Stefanie Schmidt will mit Demo auf mangelnde Barrierefreiheit aufmerksam machen Sie gibt Gehörlosen eine Stimme

Paderborn/Borchen (WB). Stefanie Schmidt kann seit ihrer Geburt nichts hören. Seit langem setzt sie sich für Menschen mit Behinderung ein. Um auf fehlende Barrierefreiheit in Paderborn aufmerksam zu machen und um für Gewalt gegen Frauen zu sensibilisieren, veranstaltet die engagierte Borchenerin am Samstag, 11. Januar, eine „Demo gegen Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen und taube Menschen“. Diese startet um 14 Uhr an der Herz-Jesu-Kirche.

Von Kevin Müller
Stefanie Schmidt aus Borchen ist Gebärdensprachdolmetscherin und unterstützt Gehörlose zum Beispiel bei Behördengängen. Mit einer Demo möchte sie auf Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen und fehlende Barrierefreiheit aufmerksam machen.
Stefanie Schmidt aus Borchen ist Gebärdensprachdolmetscherin und unterstützt Gehörlose zum Beispiel bei Behördengängen. Mit einer Demo möchte sie auf Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen und fehlende Barrierefreiheit aufmerksam machen. Foto: Jörn Hannemann

Einladung zum Erfahrungsaustausch

Vorab lädt Schmidt alle Interessierten von 11 bis 14 Uhr zu einem Erfahrungsaustausch zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen ein. Vor Ort möchte die 37-Jährige zudem über die Situation der Barrierefreiheit in der Paderborner Innenstadt informieren. Der anschließende Umzug führt vom Westerntor zum Rathausplatz sowie über den Liboriberg zurück zur Herz-Jesu-Kirche. Danach können sich die Teilnehmer bis 18 Uhr noch weiter austauschen.

Stefanie Schmidt ist seit ihrer Geburt taub, kann jedoch Lippenlesen und beherrscht die Deutsche Gebärdensprache (DGS). Die ehemalige Sanitäterin engagiert sich ehrenamtlich beim bundesweiten Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ in DGS. Sie bietet neben Beratung auch Erste-Hilfe-Kurse für hörende und nicht-hörende Menschen an. Oft vermittelt die zweifache Mutter auch zwischen Gehörlosen und öffentlichen Einrichtungen, wenn Kommunikationsschwierigkeiten auftreten.

Viele Gehörlose sind arbeitslos

Dort sieht sie in punkto Barrierefreiheit deutlichen Verbesserungsbedarf: „In öffentlichen Einrichtungen erlebe ich es immer wieder, dass die Mitarbeiter nicht auf den Kontakt mit gehörlosen Menschen vorbereitet sind. Hier muss mehr aufgeklärt werden, und es muss einfacher sein für Gehörlose, ihre Anliegen zu äußern.“ Die Borchenerin weiß aus eigener Erfahrung, dass viele Gehörlose arbeitslos sind: „Sie können ihre fehlende Bildung aber nicht nachholen, da sie die Kosten für öffentliche Kurse und gleichzeitig die für Gebärdensprachdolmetscher nicht stemmen können.“

Gebärdensprachdolmetscher werden benötigt

Das möchte Schmidt ändern. Sie hat bereits bei verschiedenen Einrichtungen wie Schulen angefragt, ob sie dort als Gebärdensprachdolmetscherin arbeiten kann, sei jedoch wegen fehlender Bildungs-Abschlüsse abgelehnt worden. „Das ist der Anfang eines fatalen Kreislaufs. Denn wie sollen Gehörlose sich weiterbilden und Abschlüsse vorweisen, wenn es keine Dolmetscher in den Bildungseinrichtungen gibt, um diese zu erlangen?“

Stefanie Schmidts Idee: Wer im öffentlichen Dienst arbeitet, sollte verpflichtend Grundlagen der Gebärdensprache im jeweiligen Zuständigkeitsbereich lernen. Das würde auch Einsatzkräften von Feuerwehr und Polizei im Notfall helfen, ist Stefanie Schmidt überzeugt.

Eigenständige Sprache

Die Deutsche Gebärdensprache ist eine eigenständige Sprache mit eigener Grammatik, die von der gesprochenen und geschriebenen deutschen Sprache abweicht. „So entstehen Wortverwechslungen und oft auch Missverständnisse“, sagt Schmidt. Hier könnten auch Gebärdensprachdolmetscher helfen, erläutert sie, auch an öffentlichen Einrichtungen.

Spontane Teilnahme an Demo möglich

Die „Demo gegen Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen und taube Menschen“ am Samstag, 11. Januar, ist für 100 bis 400 Personen angemeldet. Stefanie Schmidt freut sich auf jeden, der – gerne auch spontan – teilnehmen möchte. Wer Fragen hat, kann die Borchenerin per E-Mail an info@steffis-dgs.de kontaktieren.

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