Bürgerstiftung verleiht Preis an Peers U25 und Bahnhofsmission Ehrenamtliche ins Rampenlicht gerückt

Paderborn (WB). Besser hätte die Bürgerstiftung ihren Festredner bei der Bürgerpreisverleihung gar nicht wählen können: Noch während Markus Krösche erzählte, worauf es ankommt, um eine Fußballmannschaft richtig einzustellen, ging der SC Paderborn in Dortmund in Führung. Im Mittelpunkt des Abends standen dennoch die Preisträger: die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Peers U25 und der Bahnhofsmission.

Von Maike Stahl
Großer Bahnhof für die mit dem Bürgerpreis geehrten Ehrenamtlichen von Bahnhofsmission und Peers U25: Anerkennung zollen ihnen (vorne, v. links) Michael Dreier, Nikolaus Risch, Markus Krösche, Eckhard Heidloff, Claudia Beverungen und Elmar Kloke.
Großer Bahnhof für die mit dem Bürgerpreis geehrten Ehrenamtlichen von Bahnhofsmission und Peers U25: Anerkennung zollen ihnen (vorne, v. links) Michael Dreier, Nikolaus Risch, Markus Krösche, Eckhard Heidloff, Claudia Beverungen und Elmar Kloke. Foto: Stahl

Beide Preisträger, die vom Kuratorium der Bürgerstiftung aus 40 Vorschlägen ausgewählt wurden, sind laut Elmar Kloke, Vorsitzender der Bürgerstiftung, ein Beispiel dafür, wie Bürger mehr Verantwortung für die Gestaltung des Gemeinwesens in Paderborn übernehmen und damit die Stadt liebens- und lebenswert erhalten. Das unterstrich auch Bürgermeister Michael Dreier, der die Bürgerstiftung und die durch sie unterstützte ehrenamtliche Arbeit als »Scharnier unserer Stadtgesellschaft bezeichnete«. »Was Sie leisten, ist das, was unsere Gesellschaft braucht«, bescheinigte er beiden Preisträgern. Gestiftet wurde das Preisgeld, insgesamt 5000 Euro, von der Familie Heidloff-Stiftung, die bei der Verleihung durch Eckhard Heidloff und seine Tochter Kerstin vertreten wurde.

Peers U25

Die Peers U25, die bei der Caritas angesiedelt sind, sind derzeit 25 junge Menschen, die Gleichaltrige anonym und online durch Krisen begleiten und ihnen vor allem Lebensmut geben. »Denn Suizid zählt als zweithäufigste Todesursache in der Gruppe der 15- bis 25-Jährigen«, sagte Laudator Friedhelm Hake, der bis Ende September zuständiger Bereichsleiter der Caritas war. Da diese Gruppe aber gleichzeitig nur schwer erreichbar sei, entstand in Freiburg das Konzept eines anonymen Online-Präventionsangebotes, das 2014 auch in Paderborn etabliert wurde. Seitdem sind 43 ehrenamtliche Peers ausgebildet worden, von denen 25 noch aktiv tätig seien. Unterstützung erhalten sie durch zwei hauptamtliche Kräfte und regelmäßige Supervisionen. »Denn sie befassen sich mit den tiefsten Abgründen der menschlichen Seele«, sagte Carolina Groppe, eine der beiden hauptamtlichen Mitarbeiterinnen. »Danke, dass ihr Lebensmüden immer wieder den Mut gebt, doch weiterzukämpfen!« Im vergangenen Jahr seien das allein 120 gewesen. Das Preisgeld soll in die Prävention fließen, um das Angebot über die Schulen bekannter zu machen.

Bahnhofsmission

Mehrfach vorgeschlagen und jetzt endlich ausgezeichnet: Die Bahnhofsmission Paderborn hat den Bürgerpreis erhalten, weil sie täglich für diejenigen da ist, die Hilfe benötigen – gerade auch für die Verlierer der Gesellschaft, sagte Laudator Martin Nowosad, Bahnhofsmanager der Deutschen Bahn. Das reiche von Hilfe beim Ein- und Umsteigen, über eine Tasse Kaffee, ein offenes Ohr und ein aufmunterndes Wort bis hin zur Vermittlung weiterer Hilfsangebote. Jedes Jahr hat die Bahnhofsmission Paderborn dabei bis zu 22.000 Kontakte, berichtete die hauptamtliche Leiterin Sabine Bergmeier. »Alle sind willkommen, jedem wird geholfen«.

Der Festvortrag

Markus Krösche, der den SC Paderborn als Sport-Geschäftsführer zurück in die Bundesliga führte, gewährte Einblick in seine aktuelle Tätigkeit als Sportdirektor bei RB Leipzig. »Grundsätzlich geht es immer darum, Menschen unterschiedlicher Herkunft, Bildung und Religion so zusammenzuführen, dass sie gemeinsam das gleiche Ziel verfolgen«, sagte er. Dabei müsse die Mannschaft heterogen sein und homogen auftreten. Seine tägliche Herausforderung sei es, die richtigen Spieler zusammenzuführen und ihre unterschiedlichen Motive so anzusprechen, dass sie im Spiel »alle in die gleiche Richtung laufen«. »In Paderborn war das etwas einfacher, weil alle über den Erfolg des Teams persönlich den nächsten Schritt machen wollten«, sagte Krösche. »In Leipzig habe ich allein 18 Nationalspieler, jeder ist finanziell unabhängig und hat seinen Status, den er wahren will. Die Berater und das Umfeld haben einen enormen Einfluss. Da ist es erheblich schwieriger, das Motiv jedes einzelnen zu triggern, damit es im Spiel funktioniert.« Allerdings sei der Verein entsprechend professionell aufgestellt. Allein zehn Psychologen und fünf Pädagogen kümmerten sich um die Nachwuchsabteilung. Den Bogen zum Ehrenamt schlug Krösche über die vielen kleinen Vereine, in denen Ehrenamtliche ihre Freizeit opfern und damit die Basis für Spitzenfußball legen.

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