IG Metall ist gesprächsbereit – Abweichung von Garantien? Verhandlungen bei Benteler

Paderborn (WB). Nach der Ankündigung des geplanten Abbaus von 600 der 3600 Stellen in der Stahlrohrsparte des Benteler-Konzerns bis Ende 2022 stellt sich die Gewerkschaft IG Metall auf erste Gespräche noch in diesem Jahr ein. Das erklärte der Geschäftsführer der IG Metall Paderborn, Carmelo Zanghi, am Sonntag gegenüber dem WESTFALEN-BLATT.

Von Oliver Horst
Gewerkschafter Carmelo Zanghi.
Gewerkschafter Carmelo Zanghi. Foto: Jörn Hannemann

Am Vormittag hätten fast 1400 der 2400 in Paderborn Beschäftigten an der turnusmäßigen Betriebsversammlung teilgenommen. Dabei habe der Konzern die Pläne zum Stellenabbau bestätigt und sie mit der schwierigen Branchenlage mit sinkenden Preisen und Überkapazitäten begründet.

Zanghi betont, dass auf Basis eines 2017 in Kraft getretenen Vertrags mit Standort- und Beschäftigungsgarantien betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2021 eigentlich ausgeschlossen seien. Der Konzern mit Sitz im österreichischen Salzburg und Hauptstandort Paderborn hatte zudem Investitionen von 200 Millionen Euro zugesagt, die nun teilweise verschoben wurden . Im Gegenzug hatten die Mitarbeiter Lohneinschnitte hinzunehmen. Von 2022 an soll wieder der Flächentarifvertrag gelten.

»Es gibt die Option über Abweichungen von der Vereinbarung zu reden. Gesprächen verschließen wir uns nicht«, sagt Zanghi. »Unser Ziel ist es, zukunftsfähige Arbeitsplätze zu sichern, insbesondere in Paderborn.« Die Gewerkschaft werde sich im laufenden Prozess ein eigenes Bild von der Gesamtlage machen.

Tobias Braun, Finanzvorstand der Stahlrohr-Sparte, hatte angekündigt, den Stellenabbau vor allem über freiwillige Abfindungsprogramme, Altersteilzeit, flexible Arbeitszeiten und eine natürliche Fluktuation realisieren zu wollen.

Aus Sicht von Zanghi spielt neben der Lage auf dem Stahlmarkt auch die schwierige Situation als Autozulieferer eine Rolle. »Die Banken als Kreditgeber sind den Zulieferern gegenüber in der aktuellen Umbruchphase skeptisch.« Dabei brauchten die Unternehmen finanzielle Freiräume, um sich neu zu positionieren. Bei Benteler komme hinzu, dass nach dem Rückzug von Patriarch Hubertus Benteler aus dem Tagesgeschäft und durch mehrere Wechsel an der Spitze eine gewisse Kontinuität verloren gegangen sei.

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