Zugriff in Minden: Haftebefehle gegen drei litauische Tatverdächtige Paderborner Polizei gelingt Schlag gegen litauische Bande von Autodieben

Paderborn/Minden (WB). Der Paderborner Polizei ist nach monatelangen Ermittlungen ein internationalen Fahndungserfolg geglückt. Dabei ist am Mittwoch in Minden eine litauische Bande von Autodieben zerschlagen worden.

Kriminaloberkommissar Phil Clark untersucht einen Lastwagen, der mit Teilen von drei BMW X-Modellen zum Abtransport beladen war.
Kriminaloberkommissar Phil Clark untersucht einen Lastwagen, der mit Teilen von drei BMW X-Modellen zum Abtransport beladen war. Foto: Polizei Paderborn

Mit Unterstützung von Spezialkräften und anderen Polizeibehörden sei es der Kripo gelungen, so die Paderborner Polizei, die litauische Bande zu fassen, die sich auf den Diebstahl von Luxuskarossen mit „keyless-go-Systemen“ spezialisiert hatte. In Minden wurden drei Tatverdächtige festgenommen, aktuell gestohlene BMW’s aufgefunden und mengenweise Beweismittel beschlagnahmt.

Bande wohl für mindestens 20 Diebstähle verantwortlich

Mindestens 20 Autodiebstähle gehen vermutlich auf das Konto der Tatverdächtigen, die mittlerweile in Untersuchungshaft sitzen. Neben der jetzt festgesetzten Bande sind andere, bislang unbekannte Täter parallel aktiv, denn auch nach den Festnahmen wurden BMW-Modelle in Paderborn und Nachbarkreisen entwendet. In diesen Fällen dauern die Ermittlungen an.

In der Lagerhalle hatten die Täter schon mit dem Auseinanderbauen eines gestohlenen BMW X5 begonnen. Die Spurensicherung in und um die Halle in Minden dauerte mehrere Tage. Foto: Polizei Paderborn

Der Weg zum aktuellen Fahndungserfolg begann mit einem gescheiterten BMW-Diebstahl im Juli 2018. In Paderborn-Elsen gingen die Autodiebe einen BMW 330E an. Mit einem sogenannten „Funkstreckenverlängerer“ fingen sie das Funksignal des im Haus des Autobesitzers deponierten Autoschlüssels auf, um das keyless-go-System zu aktivieren. So konnte der Wagen ohne weitere Werkzeuge geöffnet und gestartet werden. Allerdings blieb der BMW nach wenigen hundert Metern liegen und konnte mangels Funksignal nicht mehr von den Tätern gestartet werden.

Sie ließen das Auto zurück und flüchteten. Im Auto konnte die Kripo damals Spuren sichern, die zur Identifizierung eines ersten Tatverdächtigen führten. Der Litauer war bereits wegen schweren Diebstahls vorbestraft. Mit dieser Erkenntnis wurden Verbindungen zu einem mutmaßlichen Komplizen bekannt. Die Staatsanwaltschaft beantragte Gerichtsbeschlüsse für umfangreiche verdeckte Ermittlungen, die sich über viele Wochen erstreckten.

Drähte liefen in Minden zusammen

Die Drähte der Bande liefen in Minden zusammen, wo ein weiteres Mitglied, ebenfalls ein Litauer, wohnt und eine alte Lagerhalle angemietet worden war. Im November zogen die Paderborner Ermittler Spezialkräfte für operative Maßnahmen hinzu.

In der Nacht auf Mittwoch der vergangenen Woche (27. November) observierte eine Spezialeinheit die mutmaßlichen Autodiebe. Zwei Tatverdächtige schlugen in Löhne zu und entwendeten auf die bekannte Weise mittels Funkstreckenverlängerer einen BMW X6. Das Auto ließen sie kurz darauf in der Halle in Minden verschwinden. Als die beiden Diebe dann ihren Komplizen aufsuchten, griffen die eingesetzten Beamten zu und nahm das Trio früh morgens fest.

Drei Tatverdächtige (19, 41, 44) in U-Haft

Die Paderborner Ermittler fuhren direkt zur Lagerhalle in Minden und durchsuchten das Gebäude mit Unterstützung von Mindener Kriminalbeamten. In der Halle stand der gestohlene 6er-BMW sowie ein 5er-BMW, der zwei Tage zuvor ebenfalls in Löhne entwendet worden war. Das Auto war bereits teilweise zerlegt. Die drei Tatverdächtigen im Alter von 19, 41 und 44 Jahren kamen unverzüglich ins Polizeigewahrsam nach Paderborn. Sie wurden am letzten Donnerstag auf Antrag der Paderborner Staatsanwaltschaft dem Haftrichter vorgeführt und sitzen seitdem in Untersuchungshaft.

Gesamtwert von 1.000.000 Euro

Die weitere Spurensicherung in der Mindener Halle dauerte mehrere Tage. In der “Zerlegehalle” konnten Fahrzeugteile und persönliche Gegenstände von Geschädigten aufgefunden werden, die mindestens 20 Autodiebstählen in Ostwestfalen und dem benachbarten Niedersachsen zugeordnet werden konnten. Offensichtlich wurden die gestohlenen BMW’s in der Halle zerlegt und in Einzelteilen ins östliche Ausland transportiert. Die entwendeten Fahrzeuge haben einen Gesamtwert von etwa 1.000.000 Euro.

Teilnahme am von Europol unterstützten Projekt

Der jetzige Fahndungserfolg steht nicht allein. Bereits im letzten Jahr nahm die Paderborner Polizei an einem von Europol unterstützten und von den Landeskriminalämtern Berlin und Brandenburg geleiteten Projekt namens „Limes“ teil. Das Projekt soll die Bekämpfung der internationalen Kraftfahrzeugverschiebung stärken. Die Paderborner Ermittler konnten hierbei insbesondere in Zusammenarbeit mit polnischen Kollegen erfolgreich gegen eine Gruppierung aus dem Raum Danzig ermitteln und zwei Täter in Haft bringen.

Das Phänomen des Autodiebstahls

Kriminaloberkommissar Phil Clark, der die aktuellen Ermittlungen bei der Paderborner Kripo geführt hat, erläutert das Phänomen des Autodiebstahls: „Das Deliktsfeld der internationalen Kfz-Verschiebung ist nach wie vor von polnischen und litauischen Gruppierungen dominiert. Die Täter arbeiten arbeitsteilig, hochprofessionell und über Ländergrenzen hinaus. Sie sind dabei mobil und verwenden modernste Technik zur Entwendung der Fahrzeuge. Die Ermittlungen gestalten sich entsprechend aufwendig. Immer wichtiger wird hierbei auch die Zusammenarbeit mit unseren europäischen Kollegen. Die aktuellen Ermittlungen zeigen, dass wir erfolgreich gegen diese Gruppierungen vorgehen können.“

Tipps zum Umgang mit Keyless Go

Clark setzt jetzt alles daran, die Ermittlungen bezüglich der aktuellen Festnahmen beweiskräftig abzuschließen, um den Tatverdächtigen die Vielzahl der Taten nachweisen zu können. Darüber hinaus steckt er mit seinen Kollegen bereits tief in den Untersuchungen der nach den Festnahmen erfolgten Autodiebstähle. Clark: „Auch nach den neuen Fällen setzen wir wieder alles daran, die Täter dingfest zu machen. Polizeiliche Maßnahmen, hartnäckige Ermittlungsarbeit aber auch Hinweise aus der Bevölkerung tragen zur Aufklärung bei.“

Dass es den Tätern durch die Fahrzeugtechnik manchmal so einfach gemacht wird ärgert nicht nur Phil Clark und seine Kolleginnen und Kollegen. „Es ist super bequem, den Autoschlüssel nicht mehr einsetzten zu müssen, um das Auto aufzuschließen und zu starten. Aber wenn es gestohlen wurde ist die Bequemlichkeit erst mal ganz vorbei.“ Die im Internet eingestellten Tipps sollten deswegen unbedingt beachtet werden:

Kommentare

Endlich mal Dieben auf die Spur gekommen ...

Als ich eben den Artikel lass war ich sehr erfreut über die gute Arbeit der hiesigen Polizei. Endlich hat man mal dreiste Autodiebe dingfest machen können, die vielleicht über Jahre gestohlene und geschlachtete Ersatzteile gehn Osten zu Ungunsten vieler Autobesitzer, die zu Unrecht mit hohen Versicherungssummen bestraft wurden, nur weil sie bei Dieben begehrte Fahrzeuge fuhren oder fahren, dingfest gemacht.

Danke Polizei - einen Daumen hoch dafür ... :)

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