Benteler unterstützt Japaner mit „Schlüsselkomponenten“
Fachlich unterstützt aus Paderborn: Sony überrascht mit E-Auto

Paderborn/Las Vegas (WB). Der Elektronik-Riese Sony geht überraschend unter die Autobauer. Mit fachlicher Unterstützung des Paderborner Benteler-Konzerns stellten die Japaner auf der Technik-Messe CES (7. bis 10. Januar) in Las Vegas in den USA den Prototypen eines Elektroautos vor.

Dienstag, 07.01.2020, 16:28 Uhr aktualisiert: 07.01.2020, 18:22 Uhr
Sony-Chef Kenichiro Yoshida präsentiert den Prototyp eines elektrisch angetriebenen Fahrzeugs von Sony – den „Vision-S“. Daran mitgewirkt hat auch der ostwestfälische Automobilzulieferer Benteler, numehr Partner von Sony. Foto: dpa
Benteler-Manager Marco Kollmeier.

Benteler-Manager Marco Kollmeier. Foto: Oliver Horst

Der Prototyp namens Vision-S solle demonstrieren, welche Möglichkeiten in den technischen Entwicklungen aus dem Hause Sony steckten, sagte Konzernchef Kenichiro Yoshida. Dazu zählen Software, Sensoren und Sicherheitstechnik ebenso wie ein komplettes Entertainmentsystem. „Dieser Prototyp verkörpert unseren Beitrag zur Zukunft der Mobilität“, sagte Yoshida.

Langes Display: fast von Tür zu Tür

Sony – bekannt für seine Unterhaltungselektronik – entwickelte den Wagen zusammen mit einer ganzen Reihe von Partnern – allen voran Magna Steyr aus Österreich, aber auch den drei großen deutschen Zulieferern Bosch/Benteler, Continental und ZF. Die Elektroauto-Plattform sei geeignet, auch andere Fahrzeugtypen wie etwa SUVs anzutreiben. Sony selbst ist unter anderem stark bei Kamerasensoren, die zum Beispiel in vielen Smartphones zum Einsatz kommen. Im Innenraum des Vision-S fällt ein langes Display auf, das fast von Tür zu Tür reicht.

Paderborner lieferten „Schlüsselkomponenten“

Eine wensentliche Rolle spielt der Autozulieferer Benteler, der in Paderborn sein Stammwerk betreibt, dessen Holding aber in Salzburg ansässig ist. Das Familienunternehmen stellt zum ersten Mal auf der CES aus – und gab am Dienstag die Zusammenarbeit mit Sony bekannt. Benteler beschleunigt nach eigenen Angaben die Entwicklung des Fahrzeugprototyps von Sony. So lieferten die Paderborner „Schlüsselkomponenten“. Worum es sich dabei handelt, sagte Benteler nicht.

Als weltweit führender Partner der Automobilindustrie verfüge Benteler über Wissen entlang der gesamten Wertschöpfungskette sowie über Kompetenz in der E-Mobilität, heißt es. Benteler-Manager Marco Kollmeier, Leiter des Elektro-Mobility-Bereichs, sagte: „Der Trend zu Elektrofahrzeugen wächst rasant. Mit unserem umfassenden Know-how in der Automobilindustrie unterstützen wir bereits existierende und neue Hersteller in diesem Bereich.“

Benteler zeigt auch sein Elektric Drive System

Am Stand des Elektronikkonzerns Bosch zeigt Benteler darüber hinaus sein Elektric Drive System (BEDS) . Dabei handelt es sich um eine Plattformlösung für Elektrofahrzeuge. In den vergangenen Monaten haben Bosch und Benteler ihre Chassis-Lösung gemeinsam weiterentwickelt. Die Plattform sei sofort einsatzbereit und mache viele Jahre Entwicklungs- und Testfahren für Autohersteller überflüssig, heißt es. Bosch und Benteler hatten im April 2019 ihre Partnerschaft bekannt gegeben.

Vor Sony erster Kunde von Benteler war der chinesische Konzern Evergrande – ein Immobilienunternehmen. Das erste Elektroauto von Evergrande soll 2021 vom Band rollen. Benteler ist ein Schwergewicht in der Branche. 2018 setzte das Unternehmen rund acht Milliarden Euro um. 26.000 der 30.000 Beschäftigten arbeiten im Geschäftsbereich Automotive.

Experten hatten schon lange damit gerechnet, dass mit dem Vormarsch von Elektrofahrzeugen auch Elektronik-Konzerne in das Autogeschäft einsteigen. Das wurde allem von Apple erwartet - der iPhone-Konzern stutzte jedoch sein jahrelanges Entwicklungsprogramm und konzentriert sich aktuell auf Roboterwagen-Technologie.

Noch zu früh für Prognosen

Für Prognosen über die Marktaussichten eines Sony-Autos sei es noch zu früh, sagte Branchenexperte Pedro Pacheco von der Analysefirma Gartner. Die Ankündigung zeige zwar, dass Autos nun im Mittelpunkt der Sony-Strategie stünden. „Aber es bleibt trotz der gewaltigen Transformation ein hartes Geschäft, wie der jüngste Rückzieher von Dyson zeigt.“ Dyson, bekannt vor allem für beutellose Staubsauger, hatte mehr als zwei Jahre lang an einem Elektroauto gearbeitet und mehr als zwei Milliarden Pfund investiert. Ende vergangenen Jahres gab die Firma jedoch die Pläne auf, weil sie keine Chancen sah, das Fahrzeug profitabel zu bauen.

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