Verdächtiger Kinderpornoauswerter soll einem Kollegen »nicht ganz koscher« vorgekommen sein Paderborner Polizei stellt Mann ein, ohne ihn zu überprüfen

Paderborn (WB). Die Paderborner Polizei hat zur Bearbeitung von Kinderpornodateien einen Mann (34) eingestellt, obwohl gegen ihn wegen Kinderpornobesitzes ermittelt wird.

Von Christian Althoff
Symbolbild.
Symbolbild. Foto: dpa

Auf Anordnung des Innenministeriums erhöhen derzeit die 47 Kreispolizeibehörden in NRW die Zahl der Missbrauchsermittler und der Kinderporno-Auswerter. Letztere müssen keine Beamte sein. So stellte die Paderborner Behörde einen IT-Fachmann ein. Er soll seit Juli Datenträger mit Kinderpornos, die bei Verdächtigen sichergestellt wurden, für die Kripo zur Auswertung aufbereitet haben.

Nach unbestätigten Informationen soll der IT-Fachmann einem Polizisten seit längerem »nicht ganz koscher« vorgekommen sein, so wird es zumindest erzählt. Deshalb soll der Polizist den Kollegen am Dienstag in einer Polizeidatenbank überprüft haben. Dabei stieß er auf ein Ermittlungsverfahren, das die Kripo Lippe seit langem gegen den Mann führt.

»Es geht um Kinderpornobesitz«, sagte Oberstaatsanwalt Ralf Vetter, wollte aber keine Details nennen. Auch zu Informationen, nach denen der Mann in einem lippischen Freizeitbad aufgefallen sein soll, äußerte er sich nicht. »Das Verfahren läuft noch.«

Panne im Personaldezernat

Dass die Paderborner Polizei einen IT-Fachmann mit möglicherweise pädophilen Neigungen eingestellt hat, soll eine Panne ihres Personaldezernats gewesen sein. Es soll versäumt haben, den Mann wie vorgeschrieben zu checken. Nach Angaben des NRW-Innenministeriums ist in den Kreispolizeibehörden die Abteilung »Zentrale Aufgaben« dafür zuständig, Bewerber vor einer Einstellung zu überprüfen. Sprecher Wolfgang Beus: »Dafür hat NRW extra das Landesdatenschutzgesetz geändert.«

Demnach dürfen alle Bewerber für die Polizei, selbst Praktikanten, ohne Zustimmung in den Datenbanken von Polizei und Verfassungsschutz überprüft werden. Warum das in Paderborn unterblieben ist, will die Behörde intern aufklären. Über das Ergebnis will sich NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) unterrichten lassen.

Hausverbot

Der IT-Fachmann bekam am Mittwoch Hausverbot und soll entlassen werden. Ob er seinen Job bei der Polizei genutzt hat, um sich Kinderpornos zu kopieren, ist noch ungeklärt. Solange sich im Dienst-PC keine Hinweise darauf finden, gibt es wohl keine Rechtsgrundlage für eine Hausdurchsuchung.

Die Polizei ist auf IT-Kräfte angewiesen, um Datenbestände von Verdächtigen auszuwerten. Die Polizei Herford will drei Stellen ausschreiben, Höxter zwei, Gütersloh zwei, Paderborn hatte 2019 bereits zwei Stellen besetzt, Lippe auch, und im Kreis Minden-Lübbecke wird noch eine Kraft gesucht. Zur Personalsituation in Bielefeld wollte sich das Präsidium nicht äußern. Nicht alle Behörden verlassen sich bei der Einstellung nur auf Datenbankabfragen. Ein Sprecher der Polizei Höxter: »Unsere Bewerber werden von einem Psychologen überprüft.«

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Paderborner Polizei stellt Mann ein, ohne ihn zu überprüfen

Da stellt sich dem Bürger nur noch folgende Frage: "Hat die Polizei dort wirklichen einem Kriminellen unverantwortliche Einblicke gewährt oder handelt es sich um einen auch in seinem neuen Umfeld aus der Praxis erfehrenen Mitarbeiter".

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