Lions Club Paderborn übergibt Stadtmuseum 14 Werke des Künstlers Brinkschröder lebt weiter

Paderborn (WB). Geschnitzte Wandfiguren zeigen eine Mutter mit Kind und eine in ihr Gewand eingehüllte Frau. Auf farbigen Grafiken sind ein Clown und Josefthomas Brinkschröder selbst in Form von drei Selbstporträts zu sehen.

Von Dietmar Kemper
Heike Sondermann, die die Brinkschröder-Ausstellung mit kuratiert hatte, steht neben der aus Eichenholz gschnitzten Skulptur „Rotkäppchen und der Wolf“.
Heike Sondermann, die die Brinkschröder-Ausstellung mit kuratiert hatte, steht neben der aus Eichenholz gschnitzten Skulptur „Rotkäppchen und der Wolf“. Foto: Dietmar Kemper

Diese und andere Werke des Paderborner Künstlers gehören jetzt dem Stadtmuseum. Sie sind eine Schenkung des Lions Club Paderborn, der sie wiederum dem Kunsthistoriker und Gründungsmitglied des Kunstvereins, Volker Werb, zu verdanken hat. Am Freitag wurde im Stadtmuseum die Schenkungsurkunde unterzeichnet.

Brinkschröder verewigte sich im Rathaus

Das Stadtmuseum ist um insgesamt 14 Werke des Bildhauers und Malers reicher, der 1992 in einem hohen Alter gestorben war. Unübersehbar hatte er zuvor in der Domstadt Spuren hinterlassen. Von Brinkschröders Kunstfertigkeit zeugen die aus Kupfer getriebenen Eingangstüren des Rathauses und im Inneren das geschmiedete Treppengeländer, drei große Glasfenster und das Supraporterelief aus Eiche über dem Eingang zum großen Saal mit Bildern der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Stadt. Hinzu kommen Glasfenster, Portale, Türen und Heiligenfiguren für Kirchen.

Das Stadtmuseum widmete dem Künstler aus Anlass des 110. Geburtstags Anfang des Jahres die Ausstellung „Mensch, Brinkschröder!“ Dadurch wurden er und seine beträchtliche Bedeutung neu in Erinnerung gerufen. „Josefthomas Brinkschröder ist der erste Paderborner Künstler, der in einem Jahr zweimal gewürdigt wird“, sagte der Vorsitzende des Fördervereins des Lions Clubs, Hermann Sittig, am Freitag. Der Verein hat die Schenkung organisiert.

Lions Club fördert Wissenschaft und Kultur

Neben der Unterstützung hilfsbedürftiger Personen und gemeinnütziger Einrichtungen sowie der Pflege der Beziehung zu Clubs im Ausland gehöre die Förderung von Kunst, Wissenschaft und Kultur zu den Aufgaben des Lions Clubs, betonte dessen Präsident Karl Auffenberg. Volker Werb habe einen Teil seiner Sammlung an den Club abgegeben, und der wiederum habe einige der Werke gekauft. Auffenberg erinnerte daran, dass der Club bereits 2014 der Stadt Arbeiten von Peter Gallus geschenkt hatte. Kunstwerke sollten dorthin zurückgeführt werden, wo sie hingehörten, sagte er. So wie die Stadt den Bürgern verpflichtet sei, gelte dies auch umgekehrt. Die Schenkung der Werke von Brinkschröder sieht Auffenberg als ein Beispiel für „gelebten Bürgersinn“.

Bürgermeister Michael Dreier sprach von einem „besonderen Tag“ und einer „großzügigen Schenkung“, die die Sammlung des Museums „in großartiger Weise“ ergänze. Er kündigte an, dass sich ein Freundeskreis Brinkschröder bilden werde und ein Werkverzeichnis erstellt werden soll.

Adler für den Schützenverein geschnitzt

Der Sammler Volker Werb, der heute in Berlin lebt, erinnerte daran, dass Josefthomas Brinkschröder als junger Mann während der NS-Zeit von den Anfeindungen gegenüber moderner, angeblich „entarteter“ Kunst geprägt worden sei. Das Motiv des damals allgegenwärtigen Reichsadlers habe er übernommen, aber nicht im Sinne der Nazis. Werb: „Er schnitzte 16 Mal einen Adler für den Schützenverein. Und das Ziel eines solchen Adlers ist ja, dass er kaputtgeschossen wird.“ Nicht jedes Dorf müsse eine Picasso-Sammlung haben, aber ein Oberzentrum wie Paderborn müsse den Anspruch haben, die Kultur zu pflegen, sagte Werb an Dreiers Adresse. Übrigens will der Sammler auch das Diözesanmuseum bedenken, und zwar mit einem Kreuzweg von Josefthomas Brinkschröder.

Die 14 Werke für das Stadtmuseum sind dort bis zum 2. Februar zu sehen. Darunter sind eine Glasstele mit Tänzerin, die geschnitzten Beatles und ein Ölbild von Paderborn, das den Dom und das Paderquellgebiet zeigt. Motive aus seiner Heimatstadt prägten auch die Ausstellung Anfang des Jahres.

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