„Kulturheimspiel“ im Paderborner Stadtmuseum blickt witzig auf das Jahr zurück Hymne auf eine Buchhandlung

Paderborn (WB). Das Beste kam zum Schluss. Als Erwin Grosche die Hymne auf eine Buchhandlung anstimmte, erhob sich das Publikum und sang „Danke Linnemann“.

Von Dietmar Kemper
Die Teilnehmer des „2. Kulturheimspiels“ im Paderborner Stadtmuseum am Freitag und Samstag.
Die Teilnehmer des „2. Kulturheimspiels“ im Paderborner Stadtmuseum am Freitag und Samstag. Foto: Jörn Hannemann

Die altgediente Buchhandlung an der Westernstraße, in der sich Kunden und Autoren gleichermaßen wohlfühlten und deren Betreiber die Kinder immer wieder zum Lesen animiert hatten, gibt es seit Januar nicht mehr. Mit ihr ging ein Stück Paderborner Kultur verloren.

Beim „Kulturheimspiel“, dem Paderborner Jahresrückblick im Stadtmuseum, wurde noch einmal ein Hoch auf das Ehepaar Katharina und Antonius Linnemann (seit Sonntag 80 Jahre alt) ausgebracht. „Ohne euch ist’s leer, was fang ich an in der großen Stadt, wenn die Buchhandlung Linnemann geschlossen hat?“, sang Grosche und erinnerte nicht nur an Bücher und Lesungen, sondern auch an politisch unkorrekte Frauenwitze des Hausherrn wie den von den Schwiegermüttern, die deshalb nicht in den Himmel kämen, weil Drachen nur 2000 Meter hoch fliegen könnten.

Drei kurzweilige Stunden

Wegen des großen Erfolgs der Premiere im vergangenen Jahr ging das „Kulturheimspiel“ diesmal an zwei Tagen über die Bühne. Die Karten für den Freitag und Samstag waren schnell weg. Die Kombination aus Kabarett, Musik, Interviews und Filmeinspielern traf erneut den Nerv des Publikums. Das Moderatorenduo Julia Ures und Erwin Grosche schaffte es, dass die Zuhörer trotz satter drei Stunden nicht ermüdeten.

Mit dem tragbaren Rednerpult vor dem Bauch ließ Grosche das Jahr Revue passieren und dabei die heiße Bank auf den Königsplätzen genauso wenig aus wie den eifrigen Ordnungsamtsleiter Udo Olschweski, der Vergehen wie öffentliches Urinieren härter ahnden möchte. „Udo Olschewski nicht grüßen, kostet bald 60 Euro“, lästerte Grosche.

An den digitalen Werbetafeln in der City findet er keinen Gefallen. Da stehe etwas im Weg und informiere über Dinge, die man nicht wissen wolle. „Einer ist traurig“, erinnerte er an den langjährigen WV-Redaktionsleiter Georg Vockel und dessen Kolumne. Der SCP wiederum hätte ahnen können, dass es in der 1. Liga ganz schwer werden würde, als es bei der Aufstiegsfeier wie aus Eimern schüttete: „Hätte man da noch reagieren können?“

SCP-Aufstieg war ein Höhepunkt

SCP-Geschäftsführer Martin Hornberger bleibt gelassen. „Ich habe Stefan Effenberg überlebt“, sagte er im Interview. Bis er in sechs Jahren in Rente gehe, werde der SCP „immer unter den besten 30 Vereinen sein“. Den Aufstieg listete auch Bürgermeister Michael Dreier als einen der Höhepunkte des Jahres auf – genauso wie den Abschied von „unseren britischen Freunden“ am 5. Juli. „Sie haben ein unglaubliches Stück Stadtgeschichte mitgeschrieben“, betonte er.

Privat stufte Dreier die Diamantene Hochzeit seiner Eltern als herausragendes Ereignis ein. Der aus Graz stammende Künstler Wolfgang Safer schenkte dem Bürgermeister die von ihm gestaltete Jutetasche mit der Aufschrift „Make it in Paderborn and the Doors are open everywhere“. In Paderborn könne man seine Träume gut umsetzen, hat Safer festgestellt.

Paderborner Rathaus aus 18.000 Legosteinen

An die wichtige Funktion der Kultur erinnerte Ulrich Lettermann: „Sie ist neben dem Sport der Kitt der Gesellschaft, weil wir durch sie über uns nachdenken.“ Während Klaus Schüssler Protestsongs sang und die „Fridays for Future“-Bewegung als „Lichtstrahl“ bezeichnete, schwärmte König Ralf Brinkmann vom Schützenwesen, die Jungs von Hundbrax präsentierten ihr weihnachtlich dekoriertes Paderborner Rathaus aus 18.000 Legosteinen, und die Freilichtbühne Schloß Neuhaus hatte Pippi Langstrumpf geschickt.

Kultur in Paderborn ist vielfältig, so wie die Musik, die von der Mundartband Börnsch, den Funk & Soul Singers und vom Singer-Songwriter Carsten Mentzel repräsentiert wurde. „Eigentlich schreiben wir täglich Stadtgeschichte, und das wollen wir in allen Facetten dokumentieren“, betonte Museumschef Markus Runte. Die Teilnehmer warfen Kugeln mit ihren persönlichen Höhepunkten des Jahres in eine gläserne Röhre, die in zehn Jahren wieder geöffnet werden soll.

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