zeugnisse des Glaubens und des Alltags könnten den Schülern dabei helfen, sich im eigenen Leben zu orientieren: „Sie sehen, dass da Menschen so geträumt, gehofft und gedacht haben wie sie.“ Weil ein Museum einem Tresor ähnele, bestehe die Gefahr, dass die Menschen achtlos an ihm vorbeigehen.

Vor vier Jahren war das Diözesanmuseum schon einmal eine Kooperation mit einer katholischen Schule im Erzbistum eingegangen. Aus der Zusammenarbeit mit den Schulen Sankt Michael in Paderborn ging zuletzt zum Beispiel die Comic-Ausstellung „Nachts im Museum“ hervor. Die jungen Leute stellten ihre Bilder im Museum aus.

Schule mit langer Tradition

Die Schulen der Brede in Brakel haben eine 500-jährige Tradition und umfassen ein Gymnasium, eine Realschule und ein Berufskolleg. Die Institution mit 1280 Jungen und Mädchen gehört zu den 44 katholischen Schulen im Erzbistum, die von Ordensgemeinschaften, karitativen Verbänden, einer Stiftung oder vom Erzbistum selbst getragen werden. Schulleiter Matthias Koch verspricht sich von der Kooperation einiges. Durch G8 habe sich die Schule auf Fächer wie Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen konzentriert, aber auch Persönlichkeitsbildung sei wichtig. Dazu könnten Fächer wie Kunst, Philosophie und Religion beitragen. „Die Schülerinnen und Schüler können sich hier mit Traditionen und Werten auseinandersetzen“, sagte Koch. Er schlug vor, die Exkursion nach Paderborn mit einer Domführung zu verbinden.

Zeitgenössische Kunst als Anknüpfungspunkt

Zum Experimentierfeld für die Kooperation wird in diesem Jahr die große kunstgeschichtliche Ausstellung „Peter Paul Rubens und der Barock im Norden“, die vom 29. Mai an zu sehen sein und bis zum 25. Oktober Gäste aus dem In- und Ausland ins Diözesanmuseum locken wird. Sie ermöglicht Anknüpfungspunkte zur Gegenwart. Gezeigt wird auch zeitgenössische Kunst von Vertretern wie Gerhard Richter, Tony Cragg und Hans Op de Beeck. Sie haben sich auf ihre Art und Weise mit dem Barock beschäftigt. Auch das Thema Vergänglichkeit kann in der Schule und in der Ausstellung vertieft werden.

Die Lehrerin und Koordinatorin für Kultur, Maria Frese, möchte die Kooperation auch dafür nutzen, Werke von Schülern im Museum auszustellen. Museumspädagogin Britta Schwemke ist die Ansprechpartnerin in Paderborn für die Lehrerinnen und Lehrer. Bei den Projekttagen könnten die Schüler künstlerische Techniken ausprobieren, schlug Schwemke vor. Sie freut sich, dass die Gäste nicht nur ein paar Stunden, sondern Tage bei ihr verbringen werden. Das ist in der Tat wahrer Luxus: So mancher Jugendliche verbringt nicht mal mehr ein paar Minuten im Museum...

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