„Tatort“-Krimi stößt bei heimischer Polizei auf Unverständnis
Der Mörder aus Paderborn

Paderborn (WB). Das war keine Werbung für die Paderborner Polizei. Im „Tatort“ am Neujahrstag mit dem Titel „Das Team“ entpuppt sich der fiktive Paderborner Kommissar Sascha Ziesing als Serienmörder. Vier Polizisten hat der introvertierte, unter einem Kratzfimmel leidende junge Mann schon umgebracht, als er bei einem Seminar in einem stillgelegten Hotel erneut zum Mörder wird und am Ende selber theatralisch am Klavier stirbt.

Freitag, 03.01.2020, 08:01 Uhr aktualisiert: 03.01.2020, 08:10 Uhr
Sascha Ziesing wird von Friedrich Mücke gespielt. Erst flirtet er mit seiner Kollegin aus Münster Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter), dann tötet er sie. Foto: WDR

Er wolle unbedingt aus Paderborn weg, wo es allenfalls „o.k.“ sei, und Hauptkommissar in einer Großstadt werden, hatte er vorher im Gespräch mit einem Kollegen gesagt. Auch seine Frau dränge ihn, Paderborn zu verlassen. Regisseur und Drehbuchautor Jan Georg Schütten belebt das Motiv vom miefigen, provinziellen Paderborn neu. Hat er recht? Ist die Arbeit im Kreis Paderborn für einen Polizisten wirklich wie eine Art Strafe?

Polizei: Beamte sind gern in Paderborn

Nein, sagt Polizeisprecher Michael Biermann. „Die Kollegen, die hier arbeiten, tun das freiwillig, sie sind nicht strafversetzt“, sagt er und lacht. Das sei Film und Fiktion und entspreche nicht der Realität. Eine Abwanderung von Kolleginnen und Kollegen in andere, sprich größere Städte gebe es nicht, sagte Biermann am Donnerstag. Im Gegenteil: Wer in Paderborn ein Praktikum gemacht habe, komme gerne wieder. Viele Kolleginnen und Kollegen aus dem Kreis Paderborn hätten Wert darauf gelegt, nach der Ausbildung hier zu bleiben.

Stand Ende November 2019 taten 464 Polizeibeamte und 61 Tarifbeschäftigte Dienst im Kreis Paderborn. Im vergangenen Jahr waren 26 Kollegen pensioniert worden, fünf gingen in Rente. Für sie kamen zum 1. September 27 neue Kollegen und fünf neue Tarifbeschäftigte. Dass man nur in Großstädten wie Köln spannende Kriminalfälle lösen könne, wie der „Tatort“ suggeriert, sei Unsinn, ergänzte Biermann: „Die Einsatzbelastung bei uns ist ungefähr genauso hoch.“

Fast sieben Millionen Menschen schauten sich den Krimi am Mittwochabend an, in dem ein Team aus sieben Kommissaren aus Dortmund, Aachen, Münster, Oberhausen, Düsseldorf und Paderborn gebildet werden soll, um eine Mordserie an Polizisten aufzuklären. Zwei Coaches sollen die Polizisten in einem Workshop zusammenschweißen, aber die Teilnehmer pflegen lieber persönliche Animositäten.

Paderborner Regisseurin rät zu Gelassenheit

Dass im Krimi das Bild vom miefigen, provinziellen Paderborn gezeichnet wird, sollten die Stadt und ihre Bürger mit Humor und Lässigkeit nehmen, riet am Donnerstag die Regisseurin Hermine Huntgeburth. Auch wenn Paderborn kein Großstadtflair habe, sei die Stadt keineswegs die tiefste Provinz, sagte Huntgeburth dieser Zeitung: „Paderborn hat sich sehr gut entwickelt.“

Als Beispiele nannte Huntgeburth die Universität, das Paderquellgebiet und den SC Paderborn, der als Erstligist für einen höheren Bekanntheitsgrad der Stadt gesorgt habe. Huntgeburth kam 1957 in Paderborn zur Welt und wuchs in einer Arztfamilie mit neun Geschwistern auf. Heute lebt sie in Hamburg, kehrt aber immer wieder gern in ihre Heimat zurück. Durch Filme wie „Die weiße Massai“ und „Tom Sawyer“ wurde die 62-Jährige zu einer der renommiertesten deutschen Regisseurinnen.

Bei den Zuschauern stieß der „Tatort“ gleichermaßen auf Ablehnung wie Zuspruch. Die Bandbreite der Kommentare auf Facebook reichte von „Habe noch nie so einen Schwachsinn gesehen“ und „Und wer war der Mörder? Natürlich der aus der Provinz“ bis zu „Anders.... Aber gut!“.

Kommentare

Zeitungsleser  wrote: 05.01.2020 10:43
Paderborn und miefig? Das ist genauso als wenn man sagt, Bielefeld gäbe es nicht...
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