Neues Projekt des Bildungs- und Integrationszentrums Chance bei unklarer Perspektive

Paderborn (WB). Die Jacke mit dem Wappen der Malteser fällt sofort ins Auge und der junge Mann auf der Bühne, der sie trägt, wirkt noch etwas nervös. Das ist auch verständlich, denn Yousef Rajab (18) soll vor einem großen Publikum aus Politikern, Fachleuten und Ehrenamtlichen erklären, wie das funktioniert mit der Integration von Flüchtlingen.

Durchstarten statt Chancenlosigkeit: Auftakt der Initiative „Durchstarten durch Ausbildung und Arbeit“ (von links): Eva Kalamenovich (Koordinatorin, Kommunales Integrationszentrum), Petra Bolte (Amtsleiterin des BIZ), Rauf Mirzayev, Yousef Rajab, Bernhard Lünz (Leiter Kommunales Integrationszentrum), Ismael Al Janabi, Dr. Stefan Buchholt (Landesweite Koordinierungsstelle Kommunale Integrationszentren), Annette Mühlenhoff (Dezernentin Kreis Paderborn) und Landrat Manfred Müller.
Durchstarten statt Chancenlosigkeit: Auftakt der Initiative „Durchstarten durch Ausbildung und Arbeit“ (von links): Eva Kalamenovich (Koordinatorin, Kommunales Integrationszentrum), Petra Bolte (Amtsleiterin des BIZ), Rauf Mirzayev, Yousef Rajab, Bernhard Lünz (Leiter Kommunales Integrationszentrum), Ismael Al Janabi, Dr. Stefan Buchholt (Landesweite Koordinierungsstelle Kommunale Integrationszentren), Annette Mühlenhoff (Dezernentin Kreis Paderborn) und Landrat Manfred Müller. Foto: WB

Er selbst floh vor drei Jahren aus Syrien über Umwege nach Deutschland und befindet sich heute in der Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Dass seine Integration erfolgreich war, das hat auch viel mit der Jacke zu tun, die er bei der Auftaktveranstaltung zur Initiative „Durchstarten in Ausbildung und Arbeit“ trägt. Bei den Maltesern in Hövelhof engagiert er sich ehrenamtlich, hat dadurch gut Deutsch gelernt und Anschluss gefunden.

Maßnahme bei unsicherer Bleibeperspektive

Seit 2015 starteten bundesweit Initiativen wie Sprach- und Integrationskurse, Praktika oder spezielle Schulklassen, um Geflüchtete zu integrieren – auch im Kreis Paderborn. Doch nach Bundesgesetz standen die meisten dieser Hilfen nur Geflüchteten offen, deren Asylantrag in Deutschland positiv entschieden wurde. An vielen Angeboten nicht teilnehmen durften hingegen Flüchtlinge, die lediglich einen Aufenthaltsstatus als Geduldete oder Gestattete haben und damit eine unsichere Bleibeperspektive.

„Ein abgelehnter Asylantrag bedeutet nicht automatisch eine sofortige Abschiebung“, verdeutlicht Bernhard Lünz, Leiter des Kommunalen Integrationszentrums im BIZ. Aus unterschiedlichen Gründen, zum Beispiel, weil das Heimatland sich weigert, die Geflüchteten wieder aufzunehmen, bleiben diese Menschen mit dem Status „geduldet“ oder „gestattet“ in Deutschland – und das oft jahrelang. „Wir haben im Kreis Paderborn 193 junge Menschen, die seit vier Jahren keinen Zugang zu Sprachkursen, einer Ausbildung oder dem Arbeitsmarkt haben. Ihnen fehlt jegliche Perspektive und sie sind Tag für Tag zum Nichtstun verdammt“, erklärt Landrat Manfred Müller. Da entstehe jede Menge Frust. Außerdem seien sie auf Sozialleistungen angewiesen, da sie kein Geld verdienen dürften. Dies verursache zudem Kosten bei den Kommunen.

Ausbildung zum Fachinformatiker

All dies will die Landesinitiative „Durchstarten in Ausbildung und Arbeit“, die sich insbesondere an junge Menschen zwischen 18 und 27 Jahren mit dem Status „geduldet“ oder „gestattet“ richtet, ändern. Sie öffnet erstmals dieser Gruppe den Zugang zu geförderten Integrationsmaßnahmen. Neben dem ehrenamtlichen Malteser Yousef Rajab präsentierte das BIZ bei der Auftaktveranstaltung der Initiative zwei weitere positive Beispiele, wie Integration optimal laufen kann. Ismael Al Janabi (27) aus dem Irak, der eine Ausbildung zum Fachinformatiker begonnen hat, und Rauf Mirzayev aus Aserbaidschan. Zusammen mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter lebt Mirzayev in Altenbeken. Nach Sprachkursen und Praktika absolviert er zurzeit ein Einstiegsqualifizierungsjahr als Anlagenmechaniker und hofft danach eine Ausbildungsstelle in diesem Beruf zu finden. Nebenbei engagiert sich das Ehepaar in der Gemeinde. „Es ist wirklich schön zu merken, dass wir hier gern angenommen werden. Mut und Einsatz gehören dazu, um zu zeigen, dass man mitmachen und sich richtig integrieren will. Das ist unser Dank an Deutschland“, sagte der junge Vater.

„Aus Fluchtgeschichten können Erfolgsstorys werden, das zeigen die drei Menschen heute Abend auf unserer Bühne“, sagte Müller bei der Auftaktveranstaltung. „Alle drei werden, wenn sie mit ihrer Ausbildung fertig sind, wertvolle Facharbeiter sein, deren Arbeitskraft dringend gebraucht wird.“ Die Verantwortlichen hoffen nun, dass mit der neuen Initiative auch das Schicksal der 193 jungen Geflüchteten mit unsicherer Bleibeperspektive im Kreis Paderborn eine solche Erfolgsstory wird.

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