Aufgelauert am Warburger Tor: Mittäter bekommt Bewährung Erpressung mit martialischen Methoden

Paderborn (WB). Mitgefangen, mitgehangen – so sieht es für einen 25-jährigen Paderborner aus. Er war im Sommer 2018 dabei, als zwei Halbbrüder einen Bekannten bedrohten und die Her­ausgabe von Geld erpressten. Von einem mafiaähnlichen Szenario sprach der Staatsanwalt, die Jugendkammer des Landgerichts verhängte eine Bewährungsstrafe wegen gemeinschaftlicher Bedrohung und Nötigung.

Von Ulrich Pfaff
Symbolfoto.
Symbolfoto. Foto: dpa

Der Fall hatte die 5. große Jugendkammer bereits vor sechs Wochen beschäftigt. Zwei Halbbrüder (21 und 16) waren zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt worden: Sie hatten zusammen mit dem jetzt Angeklagten im Juli 2018 an der Warburger Straße einem jungen Paderborner aufgelauert, der mit dem älteren der Brüder krumme Geschäfte mit gefälschten Rolex-Uhren gemacht hatte. Aus jenen Betrügereien hatte er offenbar bei dem Älteren noch Verbindlichkeiten, welche dieser eintreiben wollte. Möglicherweise hatte er den BMW, in dem er vorfuhr, auch von dem strittigen Geldbetrag gekauft. Der 25-Jährige war nach den Aussagen der Zeugen des Vorfalls dabei gewesen – was genau sein Anteil an der Aktion war, konnte das Gericht anhand der widersprüchlichen Schilderungen nicht mehr feststellen. Lediglich ein 19-Jähriger, der im BMW gesessen hatte, gab das Geschehen einigermaßen stringent wieder.

»Einfach strukturiert, aber nicht geistig behindert«

Der Geschädigte selbst, der von Anfang an wenig Interesse an einer Aufklärung gezeigt hatte, blieb erneut unentschuldigt fern. Immerhin konnte er sich nach einem zweiten Rechtsgespräch dazu aufraffen, seine Beteiligung an der Tat zuzugeben. Womöglich spielte dabei auch eine Rolle, dass er – nach Feststellung eines psychiatrischen Gutachters – »einfach strukturiert, aber nicht geistig behindert« ist. Es sei denkbar, dass er die Ereignisse an jenem Abend einigermaßen erfolgreich verdrängt habe. Der Jugendkammer sagte der 25-Jährige im Sinne eines Geständnisses völlig entwaffnend: »Die sagen, dass ich es war. Also war ich es.« Er habe in der Tatnacht nicht so genau gewusst, was er tue, habe in Panik und Schrecken gehandelt.

Bewährungsstrafe von acht Monaten und 150 Sozialstunden

Und das war nach Überzeugung des Gerichts, den BMW-Fahrer mit den beiden bereits verurteilten Tätern massiv unter Druck zu setzen und ihm mit Schaden für Leib und Leben zu drohen – so dass ein Geldbetrag in nicht festzustellender Höhe einkassiert wurde.

Staatsanwalt Volker Wiederholt beantragte eine Bewährungsstrafe von acht Monaten und 150 Sozialstunden – Verteidiger Achim Niggemeyer schloss sich an. Auch die Jugendkammer fand dieses Strafmaß angemessen: Von der angeklagten besonders schweren räuberischen Erpressung könne nicht ausgegangen werden, aber es habe sich um »wirklich martialische Methoden« gehandelt, mit denen die Geldforderung eingetrieben werden sollte, sagte Richterin Nicole Klein.

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