Sternsinger der Pfarrgemeinde St. Heinrich vertreten das Erzbistum Paderborn am Dienstag in Berlin – mit Video Sie spenden Kanzlerin Merkel den Segen

Paderborn/Berlin (WB). Ein bisschen aufgeregt sind sie schon, verraten die vier Sternsinger der katholischen Pfarrgemeinde St. Heinrich in Paderborn. Am Dienstag vertreten Edith Markwort (17), Ina Wittenbrink (15), Maja Lebok (14) und Elisabeth Ambros (14) das Erzbistum beim traditionellen Sternsinger-Empfang von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin.

Von Matthias Band
Die Heiligen drei Könige in der St.-Heinrich-Kirche (von links): Elisabeth Ambros (14), Maja Lebok (14) und Ina Wittenbrink (15). Edith Markwort (17), die mit nach Berlin reisen soll, war am Freitag kurzfristig erkrankt. Daher fehlt sie auf dem Bild.
Die Heiligen drei Könige in der St.-Heinrich-Kirche (von links): Elisabeth Ambros (14), Maja Lebok (14) und Ina Wittenbrink (15). Edith Markwort (17), die mit nach Berlin reisen soll, war am Freitag kurzfristig erkrankt. Daher fehlt sie auf dem Bild. Foto: Jörn Hannemann

„Wir waren noch nie in Berlin und haben natürlich auch noch nie die Bundeskanzlerin getroffen“, sagen Ina Wittenbrink (15), Maja Lebok (14). Aber sie freuten sich sehr auf die Fahrt und den Besuch bei Angela Merkel. Schon seit ein paar Wochen laufen die Vorbereitungen in St. Heinrich. Gewänder wurden genäht und am Freitag standen schließlich letzte Bastelarbeiten an. „Wir machen uns jeweils zwei Kronen. Eine für die Aktion in der Gemeinde am Samstag und eine für Berlin“, sagt Elisabeth Ambros. Edith Markwort (17), die vermutlich in Berlin den Stern des Erzbistums tragen wird, ist am Freitag erkrankt. Aber die drei anderen Sternsinger drücken kräftig die Daumen, dass ihre Mitstreiterin bis Montag wieder auf den Beinen ist.

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Sternsinger aus unserer Gemeinde waren noch nie bei der Bundeskanzlerin.

Dagmar Ambros

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Denn dann geht es mit dem Zug in die Bundeshauptstadt. Nur gut zwei Stunden Zeit haben sie, um sich Berlin ein wenig anzuschauen. Am Dienstag steht dann um 11 Uhr der Empfang auf dem Programm. „Sternsinger aus unserer Gemeinde waren noch nie bei der Bundeskanzlerin“, erklärt Dagmar Ambros, die sich in der Gemeinde mit vier weiteren Müttern um die Sternsinger kümmert und die Mädchen nach Berlin begleiten wird. Übernachten wird die Gruppe in einer Jugendherberge.

Für den Besuch qualifiziert hatten sich die Mädchen aus Paderborn, weil sie beim Sternsinger-Wettbewerb mitgemacht und beim Preisrätsel das richtige Lösungswort „Friedenstaube“ wussten. Und bei der Ziehung der diözesanen Gewinner hatten sie das nötige Losglück.

Seit 1984 bringen die Sternsinger jedes Jahr ihren Segen „Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus“ ins Kanzleramt. Aus ganz Deutschland reisen die Sternsinger in ihren Gewändern, mit ihren goldenen Sternen und glänzenden Kronen nach Berlin. Angela Merkel empfängt die Könige bereits zum 15. Mal. „Wir werden auch ein paar Lieder singen“, erklärt Ina Wittenbrink. „Dafür müssen wir noch üben.“

45 Sternsinger bringen Segen von Haus zu Haus

Bevor es für die vier Sternsinger aus St. Heinrich aber nach Berlin geht, werden sie an diesem Samstag zunächst einmal mit den 41 anderen Sternsingern, die sich in der Gemeinde angemeldet haben, durch die Straßen ziehen und dort den Segen spenden. Um 9.30 Uhr beginnt der Aussendungsgottesdienst in der St.-Heinrich-Kirche an der Nordstraße. Gegen 10 Uhr starten die Sternsinger.

Die Spendenaktion des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“ steht dieses Mal unter dem Motto „Frieden! Libanon und weltweit“. Seit Beginn der Aktion Drei­königssingen 1959 wurden mehr als 1,14 Milliarden Euro gesammelt, die mehr als 74.400 Projekten und Hilfsprogrammen für Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa zugute gekommen sind.

Edith Markwort (17), Ina Wittenbrink (15), Maja Lebok (14) und Elisabeth Ambros (14) sind schon seit mehreren Jahren Sternsinger. Und warum? „Weil es sehr viel Spaß macht. Und es ist schön zu sehen, was wir mit der Aktion vor Ort erreichen“, sagt Maja. Ina ergänzt: „Wenn wir ins Altenheim St. Elisabeth kommen, werden wir immer sehr herzlich empfangen. Dort ist die Freude groß. Das ist ein tolles Gefühl.“

Kommentar von Matthias Band

Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland haben sich in den vergangenen Tagen auf das 62. Dreikönigssingen vorbereitet. Die Sternsinger, die jetzt von Haus zu Haus ziehen und den Segen „Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus“ bringen, verstehen sich auch als Friedensbringer. Sie wollen zum Ausdruck bringen, dass Kinder weltweit in Frieden aufwachsen und leben sollten – in Zeiten wie diesen eine überaus wichtige Botschaft.

Allerdings finden sich immer weniger Kinder und Jugendliche, die das Ehrenamt ausüben wollen, selbst im Hochstift, wo die Aktion eine große Tradition hat. Es herrscht Sternsinger-Mangel zwischen Höxter, Warburg und Büren. Nicht überall ist die Situation gleich schlimm, aber mancherorts fehlen nicht nur kleine Könige, sondern auch Gruppenleiter und Begleiter. In Salzkotten schlüpft selbst der Leiter des Pastoralverbundes ins Gewand, um die Aktion zu unterstützen.

300.000 Kinder und Jugendliche beteiligen sich nach Angaben des Kindermissionswerks in den katholischen Gemeinden an der Sternsinger-Aktion. Es ist immer noch die weltweit größte Hilfsinitiative von Kindern für Kinder in Not. In den 1990er Jahren waren es allerdings noch bundesweit etwa 500.000 Kinder und Jugendliche. Immer weniger sind bereit, ihre Freizeit für die Aktion zu opfern. Es hat sich viel verändert in unserer Gesellschaft in den vergangenen 30 Jahren – und eben nicht alles zum Guten. Die Beteiligung an der Sternsingeraktion ist ein Beispiel dafür.

Sich zu engagieren, genießt offenbar keinen so hohen Stellenwert mehr. Kinder tummeln sich lieber in den sozialen Medien oder an der Playstation. Auch das Freizeitverhalten ist heute ein anderes als noch vor 30 Jahren. So verreisen Familien mittlerweile zum Jahreswechsel häufiger als früher.

Viel hängt allerdings davon ab, wie lebendig eine Gemeinde ist und wie sich die Eltern einbringen. In der Paderborner Gemeinde St. Heinrich sind es in diesem Jahr sogar etwas mehr Kinder als 2018. Aber unterm Strich ist der Trend nicht wegzudiskutieren. Dabei bringen Sternsinger nicht nur Segen, sondern erfahren ihn auch selbst und tun darüber hin­aus Gutes für arme Kinder. Wie sagt es Sternsingerin Ina Wittenbrink (15): Es sei ein tolles Gefühl die Freude beim Besuch im Altenheim zu spüren. Recht hat sie. Das Land braucht dringend mehr Könige, die so denken wie Ina.

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