Beate Freier-Bongaertz entdeckt in Stadtplänen Figuren
Paderborn, die Kosakenstadt

Paderborn/Herford (WB). Die Stadt München erinnert sie an eine Frau, bei London denkt Beate Freier-Bongaertz an einen Punkrocker. Mit realen Erlebnissen in den Städten indes haben diese Assoziationen nichts zu tun. Vielmehr basieren ihre Eindrücke auf Stadtplänen.

Donnerstag, 09.01.2020, 07:13 Uhr aktualisiert: 09.01.2020, 07:20 Uhr
Beate Freier-Bongaertz zeigt ihre Bearbeitung von Stralsund. Foto: Hartmut Horstmann

Diese Stadtpläne schaut sie solange an, bis sie zuvor ungeahnte Konturen entdeckt. Wer sehen will, wie sich zum Beispiel die Stadt Paderborn in einen Kosaken verwandelt, hat dazu in Herford ab Freitag, 10. Januar, im Elsbachhaus neben dem Marta Gelegenheit. In der Treppenhaus-Galerie zeigt Beate Freier-Bongaertz ab 19 Uhr ihre Arbeiten. Diese sind im Laufe der vergangenen zwölf Monate entstanden. Die Schau trägt den Titel „Des Falkners Plan war das nicht“.

An einen tanzenden Kosaken denkt die Künstlerin Beate Freier-Bongaertz bei ihrer Bearbeitung des Paderborn-Plans. ­Die Ausstellung mit bis zu 100 Plänen wird am Freitag, 10. Januar, eröffnet.

An einen tanzenden Kosaken denkt die Künstlerin Beate Freier-Bongaertz bei ihrer Bearbeitung des Paderborn-Plans. ­Die Ausstellung mit bis zu 100 Plänen wird am Freitag, 10. Januar, eröffnet. Foto: Hartmut Horstmann

Die Treppenhaus-Galerie gibt es seit fünf Jahren. Sie ging zurück auf eine Idee des mittlerweile verstorbenen Galeristen Claus-Dieter Tholen – heute kümmert sich der Herforder Künstler Weizenfeld vom Verein Kulturbeutel um die Konzeption.

Einige bemerkenswerte Ausstellungen waren dort bisher zu sehen. Während Maler wie Weizenfeld für ihre Werke die Wände nutzen, lässt Beate Freier-Bon­gaertz aus Borgholzhausen (Kreis Gütersloh) das historische Treppenhaus zu einer großen Installation werden. Eine Installation, die aus bis zu 100 Stadtplänen besteht.

Zu ihren Figuren kommt die Beate Freier-Bongaertz, indem sie die alten Karten tagelang in ihrem Atelier liegen lässt. In Gedanken geht die Künstlerin die Hauptverkehrswege wie Flüsse, Bahnstrecken oder Straßen immer wieder ab – bis sie endlich Konturen entdeckt. „Natürlich kann jeder Betrachter darin etwas anderes sehen“, sagt Beate Freier-Bongaertz, die Mitglied im Vorstand des Gütersloher Kunstvereins ist.

Indem sie die Grenzen durch Übermalungen deutlich macht, entstehen die Figuren. So lässt ihre Berlin-Stadtplan-Zeichnung an zwei Graffiti-Figuren im Streitgespräch denken. In alltäglichem Material stößt die Künstlerin so auf Impulse, aus denen sich völlig neue Sichtweisen ergeben.

Dass sich die Künstlerin seit mehr als einem Jahr auf Stadtpläne fokussiert, hat mit deren Verschwinden zu tun. Nur noch die Pläne touristischer Großstädte würden gedruckt, der Rest werde digitalisiert. Ihre Arbeit sieht sie daher auch als das Bewahren einer Tradition, als den Erhalt von Zeitdokumenten.

Bei Freunden und Bekannten hat sie sich viele Pläne besorgt, einen Stadtplan von Herford hat sie in der Tasche.

Ob sie daraus bis zur Eröffnung eine künstlerische Idee entwickeln kann, weiß sie noch nicht. Aber bis zum Ausstellungsende am 27. März soll es klappen: „Herford kommt noch.“

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