Paderborner Autor Hermann Multhaupt erzählt das Leben von Ernst Kohlberg
Erfolgreich in Amerika

Paderborn (WB). Es war der jüdische Auswanderer Salomon C. Schutz aus Wünnenberg, der dem jungen Ernst Kohlberg aus Beverungen zu einem Start in der Neuen Welt verhalf. Denn er streckte das Reisegeld vor, damit der junge Pionier in Texas Fuß fassen konnte. Kohlberg wurde am Ende so berühmt, dass ein amerikanischer Autor seine Lebensgeschichte verfasste und ein Film mit Robert Mitchum in der Hauptrolle über ihn entstand.

Donnerstag, 05.12.2019, 17:35 Uhr aktualisiert: 05.12.2019, 17:40 Uhr
Ernst Kohlberg als Jäger im Wilden Westen. Er wurde durch Tabak wohlhabend, war Hotelier und Mitbegründer der Eisenbahn- und Elektrizitätsgesellschaft von El Paso.

Ernst Kohlberg, dessen Leben auch im „Handbuch von Texas“ ausführlich beschrieben wird, verließ am 15. August 1875 die Heimat. Das Geld für die Reise nach Übersee besaß er nicht. So traf Vater Jacob Lehmann Kohlberg mit dem aus Wünnenberg stammenden Geschäftsmann Salomon C. Schutz eine Abmachung, wonach der Sohn zwischen sechs Monaten und einem Jahr unentgeltlich in dessen zwei Geschäften in Franklin – so hieß El Paso damals – arbeiten sollte, um die Fahrtkosten zurückzuerstatten. Zugleich sollte er das Kaufmannsgeschäft erlernen.

Tabak machte Ernst Kohlberg reich

Schließlich wurde Ernst Kohlberg durch Tabakanbau reich, er war Mitbegründer der Eisenbahn- und Elektrizitätsgesellschaft von El Paso und Direktor zweier Banken. Unter den Gemeinschaften, denen er angehörte, befand sich auch der Verein fortschrittlicher deutscher Juden. In seinem Hotel St. Regis trafen 1909 US-Präsident Howard Taft und der mexikanische Präsident Porfirio Díaz zusammen.

Sein Hotel St. Charles verpachtete Kohlberg 1910 an einen Mann namens John Leech. Doch der konnte wegen seiner Spielschulden bald die Pacht nicht mehr zahlen. Nachdem der erfolgreiche Unternehmer den Streitfall seinem Anwalt übergeben hatte, erschien Leech am 17. Juni 1910 in Kohlbergs Büro und verlangte, die Klage zurückzuziehen. Doch Kohlberg weigerte sich. Darauf zog Leech seine Pistole. Ernst Kohlberg brach tödlich getroffen zusammen.

Sein Mörder wurde begnadigt

1934 wurde der zu lebenslanger Haft verurteilte Mörder von der Gouverneurin Miriam A. Ferguson begnadigt. Der amerikanische Schriftsteller Tom Lea veröffentlichte 1952 seinen Roman „Das wunderbare Land“, der später mit Robert Mitchum verfilmt wurde. Für die Figur des Ludwig Sterner bediente er sich als Vorlage des Lebens von Ernst Kohlberg.

Ernst Kohlberg hat in den Jahren 1875 bis 1877 viele Briefe nach Hause geschrieben, die Aufschluss über die Siedlungsgeschichte und die Lebensweise in der Neuen Welt gaben. Diese Korrespondenz wurde 1977 von der Texas Western Press veröffentlicht.

Der Paderborner Autor Hermann Multhaupt hat diese Briefe aus dem Amerikanischen ins Deutsche zurückübersetzt und in eine Romanform „gegossen“. Dazu gehört auch die Lebensgeschichte der aus Herstelle (Weser) stammenden Eltern und Geschwister, die wegen besserer Geschäftsbedingungen nach Beverungen umsiedelten.

Nachfahren von den Nazis verfolgt

Einer aus der Sippe, ebenfalls Ernst Kohlberg mit Namen, erschoss sich 1939 nach der Zwangsarisierung seiner Holzwarenfabrik in der Nazi-Zeit, seine Familie endete im Konzentrationslager. Die letzte Nachfahrin der Familie Kohlberg in Herstelle starb 1942, wurde von Nachbarn heimlich – die Räder des Wagens waren mit Lumpen umwickelt, um keine Geräusche zu machen – auf dem jüdischen Friedhof Herstelle bestattet. Sie hatte einen Sohn als Soldat im Ersten Weltkrieg in Frankreich und zwei Söhne durch Tod im Konzentrationslager verloren. Der vierte konnte sein Leben dadurch retten, dass er Konsul von China war. Multhaupts Buch „Pionierzeit in El Paso“ ist im Helios-Verlag, Aachen, erschienen, hat 165 Seiten, enthält zahlreiche Fotos und kostet 19,90 Euro.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7112449?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2512560%2F
Flughafen Paderborn-Lippstadt steht vor der Insolvenz
Der Flughafen Paderborn-Lippstadt in Büren-Ahden im Kreis Paderborn. Foto: Jörn Hannemann
Nachrichten-Ticker