WLV-Präsident: Hubertus Beringmeier bereitet sich auf Kandidatur vor Landwirte fordern Planungssicherheit

Paderborn (WB). Hubertus Beringmeier, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Paderborn, fordert von der Politik ein klares Bekenntnis zur Deutschen Landwirtschaft. „Wir brauchen Sicherheit über Wahlperioden hin­aus“, erklärte er beim Kreisverbandstag in Wewer.

Von Ingo Schmitz
Hubertus Beringmeier hält große Stücke auf den motivierten Nachwuchs. Dazu gehören Stefanie Agethen und Jan Strathaus-Hoischen (von links), die den Landwirtschaftlichen Kreisverband unter anderem auf der Grünen Woche repräsentiert haben.
Hubertus Beringmeier hält große Stücke auf den motivierten Nachwuchs. Dazu gehören Stefanie Agethen und Jan Strathaus-Hoischen (von links), die den Landwirtschaftlichen Kreisverband unter anderem auf der Grünen Woche repräsentiert haben. Foto: Ingo Schmitz

Lag es an den drängenden Problemen, die die Landwirte betreffen? Oder lag es an der Ankündigung, dass der Kreisvorsitzende Hubertus Beringmeier am 17. Februar 2020 zum neuen WLV-Präsidenten gewählt werden will? Oder waren es die erwarteten Reden von Bauern-Vizepräsident Karsten Schmal und dem CDU-Bundestagsabgeordneten Carsten Linnemann, die für die satte Beteiligung im Weweraner Bürgerhaus sorgten? Nahezu 400 Landwirte kamen zu der Veranstaltung, bei der Tacheles gesprochen wurde.

Kritik an den Ministerinnen

Beringmeier kritisierte Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) aufs Schärfste. Ihre Bestrebungen gingen zu Lasten der Bauern. „Wir sind für Grundwasser- und Insektenschutz. Wir sind auch für mehr Tierwohl, aber bitte mit und nicht gegen uns. Wenn es zu 100 Prozent auf unsere Kosten gehen soll, kann das nicht funktionieren.“ Dass die beiden Ministerinnen zudem in Sachen Düngeverordnung ohne Ergebnis aus Brüssel zurückgekommen seien, sei für ihn unvorstellbar.

Die Düngeverordnung, so Beringmeier, sei zu einem bürokratischen Monster geworden. „Das Agrarpaket im September hat das Fass dann aber endgültig zum Überlaufen gebracht“, erklärte er. Die Konsequenz seien die Demos gewesen – in Paderborn mit den bekannten Nebenwirkungen. Weil die Demonstration mit mehr als 300 Traktoren nicht angemeldet war, ermittelt die Staatsanwaltschaft. „Das müssen wir noch regeln“, sagte Beringmeier in Richtung Landrat Manfred Müller. Er lobte außerdem den Agrargipfel in Berlin. Seine Forderung: „Dem Zwölf-Punkte-Plan müssen Taten folgen. Das dürfen nicht zwölf Beruhigungspillen werden.“ Und dazu gehöre auch die Risikoausgleichsrücklage. „Wir brauchen das – spätestens dann, wenn die Schweinepest kommen sollte.“

Fraktionsübergreifenden Gesellschaftsvertrag zur Tierhaltung gefordert

Dem Bundestagsabgeordneten Linnemann schrieb er ins Stammbuch, dass es einen fraktionsübergreifenden Gesellschaftsvertrag zur Tierhaltung geben müsse, der für die nächsten 20 Jahre Bestand haben soll. Nur dann hätten Landwirte Planungssicherheit.

„Die Lage der Landwirtschaft ist in großen Teilen dramatisch“, fasste Carsten Linnemann die Situation zusammen. Es sei für die Region wichtig, so der Abgeordnete, dass Hubertus Beringmeier zum Bauernpräsidenten gewählt werde. Nitratwert und Grundwasser, Insektenschutzprogramm und Tierwohl seien Themen, die geballt auf die Landwirte einwirkten.

Linnemann vermisst Konsens pro Landwirtschaft

„Ich bin Teil der Partei und nehme die Kritik an. Das Kernproblem ist aber, dass es keinen Konsens gibt zwischen Landwirtschaft, Gesellschaft und Politik. Das Ergebnis ist, dass die Planungssicherheit abhanden kommt. Dadurch gibt es immer mehr Insolvenzen und die Landwirte fühlen sich als Buhmänner der Nation.“ Dass man sie nun auch noch für das Klima verantwortlich mache, sei absurd. „Das Klima wird nicht an der deutschen Fleischtheke entschieden. Auch nicht durch Fahrverbote, sondern durch Technik und Innovation.“

Bauern-Vizepräsident Karsten Schmal nahm Linnemann beim Wort, dass bei der Insektenschutzverordnung noch nicht alles entschieden sei. „Da muss uns bald etwas Gescheites einfallen, denn wir sind es, die die Bevölkerung ernähren“, sagte er.

Kommentare

Bauernschlauberger

"Das müssen wir noch regeln." - Richtig, da müssen noch mehr juristische Schritte folgen. Auf Gesetzesbruch folgt Strafverfolgung folgt Strafe, so wie sich das in einem Rechtstaat gehört. Oder meint der Vorsitzende etwa, man solle sich lieber per Handschlag mit irgendwelchen Granden der Politik an Recht und Gesetz vorbeikungeln können? Doch wohl eher nicht, oder?
"Nitratwert und Grundwasser, Insektenschutzprogramm und Tierwohl seien Themen, die geballt auf die Landwirte einwirkten." - Und das auch völlig zurecht, denn das sind alles Bereiche, in denen Landwirtschaft hauptverantwortlich und leider oft auch schädlich agiert, was dann für den kompletten Rest der Bevölkerung negative Konsequenzen hat. Es kann nicht sein dass Landwirtschaft darauf pocht z.B. weiterhin haufenweise bequem Glyphosat einsetzen zu können und damit weiterhin zum massenhaften Insektenaussterben beiträgt. Das Zeug gehört verboten, Punkt.
„Da muss uns bald etwas Gescheites einfallen, denn wir sind es, die die Bevölkerung ernähren“ - Richtig, und ohne Insekten keine Bevölkerungsernährung. Also kann die Massgabe nur heissen: weniger Pestizide und Insektizide. Oberste Priorität hat nicht zu sein, ob Bauern wirtschaftlich gut dastehen können, sondern alleroberste Priorität ist Naturschutz. Denn ohne Natur gibt's nicht nur keine Bauern, sondern niemanden von uns.

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