Gesundheitsplattform erhält in Paderborn Förderbescheid über 4,8 Millionen Euro
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Paderborn (WB/han). Der Patient wird aus dem Krankenhaus entlassen. Und der Arztbrief, mit dem der behandelnde Klinik-Mediziner den Hausarzt informiert, macht sich gemächlich per Post auf die Reise. Ebenso wie Röntgenbilder oder MRT-Befunde. So läuft es seit Jahrzehnten, und so läuft es auch bisher. Doch im digitalen Zeitalter soll sich das nun ändern, damit alle Beteiligten wichtige Informationen bald viel schneller zur Verfügung haben.

Mittwoch, 08.01.2020, 17:44 Uhr aktualisiert: 08.01.2020, 17:48 Uhr
Einen Förderbescheid über 4,8 Millionen Euro für das Gesundheitsnetzwerk hat stellvertretende Regierungspräsidentin Anke Recklies an Martin Wolf überreicht. Froh darüber sind auch die Vertreter der Hausärzte und Kliniken sowie des Kreises und der Stadt Paderborn. Foto: Hanne Hagelgans

Damit das gelingt, arbeiten die Krankenhäuser im Kreis Paderborn (Brüderkrankenhaus St. Josef, St.-Johannisstift und LWL-Klinik in Paderborn, Karl-Hansen-Klinik Bad Lippspringe und St. Vincenz mit den Standorten Paderborn und Salzkotten) zusammen. Ebenfalls mit im Boot ist das Praxisnetzwerk, in dem aktuell etwa 100 niedergelassene Ärzte zusammengeschlossen sind. Bei der praktischen Verwirklichung der Digitalen Gesundheitsplattform OWL hilft die Unternehmensberatung Unity AG.

Drei Jahre haben die Vorbereitungen gedauert. Am Mittwoch feierten die Akteure im St.-Johannisstift einen wichtigen Meilenstein: Der Förderantrag für das bundesweit bisher einmalige Projekt ist bewilligt worden, Fördermittel in Höhe von 4,8 Millionen Euro fließen. „Das ist auch für mich eine Rekordsumme“, freute sich stellvertretende Regierungspräsidentin Anke Recklies, mit der Übergabe von Bewilligungsbescheiden durchaus vertraut. Es handelt sich um eine Förderung von 80 Prozent der Kosten in einer Gesamthöhe von 6,4 Millionen Euro. Die Finanzierungslücke schließen die Beteiligten aus Eigenmitteln.

Die Idee für das Projekt ist vor drei Jahren entstanden, als sich Paderborn im bundesweiten Wettbewerb um den Titel „Digitale Stadt“ bewarb und damals „nur“ den zweiten Platz hinter Darmstadt belegte. Dennoch, waren sich Bürgermeister Michael Dreier, Landrat Manfred Müller und Landesminister Andreas Pinkwart einig, sollten die vielen guten Ansätze, darunter eben auch das Gesundheitsnetzwerk, nicht verloren gehen.

„Wir haben uns vorgenommen, die digitale Kleinstaaterei im Gesundheitswesen zu überwinden“, brachte es Martin Wolf, Sprecher des Antragskonsortiums und geschäftsführender Vorstand des St.-Johannisstifts, auf den Punkt. Ganz wichtig dabei für die Patienten: Sie bleiben nach wie vor Herr über ihre höchstpersönlichen Daten. Der digitale Austausch, der vom kommenden Jahr an in der Praxis erprobt werden soll, findet nur dann statt, wenn der Patient dem zustimmt. Weil aber medizinische Notfälle vorstellbar sind, in denen der Patient diese Entscheidung nicht selbst kundtun kann, soll es auch möglich sein, die Zustimmung einmal zu geben und sie dann beim Krankenhaus oder Hausarzt zu hinterlegen.

Ohnehin, machte Tomas Pfänder, Vorstand der Unity AG, deutlich, gelten höchste Schutzanforderungen sowohl für den Ort, an dem die verwendeten Server untergebracht werden, als auch für das beauftragte Rechenzentrum, das speziell zertifiziert sein muss. Ziel sei es nicht, stelle Pfänder klar, eine zentrale Sammelstelle persönlicher Gesundheitsdaten einzurichten. Vielmehr gehe es darum, den Datenaustausch zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten zu verbessern und zu beschleunigen.

Und Uwe Litwiakow, Leiter des Kreisgesundheitsamtes, dachte schon weiter: Sinnvoll und wünschenswert wäre es, auch das Notarztsystem des Kreises einzubinden und so auch Notfallmedizinern den Zugriff zu ermöglichen.

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