Prozess gegen Trio wegen Misshandlung eines Kumpels wird fortgesetzt 22-Jährigen stundenlang verprügelt

Paderborn (WB). Mit Klebeband an einen Stuhl gefesselt, musste ein 22-Jähriger im vergangenen Sommer mehrere Stunden lang Prügel einstecken. Die mutmaßlichen Täter waren seine eigenen Freunde. Und möglicherweise fußte der Racheakt auf einem Missverständnis. Am Dienstag wurde der Prozess gegen das Trio am Landgericht Paderborn fortgesetzt.

Von Ulrich Pfaff
Das Landgericht Paderborn.
Das Landgericht Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Auf der Anklagebank drei junge Männer aus Paderborn: 25 und 21 Jahre alt sind die beiden, die nicht so oft zugeschlagen haben sollen – der Haupttäter und Initiator des Übergriffs ist 23 Jahre alt und sitzt nach wie vor in Untersuchungshaft.

Alle drei haben bereits am ersten Prozesstag kurz vor Weihnachten gestanden: Sie hatten den 22-Jährigen aus ihrem Freundeskreis, von dem 25-Jährigen sogar „wie ein Bruder“ bezeichnet, in die Wohnung des 23-jährigen Azubis gelockt, ihn dort mit Klebeband an einen Stuhl gefesselt und dann regelrecht gefoltert. Bei der mehrere Stunden währenden Prozedur ging der Stiel eines Wischmops kaputt, und das Opfer erlitt üble Verletzungen im Gesicht. Sein Handy nahmen zwei der Angeklagten mit.

Auto der Freundin gerammt

Gestern beschäftigte sich die 5. Große Jugendkammer in der Beweisaufnahme erneut auch mit dem möglichen Auslöser der Tat. Ein Polizeibeamter berichtete im Zeugenstand von der Vernehmung des späteren Opfers.

Der 22-Jährige hatte im Januar 2019 aussagen sollen zu einem Vorfall vom Dezember: Da soll der 23-Jährige in der Stadtheide absichtlich das Auto seiner Freundin gerammt und die junge Frau anschließend durch Schläge verletzt haben. Nach Feststellung des Polizisten hatte der 22-Jährige in seiner Vernehmung genau diesen Vorfall bestätigt, anschließend auch seine Aussage unterschrieben.

Das soll der Hauptangeklagte zum Anlass genommen haben, seinem guten Kumpel eine Abreibung zu verpassen – weil der ihn bei der Polizei verpfiffen habe. Diese polizeiliche Aussage bestreitet das Opfer der Prügelei bis heute, sogar im Zeugenstand vor Gericht. Die Aussage eines weiteren Polizisten brachte auch keine Klarheit: Dieser hatte das Opfer nach seinem Martyrium noch im Krankenhaus vernommen, der 22-Jährige habe sich bitter beklagt, „bestraft“ worden zu sein für etwas, das er nicht getan habe. Er habe betont, nie gegen seinen Freund wegen der Auto-Geschichte ausgesagt zu haben.

Handy nach „Bestrafungs-Aktion“ verschwunden

Auf der anderen Seite, so erklärte der Polizist, seien die Angaben des 22-Jährigen zu seiner Misshandlung absolut stimmig gewesen. „Es passte von vorne bis hinten jedes Detail, das er beschrieben hatte“, sagte der Zeuge – Klebebandreste an einem Stuhl, der kaputte Wischmop, eine Zigarettenschachtel auf einer Ablage, sogar der Eimer mit von ihm nach einem Schlag in den Magen erbrochenen Speichel sei da gewesen.

Das Handy des 22-Jährigen war nach der „Bestrafungs-Aktion“ weg – was dem Trio auch eine Anklage wegen Raubes eingebracht hatte. Das Mobiltelefon war später bei einem anderen Mann in Sande sichergestellt worden. Der Weg, auf dem dieser daran gelangt war, war zunächst nicht zu klären: Ein 25-Jähriger, der als „Zwischenwirt“ gilt, verweigerte die Aussage, weil gegen ihn ebenfalls ermittelt wird.

Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7178116?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F