Tierheim baut an – Finanzierungslücke beträgt 20.000 Euro Platz für Katzen und Mitarbeiter

Paderborn (WB). Für mehr als 200.000 Euro erweitert das Tierheim Paderborn die Kapazitäten. Schulungsraum, Futterlager, Büro für Kundengespräche: Der Bedarf an Platz sei gewachsen, sagt Gabi Votsmeier, Vorsitzende des Vereins Tiere in Not. 600 Katzen und 230 Hunde sind in diesem Jahr abgegeben worden.

Von Ingo Schmitz
Gabi Votzmeier kuschelt mit den jungen Katzen, die jüngst im Tierheim abgegeben worden sind. Einige müssen zunächst aufgepäppelt werden, bevor sie in gute Hände abgegeben werden können, berichtet die Vorsitzende von Tiere in Not.
Gabi Votzmeier kuschelt mit den jungen Katzen, die jüngst im Tierheim abgegeben worden sind. Einige müssen zunächst aufgepäppelt werden, bevor sie in gute Hände abgegeben werden können, berichtet die Vorsitzende von Tiere in Not. Foto: Ingo Schmitz

Allein 140 Katzen, davon 70 Babys, leben aktuell im Tierheim. Ebenso warten derzeit 25 Hunde auf ein neues Herrchen oder Frauchen. »Wir hatten 2019 ein katzenreiches Jahr. Allerdings ist die Katzenflut etwas später über uns her­eingebrochen«, berichtet Gabi Votsmeier. Normalerweise würden die Jungtiere zwischen Juli und September gebracht. Diesmal kamen die meisten Tiere erst im Oktober/November im Tierheim an – darunter auch wildlebende Katzen. Die zeitliche Verschiebung habe allerdings Folgen: Durch die kalte Witterung hätten manche Babykatzen Schnupfen oder seien kränklich, was die Mitarbeiter fordere. Die Samtpfoten müssten behandelt und aufgepäppelt werden. Dadurch bedingt sei eine Abgabe zum Beispiel an Bauernhöfe, wo die Katzen draußen leben, derzeit nicht immer möglich. Das Tierheim müsse sich darauf einstellen, dass deutlich mehr Katzen als in den Vorjahren überwintern müssten.

Viele abgegebene Hunde sind betagt

Generell habe aber die seit einiger Zeit bestehende Kastrationspflicht positive Auswirkungen. Dadurch sei der Bestand rückläufig. »Früher hatten wir sogar bis zu 800 Katzen«, sagt die Chefin.

Auch bei den Hunden gebe es einen Trend: Bei den abgegebenen Tieren handele es sich häufig um betagte Vierbeiner, die zuletzt bei älteren Menschen gelebt hätten. Sie seien nicht so stressresistent aber dafür meist gut im Futter. Auch um diese Zöglinge muss sich das hauptamtliche und das ehrenamtliche Personal kümmern.

Zu den jüngsten Sorgenkindern gehört übrigens die hübsche Junghündin Kelly. Sie ist erst zehn Monate alt und sehr lieb. Allerdings hat die Rhodesian-Ridgeback-Mischlingshündin mit der stolzen Schulterhöhe von 60 Zentimetern ein Problem. Das Tierheim vermutet, dass sie im Wachstum einen Schlag bekommen hat. Dadurch hat sie ein verkürztes Bein. Eine entsprechende Operation würde ihr ein schmerzfreies Leben bescheren. Doch die kostet 500 Euro. »Sie ist bei uns abgegeben worden, ohne von dem Problem zu berichten. Und die Telefonnummer, die hinterlassen wurde, ist falsch«, berichtet Votsmeier.

Finanzierung über Zuschüsse und Spenden

Seit Jahren schon hat das Tierheim Bedarf angemeldet, sich erweitern zu dürfen. »Es gab bislang keine Möglichkeiten, das Personal zu schulen. Und für Vermittlungsgespräche mit Interessenten brauchen wir auch einen geeigneten Raum«, sagt Votsmeier. Das aktuelle Büro wird vorwiegend als Zimmer für die Seniorenhunde genutzt, die sich von jungen Hunden gestresst fühlen.

Um die Bedingungen für Mensch und Tier zu verbessern, ist in den vergangenen Wochen angebaut worden: Ein Container mit verschiedenen Räumen wurde auf einem angrenzenden Grundstück aufgestellt, das die Stadt zur Verfügung gestellt habe, sagt Gabi Votsmeier. Die Kosten tragen der Verein Tiere in Not sowie der Landestierschutzverband, der allein 80.000 Euro beisteuert. Dank einer Erbschaft sei man dem Ziel ein Stück näher gekommen. Die Finanzierungslücke beläuft sich auf derzeit 20.000 Euro.

Immerhin konnte am Sonntag durch den Weihnachtsbasar und durch den Verkauf der Tierheim-Kalender das Loch in der Kasse etwas verkleinert werden. Mehr als 600 Besucher stöberten zwischen Trödel und Weihnachtsschmuck.

Kommentare

Als ich das letzte Mal in einem Tierheim war, lebten die meisten Katzen in kleinen Gitterboxen eingesperrt. Mir ist aufgefallen, dass Tiere hinter Gittern (Käfige) sehr verängstigt reagieren. Manche Tiere erkranken daraufhin psychisch, weil sie in dem Moment nicht einschätzen können, ob und wann sie jemals ihren Stall wieder verlassen dürfen. In Japan habe ich gesehen, dass man deshalb nun auf Türen aus Acrylglas setzt. Die Tiere reagieren erheblich entspannter, wenn die Barriere durchsichtig ist. Deshalb möchte ich den Verantwortlichen vorschlagen, alle Unterkünfte anstatt mit Gittern, von nun an mit Acrylglas auszustatten (zumindest testweise). Und in Korea gibt es Organisationen, die streunende Katzen in ihrer Freiheit lebend, im großen Stil verpflegen. Das wäre eine Alternative für Katzen, die frei Läufer waren.

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